|
Kein
Krieg im Irak! Deutschland in den Rücken fallen!
Aufruf zur Demonstration vom 14.09.02 in Kassel
[Autonome Antifa Kassel (AAK), 2002]
Der Aufruf
erscheint hier in einer gekürzten Fassung. Der vollständige
Aufruf ist unter http://www.is-kassel.de/~aak/main/material/aufruf_140902.htm
nachzulesen.
[...]
Vom „Konservativen Geschichtsdiskurs" zur „selbstbewussten
Nation"
Die erstmalige Beteiligung deutscher Truppen an Kampfeinsätzen
nach der Niederlage des deutschen Faschismus kam nicht aus dem nichts!
Dieser Beteiligung ging ein über 50 jähriger Weg der Remilitarisierung
der Gesellschaft, Rehabilitierung des deutschen Imperialismus und
eine normative Entschuldung voran, denn dem 1949 neu entstandenen
Staat, der Bundesrepublik Deutschland war es unmöglich geworden
sich ungebrochen auf eine „nationale Vergangenheit" zu berufen,
deren jüngstes Kapitel gekennzeichnet war von grausamer Menschenvernichtung
und industriellen Massenmord, für den der Name Auschwitz ewig
steht.
Die BRD vertraute auch in den „Wirtschaftswunderjahren", die
als politische Legitimation zur Rehabilitierung dienten, auf die Verdrängung
der unmittelbaren Vergangenheit um einen „Neuanfang" zu suggestieren,
der aber in großen Teilen die kontinuierliche Fortführung
der alten deutschen Nation und Volkskonzeption war. Mit dem konservativ
- liberalen Regierungswechsel 1982 und dem Amtsantritt Helmut Kohls
wurde eine „geistig - moralische" Wende vollzogen , die den neuen
ökonomischen und politischen Herausforderungen der Zeit besser
gewachsen war um das gesellschaftspolitische Klima grundlegend zu
verändern. In den Vordergrund der konservativen Politik trat
neben marktliberalen Positionen vor allem die sogenannte „nationale
Frage", was nichts anderes bedeutete, als die Etablierung des
idealistisch - metaphysischen Konstrukts der „Nation" als Bezugsgröße.
Sie war überaus wichtig für eine positive Identifikationsmöglichkeit
mit einem unbeschwerten Rückgriff auf die Vergangenheit inklusive
der gesamten „nationalen" Geschichte. Mit der politischen Ausrichtung
der „Deutschlandpolitik" zur „Überwindung der Teilung der
Nation" verzeichnete sich die Möglichkeit das Thema „Nation"
und „nationale Identität" in das öffentliche Bewusstsein
zu verfestigen.
Der Weg zu einer „normalen" und „selbstbewussten Nation"
sollte über einen positiven und unkritischen Bezug auf das Konstrukt
„Nation" und ihrer neuen Geschichte, der deutschen Wiedervereinigung
ermöglicht werden. Mit dem Fall der Mauer erreichte nicht nur
die Renationalisierung des öffentlichen Bewusstseins, die Remilitarisierung
der Außenpolitik , sondern auch neokonservative Ideologien im
Allgemeinen eine nochmalige qualitative Steigerung.
Der
Weg führte über den Balkan
Die Etablierung der „Nation" und der positiven Identifikation
mit der selbigen, welche der Eroberung der „kulturellen Hegemonie"
gleichkam waren normative Grundlagen, denen bald konkrete politische
Taten folgten:
Der Balkan und seine politische Situation Anfang der 90er, war perfekt
dazu geeignet neue deutsche Großmachtphantasien in die Realität
zu tragen.
Deutschland erkannte aus „nationalem Interesse" 1991 Slowenien
und Kroatien überaus schnell als eigenständige Staaten mit
dem Wissen einen blutigen Bürgerkrieg in der Region zu entfachen
an. Denn Deutschland hielt und hält starke wirtschaftliche Exportbeziehungen
zu beiden Ländern, in denen die D - Mark fast zur Leitwährung
wurde. Jugoslawien spielte auch in der „Neuen Weltordnung", nach
dem Zusammenbruch des „Warschauer Pakts" bzw. der meisten staats
- sozialistischen Staaten im Osten weiterhin eine Sonderrolle. Schlossen
sich ehemals sozialistische Staaten, wie Polen oder Tschechien der
EU und der Nato nach der Durchsetzung der kapitalistischen Weltwirtschaftsform
in ihren Ländern an, so verweigerte Jugoslawien die Aufnahme.
