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Antifaschistische Chronologie Gera 2004
Antifaschistische Aktion Gera [AAG] im April 2004

Die Chronologie bezieht sich ausschließlich auf Gera und wird in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Sie erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Rechte Angriffe und Drohungen werden bis auf wenige Ausnahmen nicht weiter aufgeführt. Ebenso wenig werden Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte und Open-Airs genannt. Für ausführlichere Berichte und mehr verweisen wir auf das >>Archiv unserer Website

Januar
- Am 17. Januar 2004 wird gegen 1 Uhr das Autonome Zentrum Klaushaus von der Polizei, wegen Ruhestörung nach einem angemeldeten Konzert, umstellt. Etwa 20 Polizisten versuchen sich Zutritt zum Haus zu verschaffen, als ein Polizist dabei die Treppen herunter gestossen wird, stellt sich die Polizei vor das Haus und droht dem Veranstalter, das Haus zu räumen, falls die BesucherInnen es nicht freiwillig verlassen. Als diese der Aufforderung der Polizei folgen, kommt es zu Handgreiflichkeiten, in deren Verlauf vier Personen festgenommen wurden. Eine Person wird von der Polizei zusammengeschlagen und muss ambulant behandelt werden. Auf der Polizeiwache wird einem Asthmatiker die Bitte nach Wasser lange Zeit verwehrt, es kommt zu einer Blutabnahme durch die Polizei! Vorgeworfen wird den BesucherInnen Widerstand, Sachbeschädigung und Beleidigung. Die Betroffenen stellen mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden.
- In der Nacht zum 21. Januar, wird Oleg, ein 27-jähriger "Russlanddeutscher" von vier jungen Nazis aus Gera und Umgebung brutal ermordet. Die Täter schlagen ihrem Opfer eine Bierflasche von hinten auf den Kopf und treten dann mit Füßen und Fäusten zu, rammen ein Messer in den wehrlosen Körper und zertrümmern mit einem Hammer das Gesicht. Einen Tag nach der bestialischen Tat nimmt die Polizei die jungen Täter in ihren Wohnungen fest, alle legen ein Geständnis ab.
- Am 23. Januar halten AntifaschistInnen eine Mahnwache am blutverschmierten Tatort ab, bereits am nächsten Morgen ist die Stelle verwüstet und es sind deutliche Springerstiefel-Abdrücke zu erkennen.

Februar
- Am 1. Februar 2004 demonstrieren rund 250 AntifaschistInnen unter dem Motto "Naziterror stoppen - Wandelt Wut und Trauer in Widerstand" durch die Geraer Innenstadt und den Stadtteil Bieblach-Ost.
Die rechte Polizei und Lokalpresse versucht vor und während der Demo das Anliegen der Antifaschistischen Aktion Gera [AAG] zu kriminalisieren. Begleitet wird die Gedenkdemonstration durch ein martialisches Polizeiaufgebot, Flugblätter werden beschlagnahmt und drei DemonstrantInnen vorübergehend festgenommen. Die Polizei lässt Provokationen von Seiten der Faschisten gewähren und diese durch die Demonstration laufen.
- Am 2. Februar wird ein behinderter Jugendlicher in einem Baumarkt in der Industriestraße durch Messerstiche so schwer verletzt, dass er für sechs Wochen ins Koma fällt. Die Hintergründe der Tat wurden nie geklärt, ein rechtes Tatmotiv ist jedoch nicht auszuschließen.
So soll das Opfer in einer Wachphase gesagt haben, dass es sich bei den Tätern um Nazis handelte. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, da der Betroffene aufgrund des traumatischen Erlebnisses nichts mehr sagte.
- Rund 20 Menschen halten am 04.02.04 eine Kundgebung vor dem Einkaufszentrum Arcaden ab. Thematisiert werden die Versuche von Polizei, Stadt und Standortpresse, einen politischen Mordhintergrund der Bluttat vom 21. Januar zu leugnen und zu relativieren. Mehrere Faschisten provozieren am Rande der Kundgebung, darunter bekannte Nazikader wie Denis Schoner und Jens Fröhlich. Sie tragen Aufnäher mit Schriftzügen wie "Elsterfront Gera" und "Eugenik". Ein Nazi zeigt den Hitlergruss und ruft "Sieg Heil". Er wird erst nach mehrfacher Aufforderung von der Polizei festgenommen.
- Am 05. Februar greifen drei Deutsche einen Armenier an. In dessen Folge gerät der 21-jährige Marcel W., einer der Angreifer, unter die Straßenbahn und verstirbt noch am Unfallort in der Leipziger Straße. Dem Streit zwischen dem, wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung vorbestraften Obergefreiten der Bundeswehr und zwei weiteren Deutschen und dem Armenier ging eine Schlägerei voraus. Selbst Polizei und Staatsanwaltschaft können in diesem Fall einen rassistischen Hintergrund nicht leugnen.
- Am folgenden Tag legt eine Gruppe von rund 25 rechten Jugendlichen, darunter bekannte Nazis, am Unfallort Blumen und einen Kranz nieder und hält ein Transparent mit dem Schriftzug "Marcel wir trauern um Dich. Kriminelle Ausländer raus! Elsterfront".
Am Abend desselben Tages wird ein Linker in der Stadt von mehreren Nazis bedroht. Trotz eines telefonischen Hilferufes kommt die Polizei nicht. Als der Betroffene sich in einem zweiten Anruf darüber beschwert, wird ihm von einem Beamten mit einer Anzeige gedroht.
In den späten Abendstunden kommt es bei einer Kneipe zu einer weiteren Auseinandersetzung mit Nazis und unpolitischen Jugendlichen, in dessen Verlauf einem der Jugendlichen eine Bierflasche gegen den Kopf geschlagen wird und er deshalb ambulant behandelt werden muss.
- Etwa 20 Menschen finden sich am 12. Februar auf einer antifaschistischen Kundgebung vor den Geraer Arcaden ein. Mehrere Nazis provozieren am Rande, die Veranstaltung wird jedoch von den PassantInnen gut aufgenommen. Im Anschluss daran veranstalten Bündnis 90 / Die Grünen eine Kundgebung auf dem Zentralen Platz neben dem Elsterforum Gera. Abgeschirmt durch eine Polizei-Einheit der Thüringer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) reden vor den ca. 30 Anwesenden mehrere VertreterInnen der Grünen, des BGR und der AAG. Zu einem Zwischenfall kommt es, als stadtbekannte Nazis versuchen, Portraitfotos zu schießen und es infolgedessen zu kleineren Handgreiflichkeiten kommt.
- Am 19. Februar sammeln sich erneut ca. 25 rechte Jugendliche am Unfallort in der Leipziger Strasse und legen dort Blumen nieder.
- In den frühen Morgenstunden des 25. Februar werden die Scheiben des Kunstateliers im Autonomen Zentrum Klaushaus eingeworfen.

März
- Am 1. März thematisieren AntifaschistInnen den Nazimord auf einer Veranstaltung der CDU zum Thema "Innere Sicherheit und Ordnung in Gera und Thüringen". Es kommt zu Zwischenrufen, unangebrachtem Klatschen und einer verbalen Auseinandersetzung.
- Am 27. März fahren etwa 50 Nazis ab dem Geraer Südbahnhof in einem Reisebus des Unternehmens "City-Tours" zu einem "Wochenendlehrgang" des Deutschen Kollegs, unter Federführung des Antisemiten Horst Mahler, nach Mosbach.

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