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Zur
Geschichte Israels
Kurzer Überblick über die Geschichte Israels, Zionismus
und den Nahostkonflikt
[Antifa-Referat des AStA der Geschwister- Scholl- Universität
München]
Vorwort
Die
Kritik am Staat Israel, an seiner Entstehung, seiner momentanen Politik
und seiner Existenz überhaupt, stößt in der Öffentlichkeit,
in rechten und linken Kreisen auf immer breitere Zustimmung.
Grundlage dieser Kritik ist die Behauptung, die Juden hätten
sich während und nach dem 2.Weltkrieg "widerrechtlich"
in Palästina angesiedelt, sich das Land der Palästinenser
unter den Nagel gerissen, und alle oder die meisten Palästinenser
vertrieben. Ein schrecklicher Genozid sei das Ergebnis gewesen.
Diese Behauptung ist ein Mythos und hält einer wissenschaftlichen
Untersuchung nicht stand.
Die Dokumentation des Vortrags von Emanuel Nassauer in dieser Broschüre,
der einseitig Partei ergreift für die Existenz des Staates Israel,
gehalten am 20. Nov 2001 im AStA der Uni- München, soll diesem
Mythos entgegenwirken.
Aber die Kritik an Israel ist oft nicht nur inhaltlich falsch, sondern
trägt meist auch antisemitische Züge:
Der Staat Israel, den es ohne Auschwitz und den Antisemitismus nicht
geben würde, und jeder einzelne Jude sowie die jüdische
Kultur, die es trotz Auschwitz und Antisemitismus noch gibt, halten
die Erinnerung an die Nazi- Barbarei, an dieses nicht bewältigte
"deutsche Trauma" aufrecht.
(Eine Tatsache, die jeden Linken zur einseitigen Solidarität
mit Israel ermutigen sollte.)
Das passt den Deutschen aber nicht, die doch stolz sein wollen auf
ihre Geschichte;
und so kommt es, dass sich heute nicht nur Israel, sondern bald jeder
Deutsche jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft rechtfertigen
soll für die Politik Israels.
Dabei dient die Konstruktion einer "jüdischen Volksgemeinschaft"
nur der Herstellung einer "deutschen", die sich nicht mehr
für ihre Geschichte schämen muss, weil "die Juden"
selber ja auch nicht besser sind.
1.
Frühe Geschichte
Um
die heutigen Verhältnisse zu verstehen, muss man zunächst
einen Ausflug in die frühe Geschichte unternehmen.
Das Königreich Israel wurde 63 v. Chr. von den Römern erobert.
Diese Besetzung sollte bis zur Eroberung durch die Araber 700 Jahre
dauern. Die Okkupation mündete 66 n. Chr. in dem großen
Aufstand gegen Rom. Vier Jahre später konnten die Römer
Jerusalem zurückerobern und zerstörten dabei den Tempel,
womit das jüdische Zentralheiligtum nach fast 600 Jahren wieder
verschwunden war.
Aber auch die vielen Gefallenen, die Zerstörung des religiösen
Zentrums in Jerusalem und die Versklavung großer Teile der Bevölkerung
bedeutete nicht, daß danach keine oder nur noch verschwindend
wenige Juden in Israel lebten. Bereits 57 Jahre später kam es
zu einem erneuten Aufstand, der zwar weniger beachtet wird, aber ungleich
erfolgreicher war als der erste. Die Juden traten nun unter der Führung
des als Maschiach angesehenen Schimon Bar Kochbah auf.
Um die Wichtigkeit des Titels Maschiach, der auch im heutigen Konflikt
eine Rolle spielt, zu verstehen, muß man den Begriff kurz untersuchen.
Der von den biblischen Propheten angekündigte Maschiach, was
Gesalbter bedeutet, hat nichts mit der davon abgeleiteten christlichen
Figur des Messias zu tun. Da es nur einen Gott gibt, kann der Maschiach
nicht, wie im Christentum, göttlichen Ursprungs sein. Der Maschiach
ist ein von Gott geleiteter Mensch, der ein direkter Nachkomme der
davidianischen Dynastie sein muß. Er hat verschiedene Aufgaben
zu vollbringen, ohne die er nicht der Maschiach sein kann: Er muß
alle Juden nach Israel zurückführen, er muß jedem
Juden seinen Stamm zuweisen, und er muß ein Königreich
unter seiner Führung in Israel errichten. Seit dem Mittelalter
herrscht auch die Lehre vor, daß nur der Maschiach den Tempel
in Jerusalem wiedererrichten dürfe. Als Bar Kochbah 132 n. Chr.
die Römer vertrieben hatte und sich "Fürst in Israel"
nannte, schien diese Zeit endgültig gekommen zu sein. Da jedoch
in anderen Teilen des Reiches Ruhe herrschte, konnte Rom bis 136 n.
Chr. den Aufstand völlig niederschlagen. Die Katastrophe dieses
Krieges war größer als das, was 60 Jahre zuvor geschehen
war. Jerusalem wurde als römische Stadt Ælia Capitolina
wiederaufgebaut, und Juden war der Zutritt verboten. Dies war aber
nicht die einzige Strafe der Römer für Israel: Sie benannten
das ganze Land nach den größten Feinden in Israels Geschichte,
dem Seevolk der Philister. So entstand 136 n. Chr. der Name Palästina.
Von diesem Moment an kann man von Palästinensern sprechen, die
zu diesem Zeitpunkt jedoch mehrheitlich immer noch Juden oder Judenchristen
waren.(Historischer Begriff: vom Judentum zum Christentum konvertierte
Personen, im Gegensatz zu "Heidenchristen", Anm. d. Red.)
Die Zahl der Flüchtlinge und Verschleppten war selbstverständlich
enorm. Die jüdische Diaspora, also die Juden außerhalb
des heiligen Landes, überrundete die palästinensischen Juden
an Zahl und Einfluß. Ein tödlicher Stoß wurde den
Juden in Palästina im Jahre 323 n. Chr. versetzt, als das Christentum
Staatsreligion des römischen Reiches wurde und die antijüdische
Gesetzgebung sich in der Folge verschärfte.
Aber auch nach 323 n. Chr. lebten Juden in Palästina. Als das
Persische Reich im Jahre 614 Palästina eroberte, kämpften
auch jüdische Einheiten gegen die Römer. Als Dank für
die Unterstützung gewährte der persische Kaiser den Juden
die Hoheit über Jerusalem. Unter einem, wieder als Maschiach
angesehenen Anführer, regierten 614 n. Chr. also wieder Juden
die Stadt. Nur drei Jahre später kam es jedoch zu einer Annäherung
zwischen der persischen Regierung und den christlichen Palästinensern.
Die jüdische Herrschaft über Jerusalem wurde beendet und
ihr Anführer ermordet. Damit endete die jüdische politische
und militärische Aktivität in Palästina (bis 1907).
Die jüdische Bevölkerung in Israel war seit 70 n. Chr. enorm
geschrumpft und 629 n. Chr. übernahmen wieder die verhassten
Römer die Macht und rächten sich für die jüdische
Unterstützung der Perser.
Die Eroberung Palästinas durch die Araber 634 n. Chr. wurde von
den Juden daher freudig begrüßt - nach 700 Jahren war die
römische bzw. oströmische Herrschaft damit endgültig
beendet.
2.
Diaspora und Alijah - Entstehung des Zionismus
Die
Sehnsucht der Juden nach Wiederherstellung ihres Staatswesens fand
jedoch nicht nur in Israel Ausdruck. Auch in der Diaspora gab es erfolgreiche
Bestrebungen. In Mesopotamien kam es Ende des 5. Jahrhunderts zu einem
Aufstand der Juden unter ihrem religiösen Oberhaupt Mar Sutra
Ben Huna, der am Tigris das kleine Königreich Mahosa gründete.
Im frühen 6. Jahrhundert existierte am Roten Meer, zwischen Mekka
und dem Jemen, das jüdische Königreich Himjar, welches nach
kurzer Existenz von den christlichen Äthiopiern zerstört
wurde. Das erfolgreichste Staatsgebilde der Diaspora war jedoch das
Chasarenreich. Die Chasaren waren ein Turkvolk, welches sich im Raum
zwischen Ural und Krim festsetzte. Um 700 n. Chr. trat einer ihrer
Könige zum Judentum über und mit ihm ein großer Teil
der Bevölkerung. 300 Jahre später wurde das Reich durch
eine russisch-byzantinische Invasion vernichtet.
Trotz dieser Versuche blieb die Sehnsucht der Exiljuden immer das
Land Israel. Der Zionismus ist die älteste noch existierende
politische Strömung der Weltgeschichte. Er existiert in der einen
oder anderen Form seit etwa 2500 Jahren. Etwa 20 Jahre nach der Zerstörung
des ersten Tempels von Jerusalem 586 v. Chr. und der Zwangsumsiedlung
großer Teile der israelischen Bevölkerung ins babylonische
Exil kam es zur Rückkehr der meisten Verschleppten und der Wiedererrichtung
des Tempels. Aus der Diaspora nach Israel gab es in jedem geschichtlichen
Abschnitt des Judentums seit dieser Zeit Alijah. Dieser Begriff bedeutet
Aufstieg und bezeichnet im jüdischen Gottesdienst den Aufstieg
zum Bima, dem Lesepult der Synagoge, um aus der Torah vorzulesen.
Doch ein Jude steigt auch auf, wenn er ins heilige Land zieht.
