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T e x t e > > G e r a |
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progress.movement.revolution intro Zu Beginn
des 21. Jahrhunderts hat sich auf der Welt neben dem Kapitalismus
keine ernstzunehmende Alternative durchgesetzt. Die gesellschaftliche
Totalität der Arbeit ist dabei die größte "Leistung"
des Kapitalismus. Widerstand ist zwar zwingend geboten, kann aber
nur aus einer starken linksradikalen Bewegung erwachsen. Wurde seit der Wiedervereinigung in Gera immer nur auf Naziaktivitäten reagiert und konnten somit eigene politische Ansätze nur marginal wahrgenommen werden, so ist es nun Zeit für mehr. Der in Anti-Nazi-Tätigkeiten befangenen und zuweilen orientierungslosen Linken in Gera sollen hiermit neue Perspektiven eröffnet werden. So gilt es die erkämpfte Infrastruktur und linken Freiräume mit Inhalten zu füllen und genau das voranzutreiben, was es in Gera nie gab: Eine starke antifaschistische Linke, die dem deutschen Mob richtig die Hölle heiß zu machen vermag! fight the game Die Verwertungszwänge
nehmen eine neue Qualität an. Gesellschaftliche Gruppen erfahren
zunehmende Repression, Überwachung und Kontrolle. Vertreibung
und Abschiebungen sind an der Tagesordnung. Soziale Leistungen und
freie Bildung verlieren immer weiter an gesellschaftlicher Bedeutung.
Die bisherigen
Versuche, den Kommunismus zu bestimmen, führten nicht zur Emanzipation.
Denn wer es mit dem Kommunismus ernst meint, lässt ihn unbestimmt.
Eine klassenlose und herrschaftsfreie Gesellschaft mit Wohlstand für
alle ist im Kapitalismus ebenso wenig denkbar wie ein selbstbestimmtes
Leben in allen Bereichen. Eine soziale Perspektive kann folglich nur
dem Wunsch zur Überwindung der herrschenden Verhältnisse
und der Forderung nach einem Ende des Kapitalismus entspringen. Der Nazimord und seine Folgen In der
Nacht zum 21. Januar wurde in Gera der 27-jährige "Russlanddeutsche"
Oleg von vier jungen Nazis brutal ermordet. Die Täter schlugen
ihrem Opfer eine Bierflasche gegen den Kopf, rammten mehrfach ein
Messer in den Körper und zertrümmerten mit einem Hammer
das Gesicht. Die 14-19 Jahre alten Täter sind nach mehreren Zeugenaussagen
eindeutig der rechten Szene zuzuordnen. Polizei und Staatsanwaltschaft
leugnen bis heute ein rassistisches Tatmotiv. kein ruhiges Hinterland Das thüringische
Gera liegt in einem braunen Landkreis ohnegleichen. Seit der Wende
war und ist Gera Hochburg und Rückzugspunkt für Neonazis.
Über Jahre hinweg wurde dort dem Aufbau rechter Strukturen wenig
entgegengesetzt. Die Faschisten waren somit lange Zeit die Einzigen,
die sich organisierten und die Jugendkultur dominierten. Die Bandbreite
rechter Organisationen und Aktivitäten ist entsprechend umfangreich. Aber
genau in dieser Stadt rührt sich Widerstand. Als die Antifaschistische
WanderAktion [AWA] [5] ab 2002
nach Gera zu mobilisieren begann, war die Stadt der deutschen Linken
so gut wie unbekannt. Mit Beginn einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit
der im Juli 2002 gegründeten "Antifaschistischen Aktion
Gera" [AAG] konnte erstmals eine Gegenöffentlichkeit geschaffen
und über die katastrophalen Zustände in Gera berichtet werden.
Nach fast zwei Jahren kontinuierlicher antifaschistischer Aktivitäten
scheint sich das Blatt allmählich zu wenden; NPD und Kameradschaft
Gera treten nur noch marginal in Erscheinung und linke Strukturen
beginnen sich zu etablieren. Ein Autonomes Zentrum wurde erkämpft,
das Infobüro bekam wieder Räumlichkeiten und ein neuer Infoladen
wurde aufgebaut. Alsdann wurden erste politische Veranstaltungen organisiert
und eine kleine "Szene" entwickelte sich. AntifaschistInnen
hoben eine Kampagne "gegen den rechten Alltagsbetrieb" aus
der Taufe und forderten die Schließung der - zu diesem Zeitpunkt
noch fünf - existierenden Naziläden. Während bereits
zwei Geschäfte schließen mussten, läuft die Kampagne
bis heute unentwegt weiter. Natürlich hat auch der brutale Mord wieder gezeigt, dass die Zustände in Gera weitaus schlimmer sind als in anderen Städten dieser Größe. Daran wird sich auch in den nächsten Monaten wenig ändern, die Gefahr eines faschistischen Rollbacks besteht jederzeit. Damit antifaschistische Strukturen aber zumindest vor repressiven Maßnahmen, wie sie sich bereits in Ansätzen abzeichnen, gefeit bleiben, sollte es vornehmliche Aufgabe einer antifaschistischen Bewegung sein, progressive Linke auf ihrem Weg "raus aus der Scheiße, rein in den Rock" [6] zu unterstützen. Gegen
Deutschland! Arbeit und Kapitalismus abschaffen! [Autonome Thüringer Antifa Gruppen [ATAG], März 2004] [1] Bezieht sich auf die Kampagne von ABAD, einer Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt. Das Bundesprogramm "Civitas", zur Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen gegen "Rechtsextremismus" in den Neuen Bundesländern, untersagte ABAD Anfang des Jahres eine weitere finanzielle Förderung. Der Grund hierfür läge unter anderem in der Äußerung, Thüringen sei das "kalte Herz Deutschlands". Seit der Schließung haben rassistische Angriffe und Diskriminierungen drastisch zugenommen. [2] Antifaschistische Aktion Berlin am 08. April 2002 [3] In Gera werden generell alle vermeintlich Linken, die sich unter der Woche nach 21 Uhr auf die Straße "trauen" und von der Polizei gesehen werden, einer Personenkontrolle unterzogen. Besondere Auffälligkeiten sind hierbei nicht auszumachen, das Tragen eines Kapuzenpullis ist als Verdachtsmoment ausreichend. [4] Das
Autonome Zentrum Klaushaus ist der Stadt Gera aufgrund der Thematisierung
des Nazimordes durch AntifaschistInnen offenkundig ein Dorn im Auge.
Der Klaushaus e.V. erhielt kurz nach der Gedenkdemonstration im Februar
eine Abmahnung, da durch das Objekt die öffentliche Sicherheit
und Ordnung und somit das "Ansehen der Vermieterin" gefährdet
sei. Nazis setzten noch eins drauf und warfen in der Nacht zum 25.
Februar die Scheiben ein. [5] Bundesweites Projekt, um Nazihochburgen in den öffentlichen Diskurs zu bringen und AntifaschistInnen zu ermuntern, am Aufbau linker Strukturen in diesen Städten mitzuwirken. [6] Motto der Antifaschistischen Aktion Berlin zur Demonstration am 1. Mai 2002 in Berlin |