Durch die Zerschlagung der Bundesrepublik Jugoslawien und der Entstehung
kleiner Teilrepubliken sollte die gesamte Balkanregion an die EU herangeführt
und angegliedert werden. Für Deutschland und anderen imperialistische
Großmächte entstanden so große Wirtschaftsgebiete,
die in die EU, als wirtschaftliche Freihandelszone integriert werden
sollten.
Der
Aufbruch in die Berliner Republik ... Den Worten Taten folgen lassen!
„Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen, eine friedliche
Lösung im Kosovo auch mit Militärischen Mitteln durchzusetzen."
Diese Worte verkündete Bundeskanzler Gerhard Schröder als
deutsche Tornados am Abend des 24. März 1999 die ersten Angriffe
über Jugoslawien flogen über Funk und Fernsehen an seine
lieben „Mitbürgerinnen und Mitbürger". Der deutsche
Außenminister Joschka Fischer wies den Vorwurf des Krieges der
von deutschen Boden ausgehe „mit Nachdruck zurück". Dieser
brachte es aber am 5. Februar 2000 auf der „NATO - Sicherheitskonferenz"
auf den Punkt, als er betonte: „Wir haben den Krieg erst gewonnen,
wenn in Belgrad Demokratie herrscht".
Während die Tatsache, dass die Kontinuität deutscher Großmacht
- und Expansionspolitik nach dem parlamentarischen Sieg von Rotgrün
1998 ebenso wenig ein Ende fand, wie unter der konservativ - liberalen
Regierungskoalition überraschte, verdeutlichte sich auch die
Kriegsfähigkeit der deutschen Kriegsnation im Jugoslawienkrieg
1999 schneller als erwartet.
Der Bundeskanzler Gerhard Schröder, der deutsche Bundesaußenminister
Joschka Fischer und der damalige deutsche Verteidigungsminister Rudolf
Scharping vollendeten im ersten Anlauf, worauf Kinkel, Genscher und
Kohl auf der Grundlage von Adenauer und Co's Politik, erfolgreich
hinarbeiteten und was schon Kaiser Wilhelm unter der Losung; „Serbien
muss Sterbien" fasste.
Der militärischen Beteiligung der BRD mit Waffenlieferungen,
der logistischen und finanziellen Unterstützung völkischer
und faschistischer Kampfeinheiten, wie der „UCK" oder der kroatischen
„HOS", der militärischen Ausbildung dieser Kämpfer
durch den Bundesnachrichtendienst ( BND ), Tornado - und Bombereinsätzen
gegen die jugoslawische Zivilbevölkerung, geheimdienstlichen
Operationen und der Entsendung einer Einsatztruppe zur Stabilisierung
der Region in Mazedonien unter deutscher Nato - Führung, folgte
der erste aktive militärische Bodeneinsatz gegen einen souveränen
Staat in 5000 km Entfernung. Die Wunderwaffe trägt den Namen
KSK, eine hochausgebildete militärische Killerspezialeinheit.
Die Angaben zu der Anzahl der Beteiligten KSK - Soldaten, die in Afghanistan
zum Einsatz kamen und kommen widersprechen sich. Betrug die offizielle
Bekanntgabe im deutschen Bundestag 100 Elitesoldaten, die an Kriegshandlungen
in Afghanistan beteiligt seien, so beträgt die Dunkelziffer mehr
als 500 KSK - Soldaten und kann auf Grund von Einheitsrotationen noch
weit aus höher sein.
Diese Entwicklung stellt eines fest: die imperialistische Weltpolitik
soll wieder geregelt werden und diesmal mit dem zuverlässigen
Partner Deutschland.
Zivilgesellschaftlicher
Totalitarismus und der Krieg als Vergangenheitsbewältigung
Unter dem parlamentarischen Machtwechsel der rot - grünen Regierungskoalition
des Jahres 1998 zeichnete sich mit der Stärkung der Zivilgesellschaft
und ihrem Pendant um Joschka Fischer und Gerhart Schröder in
Regierungsverantwortung, die ihre politische Sozialisation an die
Erfahrungen des Aufbruchs von 1968 und der Abgrenzung vom Faschismus
knüpfte in der allgemeinen Öffentlichkeit eine neue Ära
ideologische Kriegsausrichtung ab.