Erst mit dem Sieg des Christentums in Rom stoppte kurze Zeit die Einwanderung,
da die Juden Palästinas nun zunehmend Repressalien ausgesetzt
waren. Mit dem arabischen Sieg zog die Alijah wieder an. Der Sieg
der Kreuzfahrer 1099 und das Massaker an den arabischen und jüdischen
Bewohnern Jerusalems brachte sie dann zunächst völlig zum
Erliegen. Ende des 12. Jahrhunderts umfasste die jüdische Bevölkerung
in Palästina 5000 Menschen. Nachdem der Kalif Saladin 1190 die
Kreuzfahrer aus Jerusalem vertrieben hatte, forderte er die Juden
der Diaspora auf, ins heilige Land zurückzukehren und dort zu
siedeln. Dies hatte auch Auswirkungen auf verfolgte jüdische
Gemeinden in Europa. Die berühmteste Alijah dieser Zeit ist die
von 300 französischen und englischen Rabbinern, die 1211 das
Land erreichten. Im 15. Jahrhundert war die Alijah bereits sehr stark.
Juden kamen aus dem Jemen, Persien, Indien, Nordafrika u.s.w. 1495
war z.B. das jüdische Viertel Jerusalems so übervölkert,
daß kein Wohnraum für die Neuankömmlinge mehr vorhanden
war.
Die arabische Herrschaft endete 1517 mit der Eroberung Palästinas
durch die Türken. Das Osmanische Reich sollte nun für genau
400 Jahre das Sagen haben. Im Zuge dieses Machtwechsels gab es einen
enormen Zuwanderungsschub. In dieser Zeit verzeichnete z.B. das galiläische
Safed einen Zuwachs von 5000 Personen in knapp 20 Jahren. Auch im
17. und 18. Jahrhundert gingen die Alijot gingen ungebremst weiter,
so daß die Zahl der Juden Jerusalems 1741 die Grenze von 10.000
überschritt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
und im 19. Jahrhundert sind die Einwanderungswellen osteuropäischer
Chassidim und Mitnagedim zu erwähnen (diese Begriffe erläutere
ich im Parteienvortrag), die mit Gruppen von jeweils mehreren hundert
Leuten in Palästina ankamen. Eine Volkszählung der türkischen
Regierung ergab 1844 eine jüdische Bevölkerungsmehrheit
in Jerusalem.
Man kann
also feststellen, daß die Juden nicht nach 2000 Jahren Abwesenheit
nach Israel zurückkehrten - sie waren immer dort, mal viele,
mal wenige, mal sehr wenige, doch immer vorhanden. Spätestens
mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert erkennt man wieder eine
starke jüdische Präsenz in Palästina. Auch wird deutlich,
daß der Zionismus keine Erfindung des 19. Jahrhunderts war,
sondern seit Jahrtausenden in der jüdischen Seele verwurzelt
ist.
Aber auch der organisierte Zionismus begann lange vorher. Eine Heimstatt
für das jüdische Volk wurde v.a. in Amerika gesucht. Um
1730 dachte Hermann Moritz von Sachsen über einen jüdischen
Staat in Südamerika nach, in dem er selbst König sein wollte.
1819 wurde eine jüdische Kolonie am oberen Mississippi vorgeschlagen.
1825 rief ein Visionär den "Jüdischen Staat Ararat"
auf einer Insel bei den Niagara-Fällen aus. Weitere Vorschläge
des 19. Jahrhunderts waren Argentinien, Surinam, Saskatchewan u.v.m.
Der letzte dieser Versuche scheiterte mit dem jüdischen autonomen
Gebiet Birobidschan in der Sowjetunion.
Die Sehnsucht der Juden nach ihrer alten Heimat wurde jedoch unterschätzt.
Gleichzeitig entstand eine, zunächst rein religiöse zionistische
Ideologie, die im Gegensatz zur allgemeinen orthodoxen Interpretation
die kollektive Rückkehr der Juden nach Israel zur Voraussetzung
für das Auftreten des Maschiach erklärte. Prominenteste
Vertreter dieser frühen Form waren die Rabbiner Kalischer und
Moliver. 1870 kam es zu einem entscheidenden Schritt auf dem Weg zum
Erwachen des jüdischen Volkes in Palästina. In diesem Jahr
wurde bei Jaffa die "Mikveh Jisraël", die erste jüdische
Landwirtschaftsschule gegründet.
1882 begann schließlich eine osteuropäische Alijah, die
heute als die erste des modernen Zionismus angesehen wird. Sie dauerte
bis 1904 und brachte 25.000 Juden nach Palästina. Auslöser
dieser Welle waren die 1881 in Rußland begonnenen Pogrome. Die
Gründung von Siedlungen durch diese Einwanderer stieß sofort
auf den Widerstand der türkischen Behörden, dennoch entstanden
so 20 landwirtschaftliche Siedlungen. Die Anfänge in Palästina
waren sehr hart und entbehrungsreich, und viele verließen das
Land wieder, hauptsächlich in Richtung USA. Die Olim, wie man
die Einwanderer nennt, waren bis zum Jahre 1901 auf die Unterstützung
von Gönnern, wie dem britischen Baron Rothschild, angewiesen.
3.
Der moderne Zionismus und der organisierte Antisemitismus bis 1914
Das Jahr
1895 markiert die Geburt des modernen Zionismus. Der österreichische
Journalist Theodor Herzl (Bild), ein durch und durch assimilierter
Jude, gelangte, nachdem er der Degradierung von Alfred Dreyfus beigewohnt
hatte, zu der Meinung, daß auch extremste Anpassung nicht vor
Vorurteilen und Haß schütze. Seine Thesen veröffentlichte
er 1896 in dem Buch "Der Judenstaat". Für Herzl war
Palästina ein mögliches, aber nicht zwingendes Ziel. Herzls
Zionismus war im Gegensatz zu dem von Kalischer und Co. ein weltlicher,
der die Bindung der Juden an das Land Israel aber nicht verwarf und
auch die Entwicklung seit 1882 nicht ignorierte.
In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte der organisierte Antisemitismus
begonnen, v.a. in Deutschland, wo antisemitische Parteien in den Reichstag
gewählt wurden. An dieser Stelle ein kurzer Exkurs zum Begriff
Antisemitismus:
Nach der Bibel hatte Noah drei Söhne: Sem, Ham und Japhet. Sem
wurde Stammvater der Semiten, das sind Juden und Araber, Ham wurde
Stammvater der Hamiten, das sind z.B. die Äthiopier, und Japhet
wurde Stammvater der Japhetiden, das sind die Völker Kleinasiens.
Der Begriff Antisemitismus ist also irreführend, da sich der
Hass der Antisemiten nur auf die Juden, nicht aber auf deren Brudervolk,
die Araber richtet. Das Wort Antisemitismus ist eine Erfindung des
Judenhassers Wilhelm Marr (Gründer der "Antisemitenliga"),
der seinem Hass einen wissenschaftlichen Anstrich geben wollte.
Der erste zionistische Kongress fand 1897 in Basel statt und forderte
die Errichtung eines jüdischen Staates. Die Frage, wo dieser
Staat gegründet werden sollte, sorgte bis 1905 für Auseinandersetzungen.
Viele Zionisten, unter ihnen Herzl, wollten ein Angebot der Briten
annehmen und eine jüdische Besiedlung von Gebieten in Uganda
fördern (das Territorium lag eigentlich in Kenya). Die Befürworter
eines Staates in Palästina siegten jedoch endgültig auf
dem Kongress von 1905. Im Jahre 1903 hatte die 2. Alijah begonnen,
die bis 1919 40.000 Juden nach Palästina brachte, und die nun
vom neugegründeten Jüdischen Nationalfonds finanziell unterstützt
wurde. Wieder kamen die Olim hauptsächlich aus Rußland,
wo es nach den Pogromen von Kischinev und Gomel in den jüdischen
Zentren gärte. Nach der russischen Revolution von 1905 verstärkte
sich der Strom.
Seit 1900 kam es häufiger zu Gefechten zwischen jüdischen
Bauern und Arabern, in der ersten Zeit vor allem mit Beduinen. 1907
wurde schließlich erstmals eine jüdische Schutzorganisation
ins Leben gerufen, die "Bar Giorah", benannt nach einem
der Verteidiger Jerusalems 70 n. Chr. Wahlspruch der Gruppe war "In
Blut und Feuer ist Juda untergegangen, in Blut und Feuer wird Juda
auferstehen". Aus der Gruppe Bar Giorah bildet sich 1909 die
Organisation "haSchomer" (d.h. "der Wächter")
heraus. Nach der Gründung des ersten Kibbuz stellte der Schomer
erstmals bewaffnete Wachen zum Schutz einer Siedlung auf. Gleichzeitig
begann sich eine arabische Nationalbewegung zu entwickeln, die nach
der Jungtürken-Revolution von 1908 versuchte, über die neue
türkische Regierung den Zionismus zu bekämpfen.
Bevor ich zum einschneidenden 1. Weltkrieg komme, möchte ich
nun auf das Verhältnis der religiösen Juden zum Zionismus
eingehen. In den deutschen Medien ist das Wort "orthodox"
mittlerweile zum Synonym für Rechtsradikalismus und Friedensfeindschaft
geworden, ohne daß die Journalisten sich mit der Geschichte
des orthodoxen Judentums und den extremen Widersprüchen darin
auseinandersetzen wollen. Zunächst gibt es keine größeren
Antizionisten als die Charedim, die orthodoxen Juden. Der Zionismus
läuft der Auffassung zuwider, daß nur der Maschiach das
Volk Israel aus dem Exil zurückführen darf. Eine, noch dazu
von nichtreligiösen Menschen organisierte, Rückkehr nach
Israel ist demnach Teufelswerk. Auch die zionistischen Orthodoxen
um Kalischer konnten zunächst kein echtes Gegengewicht zu diesem
Dogma begründen.
