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Den
rechten Alltagsbetrieb angreifen!
Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am
24. Mai 2003 in Gera
[Antifaschistische Aktion Gera [AAG], Mai 2003]

In
Gera laufen die Uhren etwas anders...
Vor
allem seit Mitte der 90er hat die Stadt einen starken Zulauf an rechten
Kräften erhalten, so dass Gera nach wie vor eine der Hochburgen
neofaschistischer Strukturen in der BRD ist. In keiner anderen Stadt
dieser Größe gibt es so viele faschistische Musik-Bands
und -Projekte, von kaum einer anderen Stadt aus werden mehr illegale
Nazikonzerte organisiert und wo sonst ist "White Noise"
(faschistische Musik) so beliebt, wie unter Jugendlichen der zweitgrößten
Stadt Thüringens! Gerade auch bei Jugendlichen ist hier ein Trend
zu rechter "Kultur" offensichtlich.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass die sog. "White Youth
Deutschland", die Jugendorganisation der dt. "Blood &
Honour"-Bewegung, in Gera gegründet wurde (und dass die
Klagen gegen das Verbot dieser Organisationen von Geraern eingereicht
wurden).
Diverse Bands aus der Skinhead- und Black-Metal-Szene waren und sind
neben "nationalen Liedermachern" aktiv, Vertriebs- und Produktionsfirmen
sorgen für die Verbreitung der Tonträger und anderer Propaganda,
"Blood & Honour" und "White Youth" sind mit
ihren Strukturen weiterhin fest in der Geraer Nazi-Szene verankert
und machen mit demselben Personal das gleiche wie vor dem Verbot:
Konzerte und Parties organisieren und auf diesem Weg Jugendlichen
nationalsozialistisches Gedankengut näher bringen.
Mittlerweile gibt es für Jugendliche so gut wie keine Möglichkeiten
mehr, Veranstaltungen, Parties oder Konzerte in Gera aufzusuchen,
die nicht von Nazis besucht bzw. bewacht werden. Rechte "Sicherheitsfirmen"
kontrollieren mittlerweile alle (!) Discos und andere Veranstaltungsorte
sowie öffentliche Verkehrsmittel (wie die Straßenbahnen)!
Die "Pollux Security", welche schon im Sommer 2001 das besetzte
Haus in der Geschwister-Scholl-Straße überfielen, ist dabei
wohl die aktivste Schlägertruppe und eine echte Bedrohung für
alle, die nicht in ihr engstirniges Weltbild passen.
Regelmäßig werden MigrantInnen in Gera von Nazis angegriffen,
geschubst oder bespuckt. Wie Ende letzten Jahres auf dem Spielplatz
in Gera- Bieblach geschehen, als zwei 10- und 11-jährige afrodeutsche
Kinder von 3 Jugendlichen massiv belästigt und die Mutter eines
der Kinder mit einer Pistole bedroht wurde...
Wohin die explosive Mischung aus Frust und Hass führen kann,
ist an den zahlreichen Wochenendschlägereien zu beobachten, welche
u.U. exzessiv in Brandanschlägen und Morden enden (wie erst kürzlich
wieder geschehen, so in der Nacht zum 30.01.03, als Nazis zwei Molotow-Cocktails
auf das AsylbewerberInnenheim in Greiz-Irchwitz warfen, oder in Erfurt,
wo Anfang diesen Jahres eine Gruppe Punks von Faschisten zusammengeschlagen
wurde und eines der Opfer im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag).
Was
Ihr sucht ist das Ende - was wir reichen sind geballte Fäuste,
keine Hände!
[Brothers Keepers]
Sich "Nazi" zu schimpfen, scheint in Gera wie auch
den ganzen provinziellen Käffern rundherum einfach "in"
zu sein. Subkultur ist längst nicht mehr automatisch links codiert,
gegen das System oder die Gesellschaft zu rebellieren bedeutet hier
gegen Linke, MigrantInnen und Homosexuelle aktiv zu werden. Bekräftigt
durch das "neue" deutsche Selbstbewusstsein, beispielsweise
durch Debatten um alliierte Kriegsverbrechen oder einem "Sonderweg"
Deutschlands, beteiligen sich (ansonsten eher unpolitische) Jugendliche
immer häufiger an Nazi-Demos und Konzerten.