Die ideologische Kernposition im Konzept der deutschen Interessensschwerpunkte
lässt sich am Besten in Fischers Worten: „Nicht trotz, sondern
wegen Auschwitz" ausdrücken. Sie sollten ihre außenpolitisch
- humanimperialistische Wirkung bei der Etablierung Deutschlands als
militärische und ökonomische Hegemonialmacht in Europa keinesfalls
verfehlen. Der zivilgesellschaftliche Antifaschismus war nicht bloß
Flaute im Sommerloch, er war Teil des Geschehens. Es sollte der Grundstein
gelegt werden, um die Gesellschaft und den Staat entgültig zu
zivilisieren, zu entnazifizieren und somit die Integration in die
„internationale Wertegemeinschaft", der starken und mächtigen
Staaten zu vollziehen.
Die ideologische Untermauerung des „Menschenrechtskrieges", des
„anständigen Deutschlands" mit dem Vergleich von Slobodan
Milosevic und Adolf Hitler, von KZ` s, Massenhinrichtungen, Deportationen
und den Berichten von „serbischen Monstern" war hingegen nur
mediale und propagandistische Routine, die zu imperialistischen Zwecken
Kontinuität bewahrt.
Die moralische Legitimität des eigenen Handelns zogen die „Verantwortlichen"
mit der Annäherung des Kriegsgegners an den historischen deutschen
Faschismus. Führte Deutschland 1941 einen faschistischen Überfall,
so war es im Selbstverständnis der 68er Akteure mit Regierungsverantwortung
1999 ein Krieg gegen ein faschistisches Regime und ihrem Repräsentanten,
dem jugoslawischen Präsident Slobodan Milosevic. Den heuchlerischen
Soundtrack zur vollständigen Emanzipation des „Nachkriegsdeutschlands"
von der deutschen Vergangenheit und der Relativierung seiner Schuld
und der Verbrechen lieferten die 68er höchstpersönlich.
Der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping zum
Beispiel erinnerte sich beim Geschehen im Kosovo an die Fratze der
eigenen Geschichte und Joschka Fischer behauptete aus der Vergangenheit
nicht nur „Nie wieder Krieg", sondern auch „Nie wieder Auschwitz"
gelernt zu haben. Ausgerechnet das zum dritten Mal von Deutschland
überfallene Jugoslawien musste herhalten für die Projektion
des deutschen Nationalsozialismus in ein anderes Staatsgebiet.
Die Logik des „antifaschistischen Deutschlands" und seiner Politik
erfordert somit die Beteiligung an Kriegen - weltweit - . So wirkt
die einst den deutschen Imperialismus hemmende Vergangenheit als Katalysator
der Vergangenheitsbewältigung.
Der „Menschenrechtskrieg" bzw. der „Menschenrechtsimperialismus"
des rot - grünen Deutschlands und der „zivilgesellschaftliche
Antifaschismus" bilden einen unabdingbaren Zusammenhang. Die
ideologische Einheit manifestierte sich in der Dankesrede Martin Walsers
zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der
Frankfurter Paulskirche 1998 , als dieser vom „Schlussstrich unter
die Vergangenheit" und „der Moralkeule Auschwitz " sprach.
Dass er dafür von Regierung und Opposition frenetischen Beifall
erntete bestätig Obiges nur.
Günther Grass verstand den Militärakt der deutschen Kriegsnation
sogar als „Revolutionshilfe" zum Export des „deutschen Modells"
auf den Balkan und segnete literaturbegabt die „rot - grünen
Friedensbomben". Existierten nach dem Kriegseintritt des Nachkriegsdeutschland
gegen Jugoslawien noch Stimmen, die einen solchen Einsatz ablehnten
und die Militärintervention als einen Angriffskrieg der von deutschem
Boden ausgeht verstanden, so entspricht der Krieg zur Vertretung „nationaler"
und „westlicher Interessen" nach dem NATO - Kriegseinsatz „Operation
Essentiel Harvest" in Mazedonien unter deutscher Nato - Führung
dem zivilgesellschaftlich - nationalen Konsens. Diese Paradebeispiele
deutscher Vergangenheitsbewältigung verdeutlichen, wie zukünftig
mit dem deutschen Faschismus in der „Berliner Republik" umgegangen
werden soll.