Die Antizionisten formierten sich erst 1912 zu einer unabhängigen
Organisation, der in Kattowitz gegründeten "Agudat Jisraël"
(d.h. Vereinigung Israels). Sie strebte eine Vereinigung aller orthodoxen
Gruppen der Welt gegen den Zionismus an. Die 1925 gegründete
Arbeitersektion dieser Bewegung beteiligte sich aber seit den 40er
Jahren verstärkt am Siedlungswerk in Palästina und befürwortete
eine engere Zusammenarbeit mit dem Zionismus. Die Nazizeit führte
zu einer Abschwächung des Antizionismus der Agudat, was 1935
zur Abspaltung der radikalen Antizionisten, der "Neturej Karta"
(d. h. Wächter der Stadt) führte, deren Mitglieder bis heute,
obwohl sie in Israel leben, die Zerstörung Israels fordern. Diese
kleine Gruppe entsandte sogar in den 80er Jahren eine Delegation in
den Iran um dort ihre Unterstützung für eine Vernichtung
des jüdischen Staates zu bekunden. Ein Führer der Neturej
Karta, Rabbiner Moscheh Hirsch, ist Minister für jüdische
Angelegenheiten im Kabinett von Jassir Arafat und fordert, den jüdischen
Staat zu liquidieren. Agudat und seine Arbeitersektion dagegen waren
unter dem Eindruck des Holocausts zur Zusammenarbeit mit den Zionisten
bereit.
Schon früh weichte die orthodoxe Front gegen den Zionismus auf.
1902 wurde in Wilna das "Merkas Ruchani" (d.h. "Geistiges
Zentrum") gegründet: eine Organisation, die sich zum Ziel
setzte, antizionistische Tendenzen in der Orthodoxie und gleichzeitig
antireligiöse Tendenzen im Zionismus zu bekämpfen - nach
dem Motto, wenn schon ein jüdischer Staat, dann einer, der auf
jüdischen Traditionen aufbaut. Deshalb war es für MisRachi
vor allem wichtig, die religiöse Infrastruktur in Palästina
auszubauen. Die separate Arbeiterbewegung des MisRachi und die Jugendorganisation
"Bnej Akivah" waren aber auch maßgeblich an der Gründung
von Kibbuzim beteiligt. Die MisRachi existiert seit 1956 nach der
Vereinigung mit ihrer Arbeitersektion als Nationalreligiöse Partei
MifDal weiter.
Eine neue Form der Orthodoxie entstand in den siebziger Jahren. Während
die Agudat und spätere Organisationen, wie etwa die heute sehr
starke "SchaS"-Partei, aufgrund ihres Antizionismus zu Gebietszugeständnissen
an die Palästinenser bereit sind und waren, entwickelte sich
eine neue Form, die den jüdischen Staat als Faktum anerkannte
und aus der erfolgreichen Staatsgründung und dem Sieg im 6-Tage-Krieg
eine göttliche Mission zur Besiedlung ableitete. Diese Gruppen,
die ich als Neo-Orthodoxe bezeichnen möchte, greifen heute auf
die Lehren von Kalischer, Moliver und Co. zurück und bilden einen
Großteil der jüdischen Bewohner des Westjordanlandes und
Gazas. Eine erste Organisation bildete sich nach 1973 im Gusch Emunim
(d.h. "Block der Getreuen") als Abspaltung von der MisRachi.
Im Zuge dieser Entwicklung bildeten sich auch extremste palästinenserfeindliche
Minigruppen heraus, wie etwa die 1988 verbotene "Kach"-Partei
und deren Ableger "Kahane Chai" (mehr dazu im Parteienüberblick).
Trotz neo-orthodoxer Versuche, den modernen Zionismus und den Staat
Israel religiös zu interpretieren, war und ist der Zionismus
eine weltliche Ideologie, und der Staat Israel ist ein laizistischer
Staat.
Selbstverständlich gab es auch Widerstand nichtreligiöser
Juden gegen den Zionismus. Der in Rußland agierende Allgemeine
Jüdische Arbeiterbund z.B. vertrat die Meinung, daß die
Heimat der Juden dort sei, wo sie gerade leben. Dort solle man für
Gleichberechtigung kämpfen. Bis zum II. Weltkrieg waren zionistische
Thesen in Europa sehr wenig vertreten.
4.
Das jüdisch-arabische Verhältnis seit dem I. Weltkrieg
Der I.
Weltkrieg brachte Umwälzungen in Palästina. Die langjährigen
Versuche Deutschlands, die Türkei aus ihrer traditionellen Verbundenheit
mit Großbritannien herauszulösen, wie etwa der Besuch von
Kaiser Wilhelm 1898 in Jerusalem, wo er sich der Bevölkerung
als Hadschi Mohammed Guilliamo vorstellte, hatten Erfolg. Zunächst
verwies am sogenannten schwarzen Donnerstag 1914 die Regierung alle
nichttürkischen Staatsbürger des Landes. Dies bedeutete
das Exil für führende Köpfe des Jischuv (so nannte
sich die jüdische Bevölkerung Palästinas). Gleichzeitig
sahen die Juden eine Auflösung des Osmanischen Reiches als positiv
an und engagierten sich bald für Großbritannien. Der Ruf
nach einem jüdischen Militärbeitrag zum Kampf gegen die
Türkei wurde lauter und schließlich von zwei Einwanderern
verwirklicht. Einen dieser beiden werden wir später näher
betrachten müssen.
Nachdem die Front jahrelang stabil geblieben war, konnte das Osmanische
Reich schließlich dem Ansturm der Entente und ihrer arabischen
Verbündeten nicht mehr standhalten. Palästina wurde überrollt
und von den Briten besetzt. Nun war endgültig auch ein arabisches
Nationalbewusstsein erwacht. Arabische Führer wie Emir Faisal,
unterstützt durch den berühmt-berüchtigten Lawrence
von Arabien, wollten nach dem Todesstoß für die Türkei
die bisher in Stämme zerteilten Araber einen und zu einem Nationalstaat
zusammenführen. Den Europäern lag natürlich nichts
ferner, als dies zu erlauben. Ein starker arabischer Staat wäre
ihren Interessen zuwidergelaufen. Verbündete fanden die Araber
jedoch in den Juden. 1919 kam es zu dem historischen Treffen von Akaba
zwischen Faisal und dem späteren israelischen Präsidenten
Chajim Weizmann (Bild). Man einigte sich in herzlicher Atmosphäre
über eine Zusammenarbeit der jüdischen und arabischen Nationalbewegungen.
Emir Faisal sagte zwei Monate nach diesem Treffen:
"Wir Araber, speziell die Gebildeten unter uns, verfolgen die
zionistische Bewegung mit tiefster Sympathie ... Wir werden den Juden
ein herzliches Willkommen entbieten ... wir arbeiten zusammen für
einen reformierten und erneuerten Nahen Osten, und unsere beiden Bewegungen
ergänzen sich gegenseitig. Die Bewegung ist national und nicht
imperialistisch. Es ist genug Platz ... für uns beide. Tatsächlich
glaube ich, daß keiner ohne den anderen Erfolg haben kann."
Faisal akzeptierte die Balfour-Erklärung, die ich gleich erläutern
werde, Weizmann versprach jüdische Hilfe beim Aufbau eines arabischen
Staates. Diese Übereinkunft war für die nächsten 60
Jahre die letzte positive und v.a. realistische Herangehensweise der
Araber an den Konflikt. Die Balfour-Erklärung war das Dokument,
das bis 1949 die Gemüter erhitzen sollte. Ende 1917 hatte der
britische Außenminister Balfour in einem Brief an Baron Rothschild
die Unterstützung der Regierung für eine "jüdische
Heimstatt in Palästina" erklärt. Die Briten verfolgten
damit ganz konkrete Ziele: Zum einen brauchten sie die Unterstützung
der amerikanischen Juden im Hinblick auf ein stärkeres Engagement
der USA im Krieg, und zum anderen wollten sie die palästinensischen
Juden für ein späteres britisches Protektorat gewinnen.
Die Erklärung und die Haltung der britischen Regierung dazu sollten
in den nächsten 30 Jahren für Turbulenzen sorgen.
Die in Akaba beschlossene jüdisch-arabische Zusammenarbeit wurde
leider nie konkret. Die Siegermächte, ausgestattet mit Völkerbundmandaten,
errichteten Protektorate: die Briten in Palästina und im Irak,
die Franzosen in Syrien und im Libanon. Nachdem die Briten Faisal
1920 aus Damaskus ausgewiesen und ihn 1921 mit dem Titel König
des Irak abgespeist hatten, wollten sie auch seinen Bruder, Emir Abdallah,
ruhigstellen, und machten ihn zum König des Kunststaates Transjordanien.
Damit kommen wir zu der Frage nach den Grenzen Palästinas. Dass
Ariël Scharon letztes Jahr die Palästinenser aufforderte,
ihren Staat doch in Jordanien zu errichten, war natürlich unrealistisch
und provozierend - es zeugt aber nicht von geschichtlicher Unbildung.