Naziläden und -versände wie "Youngland" und "Aufruhr"
befriedigen die nationalen Konsumbedürfnisse, Kneipen wie "Pils
Pub Halleluja" oder der "Treff H35" vor den Geraer
Arcaden garantieren "soziale" Treffpunkte. "Die Szene
gleicht einer typischen, etablierten Subkultur, welche sich genauso
aus normalen Jugendlichen mit Baggy-Jeans und Landser Shirt, zu den
,Zillertaler Türkenjägern'schunkelnden Prolls, und uniform
gestylten Gabbergirls zusammensetzt. Diese rechte Hegemonie wird jedoch
nicht systematisch hergestellt, sondern basiert eben auf einem Konsens
zwischen diesen verschiedenen jugendlichen Ausdrucksformen. Mit ihrem
rebellischen Gehabe, Rassismus und 'Sozialdarwinismus', unterscheiden
sie sich allerdings, bis auf ihren offenen Gewaltfetisch, kaum vom
Rest der deutschen Gesellschaft."1
Die
Motivationen der InhaberInnen, Ladengeschäfte zu öffnen,
die sich durch ihr Angebot überwiegend an eine rechte Jugendszene
richten, sind vielfältig und unterschiedlich. Da sind einerseits
VertreterInnen der ersten und zweiten Nazi-Skingenerationen aus den
frühen 90er Jahren, wie bspw. der Inhaber des "Inside"
Roberto Graf, der sich mit eigenem Gewerbe aus "den ersten Reihen"
zurückgezogen hat und nun in aller Ruhe Geld verdienen will.
Die meisten die diesen Weg gehen, verfügen noch über gute
Kontakte in die Szene hinein und einen entsprechenden "Ruf".
Beides sorgt dafür, dass sie besseren Zugang zu einschlägigen
Versänden haben und neben Kleidung häufig auch deren Musik,
Klamotten und Propagandamaterial anbieten. Schnell werden einige dieser
Läden zu Kristallisationspunkten für rechte Jugendliche
- soziale Orte, wo man Gleichgesinnte trifft und Informationen über
Musikneuerscheinungen oder Konzerte erhält. In den seltensten
Fällen fließt der Gewinn, der in diesen Läden gemacht
wird, direkt in die Arbeit "politischer" Gruppen oder Organisationen
zurück. Meistens dient der Reingewinn dem persönlichen Lebensunterhalt
der LadenbetreiberInnen.
"Darüber hinaus entsteht - ganz im Sinne des NHB-Konzepts
'Schafft befreite Zonen'- ein eigener rechter Wirtschaftkreislauf,
der nicht alleine aus 'Freiräumen'besteht, sondern auch aus Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
in der Naziszene für die Naziszene.
Ehemalige Kader verbotener Nazi-Organisationen betreiben ebenso wie
vermeintlich unpolitische Geschäftemacher Läden, in denen
hauptsächlich Kleidung und Accessoires für den rechten Lifestyle
angeboten werden. Beinahe nebenbei läuft das Geschäft mit
nicht strafbaren Nazi-CDs oder Propagandamaterial über den Ladentisch
und unter der Hand mit indiziertem Material. Letzteres ist aufgrund
der regional zunehmenden Überwachung durch die Sicherheitsbehörden
zwar schwieriger geworden, aber wegen der höheren Gewinnspanne
und der ungebrochenen Nachfrage eines anwachsenden 'KundInnenkreises'lukrativ
und üblich."2
Daneben
existieren seit einigen Jahren Läden, die nach Eigenaussage von
"unpolitischen" Geschäftsleuten geführt werden,
wie bspw. der "Hard-Rock-Shop". Derartige Läden entstehen,
weil es in der Region eine entsprechend große Nachfrage für
rechte "Kultur" gibt und sich damit Geld verdienen läßt.