Insofern ist der „Zivilgesellschafts" - Diskurs in Liberalen
Kreisen und innerhalb der reformistischen Linken ein linkes Postulat
vom „Ende der Geschichte", in dem die bürgerliche Gesellschaft
und ihre ökonomische Basis zur bestmöglichen und einzigen
Wahrheit deklariert wird.
Der
11. September und der Krieg gegen die „Barbarei" - A Never Ending
story !
Erinnerten die Bilder des Terroranschlags vom 11. September und der
einstürzenden Türme des World Trade Centres ( WTC ) in New
York an einen realitätsfernen, brutalen Science Fiction - Film,
so verliehen die westlich - kapitalistischen Industrienationen ihren
imperialistischen Argumentations- und Kriegsmotiven mit propagandistischem
Delikatessen aus einer absurden Kombination von „Krieg der Sterne"
und einer Prise „Kampf der Kulturen" ideologische Reife.
Wie aus dem Nichts lief die heiße Phase Krieges der „westlich
- freien Welt", der „abendländischen Zivilisation"
gegen die „Barbarei" und der damit einhergehenden Ideologieverschiebung
von „Moskau" nach „Mekka" an. Schnell musste demnach erkannt
werden, dass die schrecklichen Bilder der Terroranschläge Wirklichkeit
waren und die Innen - und Außenpolitik der kapitalistischen
Staaten entscheidend beeinflusst werden würden.
Die Protagonisten des spektakulären „heiligen Krieges",
der von „Allah" besessene Osama Bin Laden auf der Einen und der
Schießwütige „Cowboy aus Texas" George W. Bush auf
der anderen Seite bezogen ihre Stellungen in den medialen Schützengräben
des globalen Kapitalismus und lieferten die ideologische Begleitmusik
zum „Feldzug" der „freien Welt."
Die USA ließen sich nicht zweimal bitten, um den restlichen
Staaten mit ihrem militärischen Alleingang zu demonstrieren,
wer die unangefochtene Nr.1, sprich die Weltmacht ist. Keine Minute
sollte in der Welt daran gezweifelt werden, dass eine passende Antwort,
der real und medial in ihrem nationalen Stolz getroffenen USA auf
diesen 11. September lange auf sich warten lassen würde. Dass
sich die anderen imperialistischen Staaten in der „internationalen
Koalition gegen den Terror" bündelten lag dagegen wohl eher
an der Tatsache, eigene staatliche Gewaltmaßnahmen zur Anwendung
zu bringen und souveräne diplomatische Schwerpunkte in den jeweiligen
Regionen zu setzen.
Die grausame Realität, dass der Krieg und der Terror generell
gegen Zivilisten geführt wird, sei es bei den Anschlägen
in New York oder gegen die Bevölkerung des Iraks, Jugoslawiens
oder Afghanistans, durch die Bomben der „freien Welt" kommt dabei
nicht zur Geltung. Der Feind wir entmenschlicht und sein Tod legitimierbar.
Spricht die „freie Welt" nun hingegen vom „Zivilisationsbruch"
und „dass nichts mehr so sei wie vorher", so ist dies eine glatte
Lüge. Nicht nur dass die gespaltenen Emotionen nach dem 11. September
die tiefen Differenzen zwischen kapitalistischen Zentrum und Peripherie
und des weltweiten Klassengegensatzes verdeutlicht. Es verkennt die
objektive Realität des globalen Kapitalismus. Denn auch nach
dem 11. September bleibt der Kapitalismus auch weiterhin die Ursache
von Krieg, Ausbeutung, Unterdrückung. Der Kapitalismus muss auch
weiterhin als dem Zwang der Verwertung eines jeden Menschen in der
Welt betrachtet werden.
Das
dialektische Verhältnis von Menschenrechtsideologie, Zivilisationsparadigmen
und Imperialismus
Geht es den kapitalistischen Staaten mit ihrem „Antiterror - Krieg"
diesmal nicht um klassische imperialistische Motive, wie die Sicherung
von Ölquellen oder Rohstoffen, sehr wohl aber um die Durchsetzung
und Sicherung der kapitalistischen Macht - und Herrschaftsverhältnisse.