Die Grenzen des heiligen Landes waren nie festgelegt. Das alte Israel
erstreckte sich über den Südlibanon, den Golan und Jordanien
bis etwa zur heutigen Hedschas-Bahn. Römer, Perser, Araber, Kreuzfahrer
und Türken teilten Israel bzw. Palästina auf, wie sie gerade
lustig waren. Wenn wir über das Palästina sprechen wollen,
das 1918 den Türken entrissen wurde, so sollten wir dies auch
tun:
1921 wurde dieser Teil Palästinas als Transjordanien abgetrennt,
1923 der Golan an die Franzosen abgetreten. So wird verständlich,
warum noch heute z.B. die Volksfront zur Befreiung Palästinas
in ihrem Emblem Jordanien zu Palästina zählt, warum bis
in die 40er Jahre jüdische Untergrundgruppen für ein Israel
beiderseits des Jordan eintraten. Mit der Abtrennung Jordaniens hörte
die jüdische Landerschließung östlich des Jordan auf.
Im britischen Mandat Rest-Palästina blieb es nicht lange ruhig.
1920 kam es, aufgrund der verstärkten jüdischen Einwanderung,
erstmals zu arabischen Unruhen, und zwar in Jerusalem, wo versucht
wurde, das jüdische Viertel zu stürmen. Die Aufstände
wurden im nächsten Jahr nur noch schlimmer. Angriffe auf jüdische
Dörfer konnten nur mit Hilfe des britischen Militärs abgewehrt
werden. Die Briten griffen hart durch, verhafteten arabische Anführer
und erlegten an Angriffen beteiligten arabischen Dörfern Strafen
auf. Nun sollte es für sieben Jahre relativ ruhig bleiben. 1919
hatte die 3. Alijah begonnen, die in vier Jahren 35.000 Juden nach
Palästina brachte. Die neue Dimension der arabischen Bedrohung
führte 1920 zur Auflösung des Schomer und der Gründung
einer effektiveren Verteidigungsorganisation, der "Haganah"
(d.h. "Verteidigung"). Diese war eine Gründung der
Arbeiterparteien und unterstand später der mächtigen Gewerkschaft
Histadrut. Hauptfigur der frühen Haganah war ein Mann, den wir
genauer betrachten müssen, da es sich um eine außerhalb
des Judentums weitgehend unbekannte, und auch in Israel selbst stiefmütterlich
behandelte Person handelt, die jedoch für die weitere Entwicklung
des Zionismus und der israelischen Parteienlandschaft enorm wichtig
ist.
5.
Vladimir Evonovitsch Jabotinskij und die Spaltung der zionistischen
Bewegung
Vladimir
Evonovitsch Jabotinskij wurde 1880 in Odessa geboren. Er war Journalist
und Schriftsteller. Nachdem er 1903 zu den Organisatoren einer jüdischen
Selbstverteidigungsgruppe gegen das in Odessa stattfindende Pogrom
gehörte, führte ihn sein Weg bald nach Westeuropa. Maxim
Gorkij sagte über die Ausreise des von ihm geschätzten Schriftstellers,
daß die Zionisten Jabotinskij aus Rußland gestohlen hätten.
Auf seiner Reise nach Westeuropa wurde er des Elends in anderen Ghettos
gewahr und wandelte sich zum Zionisten. Er ging nach Palästina
und warb für eine jüdische Legion innerhalb der britischen
Armee im I. Weltkrieg. Schließlich wurden drei jüdische
Brigaden gegründet, die an der Befreiung Palästinas von
den Türken Anteil hatten. Jabotinskij wurde ab 1920 zum Organisator
der Haganah. Da er Befehlshaber der Verteidiger des jüdischen
Viertels während der Unruhen von 1920 gewesen war, wurde er kurz
darauf von den Briten verhaftet und erst nach heftigen jüdischen
Protesten wieder freigelassen.
1923 kam es zur Spaltung der zionistischen Bewegung, an der Jabotinskij
maßgeblich beteiligt war. Die Briten wollten bald nach der Errichtung
des Protektorats in Palästina von der Balfour-Erklärung
nichts mehr wissen. Jabotinskij wollte sich mit der versöhnlichen
Haltung der Zionisten gegenüber der britischen Politik, v.a.
der Abtrennung Transjordaniens, nicht abfinden und trat aus dem Vorstand
aus. Im selben Jahr rief er in Wilna den "BeTar" (d.h. Trumpeldorbund)
ins Leben, benannt nach seinem Freund Josef Trumpeldor, der bei einem
Gefecht mit Beduinen gefallen war. Der BeTar bildete die Keimzelle
der revisionistischen Bewegung im Zionismus, die sich 1925 unter Jabotinskijs
Führung innerhalb der Zionistischen Weltorganisation bildete.
Zehn Jahre später trennten sich die Revisionisten endgültig
in der NZO ab. Für Jabotinskij war es wichtig, zum Herzlschen
Ideal zurückzukehren, das er durch Weizmann u.a. nicht mehr vertreten
sah. Auch stand er dem sozialistischen Touch der Einwanderung und
der Übermacht der Arbeiterparteien in Palästina kritisch
gegenüber. Für ihn konnte es für die jüdische
Jugend nur ein Ideal geben - den Zionismus. Alle anderen Ideologien
sollten keine Rolle spielen. Auch war Jabotinskij Vordenker der bürgerlichen
Opposition. Er sah das Pionierideal der Kibbuzbewegung positiv, wollte
jedoch nicht aus jedem Einwanderer einen Bauernpionier machen. Er
trat für die Förderung einer bürgerlichen Einwanderung,
der Bildung eines jüdischen Mittelstandes in Palästina ein.
Die Spaltung der Bewegung wirkt bis in die heutige israelische Parteienlandschaft
nach, aber auch der Warschauer Ghettoaufstand 1943 wurde von der "Jüdischen
Kampforganisation" (ZOB), die die linken und allgemeinen Zionisten
sowie die Bundisten umfasste und dem "Jüdischen Militärverband"
(ZZW), der von Revisionisten gegründet wurde, geleitet.
Trotz einer Wirtschaftskrise begann 1924 die 4. Alijah, die bis 1931
80.000 Juden nach Palästina brachte, unter denen diesmal auch
viele Kaufleute und Handwerker waren, was zu einem Aufschwung der
Städte und einer Stärkung des bürgerlichen Lagers führte.
Nach sieben Jahren relativer Ruhe brachen 1929 erneut arabische Unruhen
aus. Ziel war wieder das jüdische Viertel von Jerusalem. Aber
auch in Hebron z.B. starben etwa 60 Juden, unter ihnen auch alteingesessene
Menschen, die gar keine Zionisten waren. Im Gegensatz zu früheren
Ausschreitungen breitete sich der Aufstand nun über das ganze
Land aus. Im Zuge des Aufruhrs kam eine britische Untersuchungskommission
zu dem Schluss, man müsse sich endgültig von der Balfour-Erklärung
verabschieden und die jüdische Einwanderung stoppen. Die Briten
versuchten daher in den 30ern, die Alijah aufzuhalten, indem sie Obergrenzen
von ein paar tausend Einwanderern pro Jahr beschlossen. Nach den Unruhen
von 1929 kam es auch erstmals zu organisiertem arabischem Widerstand.
Zu nennen ist die sogenannte "Bande der schwarzen Hand",
eine Untergrundgruppe von Scheich al Kassem, die Mordanschläge
auf Briten und Juden verübte. Delegationen der Araber versuchten
nun auch in London, Einfluß auf die jüdische Einwanderung
zu bekommen. 1931 formulierte die internationale Islamkonferenz in
Jerusalem die Forderung, Palästina von den Zionisten zu befreien.
Scharmützel, Schlägereien und Gefechte zwischen Arabern
und Juden waren in den 30er Jahren schließlich an der Tagesordnung.
Nachdem 1923 ein Vorschlag der Briten, die Araber sollten doch als
Gegengewicht zur geplanten Jewish Agency eine Arab Agency gründen,
von diesen abgelehnt wurde, kam es nach den Unruhen von 1929 häufiger
zu Konferenzen der palästinensischen Araber. Als Führungsfigur
stach der Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al Hussejni, heraus.
Auf jüdischer Seite spaltete sich in den 30er Jahren die Haganah.
Anhänger Jabotinskijs und der Revisionisten bildeten die "EZel"
(d.h. Irgun Zvai leUmi - Nationale Militärorganisation), die
einen stärkeren militärischen Druck auf die Kolonialmacht
ausübte. Nach Beginn des II. Weltkrieges war jedoch auch die
EZel zu einem vorübergehenden Frieden mit den Briten bereit,
um gegen den gemeinsamen deutschen Feind vorzugehen. Die radikaleren
Elemente in der EZel spalteten sich daraufhin in der "LeChi"
(d.h. Lochamej Cherut Jisraël - Kämpfer für die Freiheit
Israels) ab. Sie forderten einen Kampf gegen Deutsche und Briten gleichermaßen.
Zur LeChi gehörte u.a. der spätere Ministerpräsident
Jizchak Schamir, während EZel nach Jabotinskijs Tod von Menachem
Begin geführt wurde.
Die illegale Einwanderung von Juden nach Palästina ging bis 1948
ungemindert weiter. Angesichts der in Europa von den Nazis begonnenen
Judenverfolgung und der folgenden Endlösung waren die von den
Briten gesetzten Obergrenzen ein schlechter Scherz.