Es gibt immer mehr Geschäfte, die zwar weder "White Power"-Aufnäher
noch andere Kleidungsstücke mit offensichtlich rassistischer
oder nationalsozialistischer Symbolik verkaufen, in ihrem Angebot
aber trotzdem an einem Mainstream - eben der "kulturellen Hegemonie"
- orientiert sind, welche erheblich von rechts beeinflusst wird.
Gemeinsam sind all diesen Läden die breit gefächerten Kundenkreise
- von Fussballhooligans, rechts anpolitisierten Jugendlichen über
Nazikader bis hin zu ganz "normalen" Jugendlichen. Auch
ihre Funktion ähnelt sich: Sie stärken einen rechten Lifestyle,
senken die Hemmschwelle zum Zugang zur Naziszene und tragen dazu bei,
dass "Rechtssein" in vielen Regionen weiterhin als Normalität
empfunden wird.
Ob die Motivation der Ladenbesitzer nun darin besteht, durch den Verkauf
rechter Waren die Szene kulturell zu erweitern, politischer Arbeit
Gelder zufließen zu lassen oder einfach nur reinen Profitgewinn
einfahren zu wollen, ist für uns in erster Linie irrelevant.
Ebenso ist es bei letzterem nicht von Bedeutung, welche politische
Einstellung die/der InhaberIn bzw. die VerkäuferInnen sind -
ob diese "nur" kundenorientiert ihre Existenz sichern möchten
oder sie mit voller Überzeugung dahinterstehen - der dumpfe Nazi
ist in beiden Fällen gern gesehener Kunde.
Den
rechten Alltagsbetrieb angreifen!
In
Gera gibt es gleich eine ganze Reihe an Geschäften, die mit rechter
"Kultur" Geld machen, wobei erst zwei eindeutige Naziläden
vor kurzer Zeit eröffnet haben. Die Rede ist vom "Inside"
Anfang diesen Jahres und "Youngland", der vor etwa einem
Jahr Eröffnung hatte. Aufgrund der niedrigen Mietkosten und der
großen Nachfrage ist es den BetreiberInnen möglich, ihre
erfolgversprechenden Standorte zu halten ohne sich über existentielle
Probleme Gedanken machen zu müssen.
Inside
Seit Anfang des Jahres hat das "Inside" in der Leipziger
Straße 5 geöffnet. Inhaber ist der bekannte Nazikader Roberto
"Matzo" Graf, der zur Wende als Aktivist der ersten Stunde
häufig mit Gordon Richter (heute: Vorsitzender der NPD Gera)
unterwegs war. Laut Recherchen des "Bündnis gegen Rechts
Gera" tauchte Graf Anfang der 90er auf einer "Kriegsgefangenenliste"
der britischen NSDAP/AO-Zeitschrift "New Order" auf.
Der Laden hat auf den ersten Blick einen relativ geringen Warenwert,
bietet aber aus mehreren ausliegenden Katalogen weitere Waren an.
Neben wenigen CDs wird hauptsächlich "Streetwear",
also militante Hoolkleidung, verkauft. So z.B. eindeutige Nazi-Marken
wie "Walhall Germany", "Consdaple" (Aufdruck mit
Reichsadler), aber auch sog. "T-Hemden" mit Aufdrucken wie
"Sturmwehr", "White Power", "Kategorie C"
oder "Hale of glory" (Aufdruck mit Eisernem Kreuz). Der
Rest des Sortiments folgt dem rechten Trend: "Troublemaker Germany",
"Pit Bull", "Lonsdale", "Alpha Industries"
(erinnert an das SA-Zeichen), "New Balance"...