Der deutsche Generalinspekteur Naumann schrieb in den Verteidigungspolitischen
Richtlinien bereits 1992: „Die Landesverteidigung darf als Risikovorsorge
nicht auf das eigene Territorium beschränkt bleiben." „Landesverteidigung
bedeutet künftig „Aufrechterhaltung des freien Welthandels und
des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen." Zielstrebiger
und genauer kann kaum ein Mensch die kapitalistische Notwendigkeit
des Krieges der Nato gegen die Bundesrepublik Jugoslawien oder der
„internationalen Koalition gegen den Terror" auf den Punkt bringen.
Aus allen Teilen der Welt, sogar von Staaten im arabischen Raum, die
traditionell in schlechten politischen Beziehungen zu den USA stehen,
wurde die „Antiterrorallianz" und die USA mit „Solidaritätserklärungen"
überhäuft.
Zu groß war die verständliche Angst vor einer Militärinvasion
der imperialistischen Staaten in ein Land, dass nicht mit der „internationalen
Koalition gegen den Terror" kooperieren oder sogar sein Territorium
für die Militärtruppen und die logistische Ausrüstung
der „Antiterrorallianz" nicht gänzlich zu Verfügung
stellen würde. Pakistan ließ die seit Jahrzehnten gehätschelten
und getätschelten Taliban wie eine heiße Kartoffel fallen.
Die Definition eines „Schurken - und Terroristenstaates" im derzeitigen
politischen Diskurs kommt nicht von ungefähr, sondern sie folgt
aus der bürgerlichen Logik rationeller kapitalistischer Nutzenabwägung
die sich am Besten mit Georg W. Bushs Worten: „ Wer nicht für
uns ist, ist gegen uns" kennzeichnen lässt. Unter diesem
Eskalationsmaßstab zur Regelung der imperialistischen Weltordnung
stehen Maßnahmen - wie Sanktionen, Embargos, geheimdienstliche
Operationen oder klassische Militäreinsätze.
Während sich das kapitalistische Wirtschaftssystem in nahezu
allen Ländern nach dem Zusammenbruch des „Warschauerpakts"
durchsetzte, gilt dies nicht für das Ordnungsmodell des globalen
Kapitalismus: den Spielregeln und dem „Wertemaßstab" der
westlich - kapitalistischen Industrienationen.
Neben der Feststellung, dass ein Bin Laden und ein George Bush nicht
wesentlich voneinander zu trennen sind, sondern, dass beide Erscheinungen
des Kapitalismus sind, resultiert ihre Feindschaft aus den antagonistischen
Interessen innerhalb der kapitalistischen Weltordnung.
Strebt der Teil des Islam, der sich als politisch versteht eine souveräne
Rolle innerhalb der kapitalistischen Weltordnung an, so ist dies ein
relativ normaler Ausdruck des kapitalistischen Konkurrenzprinzips
demgegenüber die kapitalistischen Globalisierungsinteressen der
USA und der EU als Hegemonialmächte stehen. Die ökonomische
Nutzenabwägung und die hegemonialen Interessen politischer Interventionen
bzw. der weltweiten Kriegseinsätze drohen hinter der politischen
Argumentationsstrategie der „Menschenrechte" und der proklamierten
schwarz - weiß Ideologie der „Zivilisation gegen die Barbarei",
wie zu Zeiten des Kalten Krieges ins Abseits zu gleiten. Die Durchsetzung
„der Menschenrechte" und „der bürgerlich - kapitalistischen
Demokratie" kann im Verständnis der westlichen Herrschaftseliten
durchaus ernstgemeint sein. Bedeutet diese Entwicklung im Klartext
in allen Ländern eine stabile Ordnung nach westlichen Vorbild
zu errichten, die den kapitalistischen Verkehrsformen entsprechen
und den ökonomischen Interessen der kapitalistischen Zentren
nutzen, so zielt das politische Projekt der Universalisierung und
der Globalisierung der Menschenrechte mit oder ohne ideologische Verknüpfung
der bürgerlichen Demokratie auf die Akkumulation einer uniformen
kapitalistischen Ordnung.