1936 brach wieder ein arabischer Aufstand aus, der zur Ursache hatte,
das die palästinensischen Araber den ungehinderten jüdischen
Zuzug als Bedrohung auffassten und verhindern wollten, daß sich
in Zukunft eine jüdische Bevölkerungsmehrheit bildete. Die
deutsch-italienische Propaganda, die alle Araber zum Aufstand gegen
das britische Reich aufrief, die allgemeine Schwäche der britisch-französischen
Kolonialmächte nach dem italienischen Erfolg in Äthiopien
und der syrische Generalstreik gegen die Franzosen taten ihr übriges.
Der Aufstand, der drei Jahre dauern sollte, begann am 19. April 1936
mit der Ermordung von neun Juden in Jaffa. Auch Briten wurden von
den Arabern angegriffen, dies blieb jedoch die Ausnahme. Der Aufstand,
an dem auch Militärs der arabischen Staaten teilnahmen, führte
dazu, daß die Briten den palästinensischen Juden erlaubten,
sich militärisch zu wehren, und die Blockade der jüdischen
Lebensmittelversorgung durch die Araber führte dazu, daß
die Juden alternative Versorgungswege fanden. Der Aufstand trug insgesamt
also zu einer massiven Stärkung der jüdischen militärischen
und ökonomischen Strukturen bei. Unmittelbar nach Beginn der
Unruhen bildeten die Araber erstmals eine nationale Organisation,
das Arabische Hohe Komitee unter Mufti al Hussejni.
Wegen der Unruhen wurde es schwieriger, neue jüdische Ortschaften
zu gründen. Das Prinzip "Turm und Mauer" wurde dem
entgegengesetzt. Eine größere Gruppe von Juden versammelte
sich an einem bestimmten Ort, um mit genügend vorgefertigtem
Material zu einem Stück Brachland zu ziehen und dort in Windeseile
eine Festung zu errichten, aus der dann eine landwirtschaftliche Siedlung
wachsen sollte.
Von den 30er Jahren bis 1947 wurden immer wieder neue Pläne ausgearbeitet,
Palästina zwischen Juden und Arabern aufzuteilen. Während
die palästinensischen Juden nur die frühen Pläne ablehnten,
in denen ihr Gebiet sehr klein war, und später eine Teilung befürworteten,
waren die palästinensischen Araber von Anfang an gegen eine Zwei-Staaten-Lösung.
6.
Ohne Auschwitz kein Israel - der Holocaust und die Zeit danach
Der II.
Weltkrieg brachte eine kurze Beruhigung nach Palästina. Alles
bereitete sich auf eine von Ägypten drohende deutsche Invasion
vor, die glücklicherweise niemals kam. Das dunkelste Kapitel
in der Politik der palästinensischen Araber war dann aber die
Flucht von Mufti al Hussejni vor den Briten in den Libanon, von wo
aus er Kontakte zu den Nazis herstellte, um sich als Verbündeter
im Kampf gegen die Juden anzubieten. Die Haltung der Araber zum Nationalsozialismus
war auch später zwiespältig. Während Gamal abd al Nasser
und seine panarabische Bewegung öffentlich immer ihre Opposition
zu Nazismus und Faschismus bekundeten, sagte er z.B. 1964 in einem
Interview mit der Deutschen Nationalzeitung, daß die Sympathien
der Araber während des II. Weltkrieges bei den Deutschen lagen,
und daß die Lüge von 6.000.000 ermordeten Juden sowieso
keiner glaube. In Trainingscamps palästinensischer Terroristen
gehörte in den 70er Jahren auch "Mein Kampf" zur Grundausbildung.
Mit dem Holocaust, der Ermordung von 6 Millionen Juden, und der Zerstörung
der jüdischen Kultur in Europa, waren antizionistische Ideologien
im Judentum praktisch verschwunden, die letzten Vorurteile gegen den
Zionismus fielen. Die übereinstimmende Meinung war nun, daß
nur ein Staat Israel die Wiederkehr einer solchen Katastrophe verhindern
könne. Es gibt einen amerikanischen Kriegsfilm von 1966, Tobruk,
in dem diese neue Haltung in einem Satz sehr gut dargestellt wird.
Ein Mitglied der jüdischen Brigaden in Nordafrika sagt zu einem
US-Offizier: "Wir gehen nach Hause, nach Israel. Wenn jemand
in Zukunft Streit sucht, weiß er, wo er uns finden kann."
Die jüdischen Brigaden waren, wie die des I. Weltkriegs, ein
jüdischer Militärbeitrag innerhalb der britischen Armee.
Die Brigaden waren v.a. am Kampf gegen die Deutschen in Italien beteiligt.
Die Überlebenden des Holocausts strömten nun zu den europäischen
Küsten, um auf jedem auch nur halbwegs seetüchtigen Schiff
ins gelobte Land zu gelangen. Die Briten taten alles, um die Einreise
der Flüchtlinge zu verhindern, da sie etwaige gewaltsame Reaktionen
der palästinensischen Araber verhindern wollten. Viele Schiffe
wurden gestoppt und zurückeskortiert, die Insassen auf Zypern,
in Frankreich oder gar in Deutschland eingesperrt.
Im Jischuv rissen nach dem Krieg die alten Fronten wieder auf. EZel
und LeChi wollten einen jüdischen Staat mit Gewalt erreichen
und begannen ihren Untergrundkrieg gegen die britischen Kolonialherren.
Der Kampf umfasste bis 1947 Angriffe auf das Eisenbahnnetz, Bombenattentate
auf britische Militäreinrichtungen und das britische Hauptquartier
im King-David-Hotel, das die Briten trotz einer rechtzeitigen Warnung
der EZel nicht räumten. Die Arbeiterparteien lehnten ein gewaltsames
Vorgehen eher ab und machten sogar teilweise selbst Jagd auf revisionistische
Untergrundkämpfer. Die Briten setzten ihre in den 30er Jahren
begonnene Politik des Galgens fort und hängten reihenweise Mitglieder
des jüdischen Widerstands. Haganah und Revisionisten arbeiteten
aber auch zusammen, wie z.B. bei dem großartigen Einbruch in
das Gefängnis von Akko, bei dem 120 jüdische und 131 arabische
Gefangene befreit wurden.
1947 kam es zu der bisher gerechtesten, besten und einfachsten Lösung
des Nahostkonfliktes. Die Vereinten Nationen verabschiedeten einen
Plan, der vorsah, Palästina zwischen Juden und Arabern genau
zur Hälfte aufzuteilen. Die Juden stimmten diesem Plan mit einigem
Zähneknirschen zu, während die Araber ihn sofort und kategorisch
ablehnten. Hätten die Araber diesen Plan damals angenommen, gäbe
es heute seit 54 Jahren einen Palästinenserstaat, der Nahostkonflikt
wäre ohne Krieg, Flüchtlinge und Terror sofort beendet gewesen.
Statt dessen kam es nun zwischen Arabern und Juden zu einem Bürgerkrieg
in Palästina. Auf den Verlauf dieses Bürgerkriegs en Detail
einzugehen, würde hier zu lange dauern. Viele Falschmeldungen
und Propagandaberichte über Greueltaten machen bis heute die
Runde, die man alle einzeln untersuchen müsste, um ein klares
Bild zu bekommen.
7.
Die Gründung des Staates Israel
Am 14.
Mai 1948 endete nach 30 Jahren das britische Mandat über Palästina
und am gleichen Tag wurde der Staat Israel in den Grenzen des Teilungsplans
der UNO gegründet. Der arabische Staat wurde nicht gegründet,
statt dessen marschierten sofort ägyptische, jordanische, syrische,
irakische und libanesische Truppen in Israel ein, um es wieder zu
zerschlagen. Israel, den Invasionstruppen hoffnungslos unterlegen,
gelang es mit Zähigkeit und Einfallsreichtum, das Blatt zu seinen
Gunsten zu wenden und selbst zur Offensive überzugehen. Nicht
zuletzt ist dies dem Einfallsreichtum des neugegründeten Geheimdienstes
zu verdanken, der auf abenteuerliche Weise Waffen besorgte.
Der Mossad, was Institut heißt, wurde zunächst als "Mossad
leAlijah Bet" (d.h. "Institut für illegale Einwanderung")
gegründet und organisierte Fluchtwege für Juden aus Europa.
Im Laufe des Krieges eroberte Israel zusätzliche Gebiete. Als
1949 der Waffenstillstand eintrat, setzte Israel seine Grenzen dort,
wo der Frontverlauf war. Die Araber hatten ja selbst den Teilungsplan
abgelehnt, warum sollte man sich also auf unsichere Grenzen zurückziehen,
die sowieso nicht respektiert würden. So entstanden die heutigen
Grenzen Israels. Mit dem Staat wurde auch gleichzeitig die Armee gegründet.
Ministerpräsident Ben Gurion tat daraufhin etwas sehr wichtiges,
was auch Arafat bereits 1994 hätte tun müssen: Die Regierung
erklärte, daß sich alle paramilitärischen Organisationen
(Haganah, EZel, LeChi) aufzulösen hätten. Sollte dies nicht
geschehen, werde Gewalt angewendet, was im Falle von EZel auch kurz
der Fall war. Die Mitglieder der Gruppen schlossen sich der Armee
an oder bildeten politische Parteien. Ein Rückkehrgesetz wurde
beschlossen, welches auf den Kriterien der Nürnberger Rassegesetze
beruht. Jeder, der im 3. Reich als Jude unter die Rassegesetze gefallen
wäre, hat das Recht, nach Israel einzuwandern. Das Rückkehrgesetz
führt seit der 1990 begonnenen Alijah aus Rußland zu Problemen.