Mit der idealen Lage als Knotenpunkt zwischen Straßenbahnhaltestelle,
Zschochernplatz und Haupteinkaufspassage "Sorge" ist trotz
des geringen Warenangebots von einer natürlichen Geschäftsaufgabe
des "Inside" in nächster Zeit eher nicht auszugehen.
Youngland
Die Nazis Jens Hoffmann und Mark Zothe bieten mit ihrem Geschäft
"Youngland" (benannt nach der gleichnamigen, britischen
Rechtsrockband) direkt am Hbf in der Bahnhofstrasse 12 nicht nur Klamotten
an, sondern erweitern mit einem eigenen Internet-Versand die Angebotspalette
des "Aufruhr Versands". So gibt es das passende Nazi-Outfit
zu Bands wie "Kreuzfeuer", "Landser", "Blue
Eyed Devils" oder Marken wie "Hooligan Streetwear",
"Radical" (Aufdruck mit Reichsadler), "Thor Steinar"
(Schriftzug mit Ultima Thule), "Lonsdale", "Fred Perry",
"Pit Bull", "Alpha Industries", "Ben Sherman",
"Walhall Germany". Der Laden zeichnet sich durch einen hohen
Warenwert und eine große Auswahl aus, die Ladenfläche ist
ca. dreimal so groß wie die des "Inside".3
Beworben wird das Geschäft mit allen Medienmitteln: Online-Shopping,
Links auf Naziseiten wie "Eugenik" oder einfach kopierte
Handzettel. Im Internet lockt der Versand mit einem Warengutschein
für jeden hundertsten Besteller im Wert von 88 Euro (hier: 88
= Heil Hitler), die Homepage wird von "freecity.de" gehostet
und den benötigten Speicherplatz stellt Jörg Abel aus Zeulenroda
zur Verfügung.
US
Goods
Seit Anfang der 90er gibt es das Geschäft "US Goods",
welches seit Mai 2003 von der Schmelzhüttenstraße 20 in
die Kleine Kirchstraße 1 umgezogen ist. Direkt am Marktplatz
gelegen, läßt sich auch hier die Bezeichnung "ideale
Lage" nicht leugnen. Verkauft wird primär Militärkleidung
und "Szenekleidung" wie "Midgard" oder "Thor
Steinar Nordland" (mit "Ultima Thule"- Schriftzug).
Über das Geschäft kursieren eine Menge Gerüchte, bspw.
sollen Mitte der neunziger Jahre diverse Naziprodukte gegen Wortlosungen
angeboten worden sein. Fest steht, dass sich die Betreiber stark am
rechten KundInnenkreis orientieren und auf diesen angewiesen sind.
Vor dem Laden in der Schmelzhüttenstraße standen deshalb
seit Jahren immer wieder Autos von einschlägig bekannten Nazikadern
vor der Tür.
Fallen
Angel
Neu eröffnet hat Anfang des Jahres auch das Black &
Dark Metal-Geschäft "Fallen Angel". Die Betreiber leugnen
zwar vehement, mit der NS-Musikszene zu kokettieren, verkaufen aber
bewusst Nazi-CDs und Merchandise von einschlägigen Bands. Unsere
Aufforderung, diese aus dem Sortiment zu nehmen, wurde mit den Worten
"Ihr könnt mich mal!" eine klare Absage erteilt. Die
Verbundenheit des "Fallen Angel" zum "National Socialist
Black Metal" (NSBM) ist einfach nachzuweisen. So werden im Laden
und im Online-Versand die bekanntesten legalen NSBM-Produkte angeboten,
bspw. CDs von "Graveland", "Lord Wind", "Forefather",
"Thy Majesty", "Totenburg" und Klamotten von "Burzum"
oder "Nargaroth", selbst sechs Interpreten angebotener CDs
finden sich auf der internationalen "NSBM-list"4 wieder.
Im Laden liegen zudem Flyer vom "Youngland" aus und im Schaufenster
hängt ein Plakat der Geraer "Ewiges Eis"-Produktion
"Die Saat". Im Gästebuch grüßen bekannte
Nazis, auf der Homepage verweist ein Link zu "Ewiges Eis Records"
von Jens Fröhlich, der auch "88 Records" betreibt.