Der Sturz Saddam Husseins und die militärische Unterwerfung des
Iraks, die nun für US - Präsident George W. Bush oberste
Priorität während seiner restlichen Amtszeit besitzt bedarf
deshalb keiner grundsätzlichen neuen Erläuterungen. Der
Irak ist es der die Liste der „Schurkenstaaten" anführt
in der auch Nordkorea, Kuba und der Iran vermerkt sind. Sie alle stehen
den geopolitischen Interessen der USA im Wege . Die Reden von der
„Besonnenheit der USA" und den humanitären Zielen der „freien
Welt" dienen hingegen erstens nur als politisches Instrument
zur Legitimierung weiterer militärischer Interventionen und zweitens
um den imperialistischen Kriegen ein menschliches Antlitz zu verleihen,
während die strategischen Kriegsvorbereitungen der USA gegen
den Irak in vollem Gang sind und der Angriff nur eine Frage der Zeit
ist. Aber mit der vorschreitenden Zeit und der Erweiterung des Kriegsschauplatzes
auf den Irak scheint G. W. Bush mehr zu verlieren als zu gewinnen.
Viele im Afghanistan noch „uneingeschränkte" Alliierte zögern
nun eine Zusage abzugeben oder sagen wie der deutsche Bundeskanzler
ein „Sadamm - in - Rente Abendteuer" gänzlich ab. Dies liegt
nicht etwa an innenpolitischen Zwischenspielen wie Wahlkämpfen,
wie z.B. in Deutschland, sondern vor allem daran, dass viele imperialistische
Mächte auch in Zeiten der Sanktionen gegen den Irak, dennoch
gute Wirtschaftsbeziehungen aufgebaut und viel Kapital investiert
haben. Dieses wäre bei einem Luft und Bodenkrieg sehr gefährdet,
wie dies in Afghanistan nicht nur nicht der Fall war, sondern erst
nach der Beseitigung der Taliban möglich. So löst sich das
scheinbar widersprüchliche Verhalten imperialistsicher Mächte
auf.
Deutschland,
Deutschland über alles ...
„Es geht nicht um irgendeine außenpolitische Strategie, es geht
um die Vertretung eigener Interessen", so der deutsche Bundeskanzler
wortwörtlich.
Während die deutschen Großmachtbestrebungen und Etablierungsansätze
im Windschatten der USA geschehen, soll diesen gleichzeitig verständlich
gemacht werden, dass Deutschland bereit ist Unterstützung zu
bieten. Bei der eigenen Bevölkerung soll jedoch der Eindruck
entstehen , dass das „anständige Deutschland" mal wieder
in den Krieg hineingedrängt wurde.
Auch der deutsche Außenminister Joschka Fischer bemerkte: „
Je mehr wir international eingebunden sind, desto mehr können
wir erreichen." Allein aufgrund der historischen Umstände
war es den Staaten der EU nicht möglich ihren ökonomischen
Interessen nach dem Vorbild der USA militärisch Nachdruck zu
verleihen.
Die schwarz - gelbe Bundesregierung unter Kohl, Kinkel und Genscher
war Anfang der 90er Jahre mit ihrem Versuch die deutsche Vergangenheit
zu tabuisieren und Bundeswehreinsätze als legitimes Instrument
und gängige Praxis zum Ausbau militärischer und ökonomischer
Führungsansprüche Deutschlands in der von George W. Bush
Senior proklamierten „Neuen Weltordnung" durchzusetzen an ihre
Grenze gestoßen. So scheint das Experiment der Prinzipientreue
unter Rotgrün gerade mit der „Anerkennung der Schuld im Nationalsozialismus"
und der scheinbaren „Aufarbeitung der Vergangenheit", als Legitimationsgrundlage
für die neuen Richtlinien der deutschen Außenpolitik nun
geglückt zu sein. Die Vergangenheit des Faschismus spielt für
die deutsche Politik keine hemmende Rolle mehr. Die moralischen Vorbehalte
sind im Prozess von der deutschen Wiedervereinigung bis zum geklärten
Verhältnis zum Nationalsozialismus unter Rotgrün beseitigt
worden. Die grausame deutsche Vergangenheit des Faschismus wandelte
sich evolutionär von einem moralischem Hemmschuh nach ihrer durch
die Herrschenden Bewältigten Geschichte zum Legitimationskonzept
für imperialistische Angriffskriege und der vollen Rehabilitierung
des deutschen Imperialismus. Nun jedoch auf der Seite „der Guten".(...)
Deutschland
in den Rücken fallen!
Kapitalismus abschaffen! Die radikale Linke aufbauen!
[Autonomen
Antifa Kassel (AAK), 2002]
zum
Anfang l
zurück zur Auswahl
|