Die Mehrheit der Einwanderer, die unter die Rassegesetze gefallen
wären, sind nämlich keine Juden. Wer z.B. nur einen jüdischen
Großvater oder Vater hat, wäre im 3. Reich verfolgt worden,
ist aber nach jüdischem Gesetz kein Jude, da nur eine jüdische
Mutter das Judentum an das Kind weitergeben kann.
Nach dem Unabhängigkeitskrieg setzte eine Massenalijah ein. Die
Überlebenden des Holocaust strömten weiter nach Israel,
und auch die Juden z.B. des Irak und des Jemen, die aufgrund des Palästinakonflikts
dort nicht mehr sicher waren, wurden in Luftbrücken nach Israel
gebracht.
Im Staat Israel, also in den Grenzen von 1949, leben heute zu 82%
Juden aus allen Teilen der Welt und zu 18% Araber, Drusen u.a., die
die gleichen Rechte und Pflichten haben wie die Juden, teilweise sogar
noch mehr Rechte, denn sie dürfen z.B. den Wehrdienst verweigern.
Innerhalb der jüdischen Bevölkerung waren die Gegensätze
bis in die 70er Jahre sehr groß. Die Benachteiligung von Juden
aus Nordafrika und Arabien im öffentlichen Leben war deutlich.
Da diese Politik bis 1977 von der regierenden Arbeiterpartei ausging,
wurde die oppositionelle Cherut bzw. später der Likud zur Partei
der sozial Schwachen sephardischen Juden, während die Arbeiterpartei
ihre Wählerschaft in der Intelligenz und den aschkenasischen
Juden fand. Als Aschkenasim bezeichnet man die Juden aus Europa, während
die aus Spanien, Nordafrika und dem Orient als Sephardim bekannt sind.
8.
Krieg über Krieg ab 1949
Der Waffenstillstand
von 1949 bedeutete natürlich nicht die Anerkennung der Existenz
Israels durch die Araber. Statt daß sich aber sofort eine palästinensische
Nationalbewegung organisierte, übernahmen die anderen arabischen
Staaten, wie vorher auch, daß Denken für die Palästinenser.
Jede arabische Nationalbewegung jener Zeit, wie z.B. die irakische
und syrische Ba´at-Bewegung, hatte seit 1952 palästinensische
Flügel. Man muß bedenken, daß ein palästinensisches
Nationalgefühl der panarabischen Ideologie des ägyptischen
Präsidenten Nasser zuwiderlief und deshalb nicht gefördert
wurde. Dass die, sich in der zweiten Hälfte der 50er Jahre bildenden,
Palästinensergruppen bis 1967 so völlig im Untergrund blieben,
war nicht Israel zuzuschreiben, sondern den sie beherbergenden arabischen
Regierungen. Israels Grenzen waren selbstverständlich nie sicher
und die gefährliche Situation mündete 1956 in einem neuen
Krieg. Nachdem im September 1955 Ägypten einen massiven Waffendeal
mit der Tschechoslowakei abgeschlossen hatte, war es für Israel
klar, daß ein Krieg bevorstand. Eigentlicher Auslöser war
jedoch eine Entscheidung des ägyptischen Generalstabs vom April,
eine eigene Einheit für Kommandounternehmen in Israel zu bilden,
die Fedajin, die der Geheimdienstabteilung der Armee unterstellt waren
und später auch von Jordanien aus operierten. Die Situation verschlimmerte
sich derart, daß z.B. zwischen Dezember 1955 und März 1956
180 Fedajin-Unternehmungen in Israel durchgeführt wurden, die
von der israelischen Armee entsprechend beantwortet wurden. In diesen
Zeitungsausschnitten wird die Situation vor dem Krieg deutlich.
Zusätzlich
wurde die ägyptische Blockade der lebenswichtigen Straße
von Tiran für israelische Schiffe nicht aufgehoben, und im Juli
1956 verstaatlichte Nasser den Suezkanal, um damit zu zeigen, das
sein Land endgültig unabhängig war, was die europäischen
Großmächte auf den Plan rief. Großbritannien und
Frankreich planten sofort eine Intervention am Suezkanal, die "Operation
Musketier". Dieses Vorhaben war der entscheidende Punkt der Israel
zum Handeln brachte. Im Oktober 1956 wurde der Sinai in der schnellen
"Operation Kadesch" durch Israel besetzt, mit dem Ziel,
die Straße von Tiran zu öffnen und die Fedajin-Aktionen
zu beenden. Kurz darauf begann der britisch-französische Angriff
am Suezkanal. Israel musste sich ein Jahr später aus dem Sinai
und Gaza zurückziehen, hatte jedoch den Erfolg erzielt, daß
nun UN-Truppen die Grenze zu Israel auf ägyptischer Seite schützten,
die Fedajin-Attacken waren damit Geschichte. Die israelische Besetzung
Gazas hatte aber noch andere Folgen. Nun regte sich erstmals unabhängiger
und organisierter palästinensischer Widerstand. In Ägypten
begann in dieser Zeit die Geschichte von "al Fatach", der
Organisation von Jassir Arafat. Die 1959 erstmals in Erscheinung getretene
Fatach war völlig isoliert, da die Palästinenser alle Hoffnung
in Nasser setzten. Das Zerbrechen der ägyptischen Union mit Syrien
1961 und der folgende allmähliche Niedergang des Nasserismus,
also der Ideologie eines vereinten Arabien unter Ägyptens Führung,
änderten dies, und Anfang der sechziger Jahre sprossen viele
neue Gruppen aus dem Boden. 1964 wurde auf Initiative der Arabischen
Liga die "PLO" gegründet, die Anfangs nur ein Mittel
der Araber war, das Problem des ungewollten palästinensischen
Nationalgefühls unter Kontrolle zu halten. Die PLO wurde jedoch
im Laufe der 60er Jahre zum Sammelbecken der Palästinensergruppen,
und umfasste bei ihrem Kongress 1969 zehn Organisationen.
Die Ablehnung des palästinensischen Nationalbewußtseins
durch die arabischen Regime hielt diese jedoch nicht davon ab, die
Fatach als zusätzliche militärische Formation gegen Israel
operieren zu lassen. Dem nächsten Krieg ging eine ähnliche
Spannungsentwicklung voraus wie dem 1956er. Die arabischen Grenzverletzungen
und die israelischen Antworten gingen nach 1956 weiter, jedoch in
kleinerem Maße. Am kritischsten wurde die Situation an der syrischen
Grenze, wo es im Winter 1966/67 täglich zu Zwischenfällen
kam, an denen syrischen Grenztruppen oder Fatach-Kämpfer beteiligt
waren. Die Fatach war auch von Jordanien aus aktiv. Israel war durch
diese Fatach-Aktionen nicht übermäßig alarmiert, gleichzeitig
war man sich aber klar, daß, falls nichts unternommen würde,
diese nur zur Eskalation beitrügen, und wegen der konstanten
syrischen Granatenangriffe auf Grenzdörfer lagen auch dort bald
die Nerven blank. Die Ereignisse, die zum Ausbruch des 6-Tage-Krieges
führten, sind extrem kompliziert und verwirrend, und sie darzulegen
würde den Rahmen sprengen. Die Auseinandersetzung bis zum Ausbruch
des Krieges war weniger ein arabisch-israelischer als ein innerarabischer
Konflikt. Der Nasserismus lag zu dieser Zeit definitiv im Sterben.
Die Widersprüche zwischen seiner panarabischen Ideologie und
etwa den Regimen in Jordanien und Saudi-Arabien waren gewachsen. Das
Verhältnis zwischen Jordanien und Syrien war extrem gespannt,
bis sogar kurz vor dem Krieg die diplomatischen Beziehungen durch
Jordanien beendet wurden. Der katastrophale Einsatz ägyptischer
Truppen im jemenitischen Bürgerkrieg hatte Nasser einen zusätzlichen
Prestigeverlust beschert. Nicht vergessen darf man die Flut von Fehlinformationen,
die gestreut wurden und den Konflikt hochschaukelten. Die Sowjetunion,
die Anfang der 50er Jahre ihre pro- israelische Politik aufgegeben
hatte, war damals enger Verbündeter Syriens und veröffentlichte
z.B. vor Juni 1967 täglich in der Prawda irgendeine angebliche
Verschwörung Israels gegen Syrien.
Der Weg zum Krieg, den die Araber sich vorstellten war dann eine "Bilderbuch-Eskalation":
Ende 1966 wurde ein Verteidigungspakt zwischen Ägypten und Syrien
geschlossen; im Mai 1967 erzwang Nasser den Abzug der UN-Truppe von
der israelischen Grenze, womit auch die Straße von Tiran wieder
unter seiner Kontrolle war, deren Verminung er sofort verkündete;
Ende Mai drohte Nasser Israel mit Vernichtung in einem totalen Krieg
und schloss einen Militärpakt mit Jordanien, woraufhin ein ägyptischer
General das Kommando über das jordanische Heer übernahm.
Am Tag vor dem Kriegsausbruch trat schließlich der Irak dem
Militärpakt bei und irakische Truppen rückten in Jordanien
ein.