Hard-Rock-Shop
Der auch als "Markomannshop" bekannte Gothic-Shop mit
integriertem "Tattoo & Piercing"- Studio in der Schmelzhüttenstraße
24 wird von Martina Komann betrieben. Neben Black und Death Metal-Kleidung
und Zubehör gibt es hier Ausgefallenes wie das "Fantasieschwert
Thor" oder das Neueste in Sachen Vamp-Bekleidung. Das Geschäft
gibt sich nach außen weltoffen, auf Nachfrage erhält mensch
aber Zugang zu Katalogen mit diverser Nazipropaganda, so u.a. Keltenkreuz-
und Reichskriegsflaggen. Im Laden selbst hängt eine "Gegen
Nazis"-Fahne in direkter Nähe zur Fahne mit dem Aufdruck
"German Black Metal Art" (Stichwort Thy Majesty, NSBM).
Offensichtlich gibt es keine Berührungsängste mit Nazis,
so sollen laut Aussage des "Fallen Angel" unter der Theke
"diverse Tonträger / T-Shirts getauscht und gehandelt"
werden, zudem soll der Nazi Andy Limmer "Magie- und Spiritual-Praktiken
gegen Entgelt" anbieten. Der Geraer NSBM-Aktivist Andy Limmer
spielte selbst in rechten Bands/Projekten wie "Antiphrasis"
und organisierte mind. ein Konzert im Nov. 99 im Geraer Klub der Jugend
(u.a. mit der NSBM-Band "Antiphrasis" und "Thurisaz").
Aufruhr
Versand, Donnerschlag & 88 Records
Mit dem Aufkommen der Neuen Medien haben auch die Rechten einen
neuen Wirtschaftszweig für sich entdeckt. In Gera heißen
die bekanntesten braunen Online-Versände "Aufruhr Versand"
und "Donnerschlag Records". Neben der Versorgung "klassischer"
Szenen versuchen rechte Versandstrukturen mit einem ausdifferenzierten
Angebot auch neue Zielgruppen zu erschließen...
Der "Aufruhr" ist eine GbR der Nazikader Jörg Krautheim,
Martin Soa und Nico Hüfner. Als einer der bundesweit bekanntesten
Naziversände bietet der "Aufruhr" so gut wie alle legalen
deutschsprachigen Nazi-CDs, aber auch ein riesiges Angebot an Klamotten,
Fahnen, Boots und NS-Accessoires. Trotz aller Vorsicht bei der Produkt-Auswahl
kam es bereits zu Durchsuchungen des "Aufruhr" (wie im Februar
2001 wegen dem Verkauf indizierter "Frank Rennicke"-CDs.
"Donnerschlag Records" wird vom Geraer Nazikader Denis Schoner
betrieben, einer der bundesweit führenden NSBM-Köpfe. Dieser
bietet mit seinem Online-Versand eine große Auswahl der bekanntesten
NSBM-Produktionen auf MC/CD an, betreibt zudem noch die Firma "Pesten
Productions" und organisierte rechte Konzerte in und um Gera.
"88 Records", wird - ebenso wie "Ewiges Eis Records"
- vom Geraer "Eugenik"-Sänger, "White Youth"-
und "Anti-Antifa"-Aktivist Jens Fröhlich betrieben.
Dieser führt de facto das weiter, was unter dem verbotenen Label
"White Youth" nicht mehr möglich ist. Er hilft Bands
nicht nur bei der Erstellung von Demobändern, sondern übernimmt
Produktion, Nachbereitung der Tonträger-Aufnahmen und organisert
deren Vertrieb, so geschehen bei "Totenburg", "Eugenik"
oder "Die Saat". Laut Eigenaussage sei ein Vertrieb "im
Asiatischen, Skandinavischen, Amerikanischen sowie Ost/Süd-Europäischen
Raum" möglich, die Produktionen werden bereits nachweislich
im eigenen Internetversand verkauft.