Israel entschloss sich, einem Angriff zuvorzukommen, und der folgende
sechstägige Krieg endete mit einem israelischen Triumph und einer
katastrophalen arabischen Niederlage. Israel eroberte den Golan, das
Westjordanland, Gaza und Sinai. Der Krieg setzte sich weitere drei
Jahre in Abnutzungsgefechten am Suezkanal fort. Mit dem israelischen
Sieg war der Nasserismus am Ende und ein neues Kapitel des Konflikts
begann: der Terrorismus. Die verschiedenen Gruppen - Fatach, "PFLP",
"DFLP", "PDFLP", "PFLP-GC", "PFLP-SC"
u.s.w. - starteten nun von Stützpunkten in Jordanien aus ihren
eigenen Krieg gegen Israel. Es begann die Zeit der Infiltrationen,
der Flugzeugentführungen. Hier auszugsweise die Ereignisse der
frühen 70er Jahre.
Die verstärkte
Anwesenheit palästinensischer Untergrundgruppen begann Jordanien
sofort zu destabilisieren, was schon 1968 zu ersten Gefechten der
Terroristen mit jordanischen Truppen führte.
9.
Frieden mit Ägypten unter Anvar asSadat und Krieg im Libanon
Nasser
starb 1970 an einem Herzanfall. Sein Nachfolger Anvar asSadat setzte
sofort andere Akzente. So wurde das Ideal eines vereinten Arabien
unter Ägyptens Führung 1971 endgültig verworfen. Sadat
wies auch alle sowjetischen Militärberater aus. 1973 folgte schließlich
ein kombinierter ägyptisch-syrischer Angriff auf Israel, der
Jom-Kippur-Krieg. In einer Blitzaktion gelang es den Ägyptern,
den Suezkanal zu überqueren und sich am anderen Ufer festzusetzen,
während die Syrer fast den gesamten Golan überschritten.
Trotz der arabischen Anfangserfolge konnte Israel erfolgreich zum
Gegenangriff übergehen. Der Jom-Kippur-Krieg war ein notwendiger
Schritt zum israelisch-ägyptischen Frieden. Sadat konnte nicht
aus einer Position der Schwäche heraus, nach der Niederlage von
1967, Israel die Hand reichen. Durch die militärischen Leistungen
von 1973, die man der Bevölkerung als Sieg verkaufen konnte,
war es ihm jedoch möglich, diesen Schritt zu tun. Schon die Waffenstillstandsverhandlungen
verliefen in geradezu freundschaftlicher Atmosphäre. Nach zähen
Verhandlungen und reger Diplomatie der USA schlossen Israel und Ägypten
dann 1979 Frieden. Bis 1982 wurde der Sinai an Ägypten zurückgegeben.
Doch für Israel war bereits Anfang der 70er Jahre ein neues Problem
entstanden. Nachdem die Palästinensergruppen im sogenannten schwarzen
September 1971 von König Husseïn aus Jordanien militärisch
vertrieben wurden, setzten sie sich im Libanon fest, der prompt vier
Jahre später in einem 16-jährigen Bürgerkrieg versank.
Hier die Truppenkonzentrationen der Terroristen im Libanon.
Von Basen im Libanon aus wurde nun mit Raketen und Kommandotruppen
gegen Galiläa vorgegangen. Ein erster Versuch, diesem Treiben
ein Ende zu machen, war 1978 die "Operation Litani", in
der die israelische Armee bis zum Litani-Fluß vorrückte
und die Kämpfer zurückdrängte. Doch gerade in den Wirren
dieses Bürgerkrieges war es unmöglich, langfristige Erfolge
zu erzielen. Hier Beobachtungen aus den späten 70er Jahren.
Nachdem
die Syrer bereits in den Libanon eingerückt waren, und die Raketenangriffe
auf Nordgaliläa nicht abrissen, folgte 1982 die sogenannte "Operation
Frieden für Galiläa": die Invasion des Libanon durch
israelische Truppen, die bis Beirut vorrückten und die auch mit
den Syrern in Konflikt gerieten.
Drei
Jahre später zog sich Israel wieder zurück und blieb nur
in einer schmalen Sicherheitszone präsent, um Terroristen besser
verfolgen zu können. Israel hatte im Libanon einen Erfolg erzielt.
Der Süden war von Terroristen weitgehend gesäubert, und
auch aus Beirut mussten diese abziehen. Diese Beseitigung der Ursache
des Bürgerkrieges war auch ein Schritt auf dem Weg zur Befriedung
des Landes fünf Jahre später. Der Libanon-Krieg beschädigte
dennoch das Image Israels in den Medien nachhaltig, hauptsächlich
wegen des Massakers in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila,
wo christliche Milizen 1982 ungehindert Palästinenser töten
konnten. Eine Alternative zum Krieg gab es aber nicht. Israel konnte
nicht zulassen, daß die Bevölkerung im Norden täglich
von Raketen getroffen wurde.
10.
Die erste Intifada als Beginn eines nie sicheren Friedensprozesses
Kaum
war der Libanon-Krieg beendet, begann zwei Jahre später ein überraschender
Aufstand der Palästinenser in den besetzten Gebieten, die Intifada.
Die Intifada war der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Friedensprozess,
ein Erwachen der palästinensischen Bevölkerung in den besetzten
Gebieten.
Bis 10 Jahre nach dem 6-Tage-Krieg lebten noch verhältnismäßig
wenige Juden (ca. 4000) im Westjordanland und Gaza. Erst mit dem Wahlsieg
von Menachem Begin 1977 zog die Gründung von Siedlungen an, so
das es bereits vier Jahre später rund 16.000 waren. Eine eigene
Organisation der Siedler, der schon genannte Gusch Emunim, wurde gebildet.
Viele nationalistische Parteien entstanden in den 80er Jahren. Sie
betrachteten das Westjordanland, Gaza und Golan als Teile Israels,
die nicht zurückgegeben werden dürften. Auf die einzelnen
Organisationen komme ich im Parteienüberblick zu sprechen. Die
Neusiedler haben zum Großteil mit dem Ideal des landwirtschaftlichen
Pioniers gebrochen und sind hauptsächlich bürgerliche Pendler.
Jedoch gibt es auch neue landwirtschaftliche Siedlungen, die das Ideal
aufrechterhalten, das ursprünglich von den Arbeiterparteien begründet
wurde, was zu einer Hassliebe der Arbeiterparteien gegenüber
den Siedlern führt.
Nach dem gewonnenen Golfkrieg war es Amerikas Ziel, seinen Einfluß
im Nahen Osten weiter zu verstärken und eine endgültige
Lösung des Konflikts wurde gefordert. Erstes konkretes Ereignis
war 1991 die Konferenz von Madrid, die noch in sehr feindseliger Atmosphäre
stattfand. Doch im Hintergrund wurde fleißig gearbeitet: Israel
erkannte die PLO als Gesprächspartner an, die Palästinenser
das Existenzrecht Israels. Eine Zeitlang schien tatsächlich alles
hervorragend zu laufen: Ein Autonomieplan wurde ausgearbeitet, israelische
Truppen zogen sich aus den ersten Gebieten zurück, ein Friedensvertrag
mit Jordanien wurde geschlossen. Einen ersten Eklat gab es jedoch
1994, als Arafat sich im letzten Moment weigerte, das Kairoer Autonomieabkommen
zu unterzeichnen und nur durch Zureden von Hosni Mubarak umgestimmt
werden konnte. Die Israelis haben auch nicht vergessen, daß
Arafat im Zuge der Verhandlungen vor der Arabischen Liga sagte, dieser
Friedensprozess sei nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Zerstörung
Israels. Außerdem nahm der palästinensische Terrorismus
nach dem Beginn der Umsetzung des Prinzips "Land gegen Frieden"
nicht etwa ab, sonder weiter zu. Neue Gruppen hatten sich etabliert,
v.a. die "Hamas", die von Frieden mit Israel nichts wissen
wollten. Gleichzeitig blieb die Situation im Südlibanon gespannt.
Die "Hisbollah" (d. h. Gottespartei) nahm ständig Nordisrael
mit den bekannten Katjuscha-Raketen ins Visier. 1996 sah sich Israel
in der kurzen "Operation Früchte des Zorns" gezwungen,
militärisch gegen die Terroristen vorzugehen. Aber auch der Widerstand
in Israel wuchs, wobei die Ermordung von Jizchak Rabin durch den Neo-Orthodoxen
Jigal Amir und das Massaker, das Baruch Goldschtejn anrichtete, die
Höhepunkte darstellten.
Mit dem Amtsantritt von Ehud Barak 1999 zog der Friedensprozess wieder
an. Barak wollte nun so schnell wie möglich alle Probleme lösen
und begann auch, Verhandlungen mit Syrien über einen Friedensvertrag
zu führen, die jedoch am syrischen Starrsinn scheiterten. In
Camp David wurde Mitte 2000 schließlich ein bis dahin unglaublicher
Kompromiss erzielt, den Arafat jedoch, ebenso unglaublich, ablehnte.
Der größte Fehler in Baraks Amtszeit war der einseitige
Rückzug aus der libanesischen Sicherheitszone. Aus dem Libanon
abzuziehen, während die libanesische Regierung die Lage im Süden
noch nicht kontrollierte und vor allem während die andere Besatzungsmacht,
die Syrer, immer noch dort waren, machte keinen Sinn. Auch das Libanon-Problem
hätte eines Friedensprozesses bedurft. So jedoch war der Abzug
ein verheerendes Signal an die palästinensische Führung:
Wenn man Israel nur ständig genügend Schaden zufügt,
es dauernd mit Nadelstichen traktiert, dann weicht es zurück.
Das (falsche) Signal, das Israel Opfer nicht mehr vertragen könne,
führte bei der Palästinenserführung zu der Überlegung,
man sollte es auch mal auf die libanesische Art versuchen. So begannen
nach der Camp-David-Konferenz die Planungen für eine neue Intifada.
11. Die zweite Intifada als Unterbrechung des Friedensprozesses
Wenn
man die zweite Intifada betrachtet, muß man feststellen, daß
sie nicht den geringsten Sinn macht. War die erste Intifada noch ein
notwendiges Mittel, um einen Lösungsprozess in Gang zu bringen,
erfolgte die zweite, nachdem man sich bereits in 90% aller Streitpunkte
geeinigt hatte und ein Staat Palästina nur noch eine Frage von
Wochen war.
Bis heute wird in den deutschen Medien der Eindruck vermittelt, die
neue Intifada sei ein spontaner Ausbruch gewesen, verursacht durch
den Besuch des Tempelberges durch Scharon. Zu dem Schluss, dass dies
nicht so war, wäre man bei Nachdenken schon am ersten Tag gekommen.
Der palästinensische Informationsminister hat sich denn auch
Monate später im Libanon einmal klar ausgedrückt und zugegeben,
daß die Intifada seit der Ablehnung der Camp-David-Vereinbarung
durch Arafat geplant wurde.
Bis heute wird in den deutschen Medien der Eindruck vermittelt, Scharon
habe sich spontan seine Bodyguards geschnappt und sei auf den Berg
getrampelt. Verschwiegen wird, daß der Besuch Scharons bereits
eine Woche im Voraus mit der islamischen Tempelbergverwaltung Uakf
abgeklärt war. Die Uakf hatte dem Besuch Scharons zugestimmt
unter der Auflage, daß er nicht die al-Aksa-Moschee betritt,
was er auch nicht getan hat. Für die Planer der Intifada war
dies jedoch der gelungene Auslöser um loszuschlagen. Die mehrheitlich
auf Frieden eingestellte Stimmung in der israelischen Bevölkerung
kippte nach Ausbruch der palästinensischen Gewalt dramatisch.
Nach der Rassismuskonferenz von Durban, wo der legitime Anspruch eines
Volkes auf eine staatliche Heimstätte mit Rassismus gleichgesetzt
wurde und die antisemitische Stimmung ihren vorläufigen Höhepunkt
erreichte - die Meinung in Israel dazu ist hier gut dargestellt:
und v.a. seit dem 11. September 2001 findet sich Israel in einer schlechteren
Situation als zuvor wieder. Das viele Araber der Meinung sind, die
Juden seien für den Angriff auf New York verantwortlich lässt
sich ja noch in die Mittelalter-Kategorie einordnen: wenn irgendwo
die Pest ausbrach, haben natürlich die Juden die Brunnen vergiftet.
Gefährlicher ist jedoch die in westlichen, v. a. britischen und
deutschen Medien vertretene Auffassung, die Juden seien verantwortlich
für die Angriffe, sie hätten halt die Islamisten nicht reizen
dürfen. Israel steht nun mit dem Rücken zur Wand und wird
kritisiert für Taten, für die Amerika gelobt wird, was auch
zu einer frustrierten Haltung in der israelischen Bevölkerung
führt wie diese Comics gut zeigen. Das Eindringen der deutschen
Außenpolitik in den Nahen Osten, auf kosten der USA, wird sich
für Israel ebenfalls negativ auswirken. Deutschland ist aufgrund
seiner antisemitischen Vergangenheit und seiner "Neutralität"
im 2. Golfkrieg den Palästinensern als Vermittler sehr viel lieber.
Die Berichterstattung der deutschen Medien über den Konflikt
- ich kann hier von SZ, SPIEGEL, BR5 und allen Fernsehnachrichten
sprechen -
ist so eindeutig auf Seiten der Palästinenser, daß ein
Deutscher, der sich nur über die genannten Medien informiert
kein ausgeglichenes Bild der Lage bekommen kann. Das Bild der Steine
werfenden Kinder gegen Panzer wurde monatelang in den Medien aufrechterhalten,
auch zu einer Zeit als sich der Konflikt schon auf Feuergefechte und
Bombenterror spezialisiert hatte. Dass die Palästinenser Waffen
besitzen, die ihnen die Israelis 1994 selbst gegeben hatten, wurde
ignoriert. Ursache und Wirkung werden in der Berichterstattung grundsätzlich
vertauscht. Israelische Vorstöße in autonomes Gebiet werden
als ungerechtfertigte Aggression dargestellt ohne daß die jeweiligen
Ursachen für die Aktionen überhaupt genannt werden. Nach
dem Anschlag auf die Diskothek in Tel Aviv, als die israelische Regierung
sich entschied nicht zurückzuschlagen, kam es zu einem einmonatigen
sog. Waffenstillstand. In diesem Zeitraum kam es zu 1200 Angriffen
von Palästinensern auf Israelis von denen weniger als 5 den deutschen
Redakteuren eine Nachricht wert waren. Im SPIEGEL wird auf einer Seite
über Einzelheiten des Holocausts berichtet und einige Seiten
später von Annette Großbongardt der Mord an einem Rabbiner
in Israel gerechtfertigt. Am Tag als der Terrorist Abu Ali Mustafa
in seinem Büro von Israel liquidiert wurde fanden z. B. 10 Angriffe
auf Israelis statt, die natürlich in Deutschland nicht erwähnt
wurden. Ist ein palästinensischer Anschlag so groß daß
ihn auch Deutsche nicht mehr übersehen können, wird in den
Medien sogleich versucht diesen zu relativieren und zu rechtfertigen.
So, ein Beispiel unter vielen, geschehen durch ARD-Korrespondent Peter
Dudzig nach dem Massaker vom Valentinstag. Zu was dieses führt
ist sichtbar. Z. B. in den Internetforen der SZ zu Nahost und Terror,
wo man Zeuge der schlimmsten antijüdischen Tiraden wird, oder
in der mittlerweile offen artikulierten Meinung, es würde ein
Genozid an den Palästinensern verübt. Auch Politiker mischen
kräftig mit: Jürgen Möllemann z. B. macht aus seinem
Hass auf Israel keinen Hehl. Wolfgang Thierse darf sich mit trotteligen
Bemerkungen in demokratische Prozesse Israels einmischen. Das Existenzrecht
Israels wird derzeit von allen Seiten in Deutschland ausgehöhlt.
Die Friedensbewegung in Israel ist derzeit verständlicherweise
chancenlos. Die Bevölkerung, die die Möglichkeit an jeder
Straßenecke Opfer eines palästinensischen Anschlags zu
werden nicht hinnehmen kann, ist zu über 70% für eine militärische
Auseinandersetzung mit dem palästinensischen Terrorismus. Es
ist einfach nicht vorstellbar, daß Scharon mit Arafat über
Frieden verhandelt während gleichzeitig immer neue Anschläge
geschehen. Solange Arafat die paramilitärischen Organisationen
in seinem Land nicht entwaffnet gibt es eigentlich keine Chance zu
neuen Verhandlungen. Einen Palästinenserstaat ohne Gewaltmonopol,
der nichts weiter als eine Ansammlung bewaffneter Banden wäre,
kann es nicht geben.
Einen allgemeinen neuen Nahostkrieg, wie er ständig an die Wand
gemalt wird halte ich für völlig ausgeschlossen. Alle arabischen
Armeen, selbst die hochgerüsteten Ägypter, sind der israelischen
unterlegen. Und die arabischen Staaten wissen natürlich daß
Israel Atommacht ist. Würde Israel bei einem Angriff in so tödliche
Bedrängnis kommen daß die Existenz des Staates gefährdet
wäre, würden Atombomben auch eingesetzt, wie die Einsatzerlaubnis
im Jom-Kippur-Krieg, die glücklicherweise nicht durchgeführt
werden musste, zeigt.
Zum Abschluss sehe ich persönlich für den Nahostkonflikt
3 mögliche nächste Schritte.
Der 1. mögliche Schritt wäre der beste: Arafat erlässt
sofort ein Gesetz in dem er die Auflösung aller paramilitärischen
Organisationen innerhalb der Autonomie anordnet. Die Mitglieder dieser
Gruppen können sich dann der Polizei anschließen oder politische
Parteien gründen. Sollten sie sich weigern diesem Gesetz zu folgen
muß dieses mit Gewalt durchgesetzt werden. Wenn dies geschehen
ist können die Verhandlungen wieder dort anfangen wo sie im Oktober
2000 beendet wurden.
Der 2. mögliche Schritt wäre der schlechteste: Die israelische
Regierung könnte bei andauernder Gewalt das "Experiment"
der Autonomie für gescheitert erklären, diese zerschlagen
und alle Gebiete erneut besetzen. Dies würde zu einem jahrzehntelangen
Guerrillakrieg führen.
Der 3. mögliche Schritt ist wohl der realistischste: Die israelische
Regierung lässt abgelegene jüdische Ortschaften im Westjordanland
und Gaza räumen und errichtet befestigte Grenzanlagen, im Grunde
eine Mauer, zwischen jüdischem und arabischem Gebiet. Bereits
in den 20er Jahren hatte Jabotinskij die Möglichkeit einer sog.
"eisernen Wand" als einzige Lösung des Konflikts angedacht.
So würde nicht der Konflikt beseitigt aber die Gewalt durch Gefechte
und Bombenanschläge sofort beendet werden."
[Antifa-Referat
des AStA der Geschwister- Scholl- Universität München]
V. i. S. d. P. : Alex Geller, Leopoldstraße 15, 80802 München
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