"Design lieferte die Firma u.a. für die Veröffentlichungen
von: Eugenik, Totenburg, Graven, Barad Dur, Weltmacht, Genocide und
die Split Epetahlium/Holocaust/Frostkrieg.
Schoner und seine Bandprojekte/Firmen und Jens Fröhlich mit Eugenik/White
Youth/88 Records sind eine entscheidende Schnittstelle zwischen neonazistischen
Skinheads und dem nationalsozialistischen Teil der Black Metal-Szene,
und das nicht nur lokal oder regional."5
Die
Leude woll'n, dass was passiert...
[5 Sterne Deluxe]
In
der ersten Januarwoche wurden zum zweiten Mal die Scheiben des Naziladens
"Youngland" durch Unbekannte gesmasht. Erst ein paar Wochen
zuvor mussten die zu Bruch gegangenen Scheiben ausgewechselt werden.
Ein paar Tage später wurde der Laden mit den Worten "Haut
ab" besprüht, nachdem das vorige Graffiti ("Döner
1,50") übermalt worden war. Ende Januar wurden die Scheiben
des Naziladens "Youngland" erneut von unbekannten AntifaschistInnen
zerstört.
Nur wenige Tage nachdem im April die beschädigten Scheiben des
"Youngland" durch Panzerglasscheiben ausgetauscht wurden,
griffen erneut Unbekannte das Geschäft an. Eine Woche später
wurde der NSBM-Schuppen "Fallen Angel" entglast, zwei Wochen
darauf "US Goods"...
Wir sind der Auffassung, dass derartige Aktionen sich nicht darauf
beschränken sollten, "Zeichen" zu setzen, also an der
Oberfläche des Problems herumzuschaben oder auch nicht als Anlass
genommen werden sollten, sich mit dem guten Gefühl zufrieden
zu geben, "mal wieder was gemacht" zu haben. Wir wollen
die Situation in Gera schließlich verändern - und zwar
grundlegend!
Leider hat sich im Laufe der Jahre in Gera eine Art gesellschaftlicher
Konsens etabliert, der massiv von Nazis beeinflusst wurde und auch
vor harmoniebedürftigen Teilen der ach so alternativen und toleranten
"Linken" in Gera angenommen wurde. Selbst heute wird Geraer
AntifaschistInnen vorgeworfen, den Konflikt - der ja immer da war
und bspw. für MigrantInnen de facto täglich eine lebensbedrohende
Situation ist - nun in die "eigenen Reihen" zu tragen.
Wo Angriff die beste Verteidigung wäre, wo antifaschistischer
Selbstschutz und die direkte Gegenwehr gegen den braunen Straßenmob
notwendig wäre, ziehen sich viele die Decke über den Kopf,
was es den Betreibern dieser Läden erlaubte weiterzumachen, so
als ob sie ein integraler Bestandteil eines toleranten "Antifaschismus"-Verständnisses
seien.
Diese Toleranz können wir jedoch nicht aufbringen! Damit dem
rechten Alltagsbetrieb in Gera auch nachhaltig entgegen gewirkt werden
kann, soll diese Kampagne nicht von kurzer Dauer sein, sondern auf
eine entgültige Schließung aller betroffenen Geschäfte
drängen.
Wir
wollen gegen die rechte Hegemonie und für ein selbstbestimmtes
Leben ohne Volk, Staat und Kapitalismus kämpfen, weil eins mit
dem anderen zusammen hängt und nur zusammen abzuschaffen ist.
Spätestens mit dem Entstehen von "national befreiten Zonen"
in Städten wie Gera oder Wurzen, bedarf es jedoch eines neuen
Rahmens, in welchem "linker Antifaschismus" praktiziert
wird. Antifaschistischer Lifestyle muss gerade in rechten Hochburgen
selbstbewußter vermittelt werden, um wieder Handlungsmöglichkeiten
für eine starke linke Bewegung zu erlangen. Linke Gegenkultur
und radikale Kritik der kapitalistischen Zustände sind geboten,
um die Verhältnisse auch in rechten Hochburgen zum Tanzen zu
bringen!
Fußnoten:
1 Zit. aus "Vikingship versenken", Aufruf der Antifa
Gelsenkirchen (2003)
2 Zit. aus "Braunzonen Shopping", AIB #55 (2002)
3 Auch wenn wie im "Inside" hier "nur" Kleidung
verkauft wird, so gilt es deren ästhetische Komponente auch politisch
zu bewerten. Kleidung verschafft Identität, indem sie Gruppenzugehörigkeit,
sozialen Status, politische Ausrichtung oder auch Kraft, Stolz, Vaterlandsliebe
usw. symbolisiert. Vor allem Markenkleidung hat über die Verhüllung
des Körpers hinaus eine weitere Funktion: sie dient der Alltagskommunikation.
So sprechen Marken wie "Masterrace", "Gang Violence",
"Celtic Wear", "Hatecrime Streetwear" oder "Dobermann"
eine deutliche Sprache. Sie dienen, wie z.B. auch der Rechtsrock,
als Aufputschmittel gegen Feindbilder auf Konzerten und Trinkgelagen.
Nach Innen werden mit Hilfe von Codes politisches Bekenntnis und Gruppenzugehörigkeit
vermittelt, so drückt z.B. das T-Shirt mit dem Zahlenkombinations-Aufdruck
"28" das Bekenntnis zum verbotenen "Blood & Honour"-Netzwerk
aus, der "Consdaple"-Pulli wird wegen der darin enthaltenen
Buchstabenfolge "NSDAP" getragen...
4 Eine Zusammenstellung der widerlichsten Nazi-CDs im Black Metal-Bereich
5 Zit. aus "BgR Info", April 2003
Auf
nach Gera - den rechten Alltagsbetrieb angreifen!
Für linke Kultur und antifaschistischen Lifestyle
DEMO l 24. Mai 2003 l 16 Uhr l Südbahnhof Gera
HC gainst nazi scum!
Konzert | 24. Mai 2003 | 20 Uhr | Panndorfhalle Gera
Die Demo
soll sowohl "Startschuss" als auch erster Höhepunkt
der Kampagne sein. Der Aufzug wird um 16 Uhr beginnen und durch die
Innenstadt führen. Auf der Abschlusskundgebung werden DJs vom
Lautsprecherwagen aus Musik auflegen. Im Anschluss an die Demo findet
ein antifaschistisches HC-Benefiz im Rahmen der "Good night white
pride"-Kampagne in Gera statt. Es spielen KHMER (Metalcore, Leipzig),
DESTROYING TODAY (Hardcore (Ex-"Plaque"), Leipzig), SLAIN
(antifaschistischer HC, Stuttgart), BORSTELS RACHE (HC-Punk, Limbach-Oberfrohna)
und BATTLE ROYALE (aggressiver HC, Berlin).
Einlass ist um 19 Uhr, los geht's um 20 Uhr in der Turnhalle der ehem.
Grundschule 2 (neben Panndorfhalle, beim Stadion/Skatepark).
Im Sommer wird eine thüringenweite Bustour gegen Naziläden
des Jugend-Antifa-Netzwerks (JAN) in Gera Halt machen. Im Juli wird
eine ähnliche Bustour der "LAG Antifa/Antira" Aufenthalt
in Gera haben. In diesem Falle dreht es sich zudem um rechte Zentren,
Häuser und Internetversände (die es ja auch in Gera zuhauf
gibt - Stichwort "Aufruhr Versand", "Wynnweb"
oder "Donnerschlag Rec.").
[Mai
2003, Antifaschistische Aktion Gera]
V.i.S.d.P.:
Anna Schneider, Friedericistr. 4, 07545 Gera
zum
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