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Den rechten Alltagsbetrieb angreifen!
Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 24. Mai 2003 in Gera
[Antifaschistische Aktion Gera [AAG], Mai 2003]

DEN RECHTEN ALLTAGSBETRIEB ANGREIFEN!

In Gera laufen die Uhren etwas anders...
Vor allem seit Mitte der 90er hat die Stadt einen starken Zulauf an rechten Kräften erhalten, so dass Gera nach wie vor eine der Hochburgen neofaschistischer Strukturen in der BRD ist. In keiner anderen Stadt dieser Größe gibt es so viele faschistische Musik-Bands und -Projekte, von kaum einer anderen Stadt aus werden mehr illegale Nazikonzerte organisiert und wo sonst ist "White Noise" (faschistische Musik) so beliebt, wie unter Jugendlichen der zweitgrößten Stadt Thüringens! Gerade auch bei Jugendlichen ist hier ein Trend zu rechter "Kultur" offensichtlich.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass die sog. "White Youth Deutschland", die Jugendorganisation der dt. "Blood & Honour"-Bewegung, in Gera gegründet wurde (und dass die Klagen gegen das Verbot dieser Organisationen von Geraern eingereicht wurden).
Diverse Bands aus der Skinhead- und Black-Metal-Szene waren und sind neben "nationalen Liedermachern" aktiv, Vertriebs- und Produktionsfirmen sorgen für die Verbreitung der Tonträger und anderer Propaganda, "Blood & Honour" und "White Youth" sind mit ihren Strukturen weiterhin fest in der Geraer Nazi-Szene verankert und machen mit demselben Personal das gleiche wie vor dem Verbot: Konzerte und Parties organisieren und auf diesem Weg Jugendlichen nationalsozialistisches Gedankengut näher bringen.
Mittlerweile gibt es für Jugendliche so gut wie keine Möglichkeiten mehr, Veranstaltungen, Parties oder Konzerte in Gera aufzusuchen, die nicht von Nazis besucht bzw. bewacht werden. Rechte "Sicherheitsfirmen" kontrollieren mittlerweile alle (!) Discos und andere Veranstaltungsorte sowie öffentliche Verkehrsmittel (wie die Straßenbahnen)! Die "Pollux Security", welche schon im Sommer 2001 das besetzte Haus in der Geschwister-Scholl-Straße überfielen, ist dabei wohl die aktivste Schlägertruppe und eine echte Bedrohung für alle, die nicht in ihr engstirniges Weltbild passen.
Regelmäßig werden MigrantInnen in Gera von Nazis angegriffen, geschubst oder bespuckt. Wie Ende letzten Jahres auf dem Spielplatz in Gera- Bieblach geschehen, als zwei 10- und 11-jährige afrodeutsche Kinder von 3 Jugendlichen massiv belästigt und die Mutter eines der Kinder mit einer Pistole bedroht wurde...
Wohin die explosive Mischung aus Frust und Hass führen kann, ist an den zahlreichen Wochenendschlägereien zu beobachten, welche u.U. exzessiv in Brandanschlägen und Morden enden (wie erst kürzlich wieder geschehen, so in der Nacht zum 30.01.03, als Nazis zwei Molotow-Cocktails auf das AsylbewerberInnenheim in Greiz-Irchwitz warfen, oder in Erfurt, wo Anfang diesen Jahres eine Gruppe Punks von Faschisten zusammengeschlagen wurde und eines der Opfer im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag).

Was Ihr sucht ist das Ende - was wir reichen sind geballte Fäuste, keine Hände!
[Brothers Keepers]
Sich "Nazi" zu schimpfen, scheint in Gera wie auch den ganzen provinziellen Käffern rundherum einfach "in" zu sein. Subkultur ist längst nicht mehr automatisch links codiert, gegen das System oder die Gesellschaft zu rebellieren bedeutet hier gegen Linke, MigrantInnen und Homosexuelle aktiv zu werden. Bekräftigt durch das "neue" deutsche Selbstbewusstsein, beispielsweise durch Debatten um alliierte Kriegsverbrechen oder einem "Sonderweg" Deutschlands, beteiligen sich (ansonsten eher unpolitische) Jugendliche immer häufiger an Nazi-Demos und Konzerten.
Naziläden und -versände wie "Youngland" und "Aufruhr" befriedigen die nationalen Konsumbedürfnisse, Kneipen wie "Pils Pub Halleluja" oder der "Treff H35" vor den Geraer Arcaden garantieren "soziale" Treffpunkte. "Die Szene gleicht einer typischen, etablierten Subkultur, welche sich genauso aus normalen Jugendlichen mit Baggy-Jeans und Landser Shirt, zu den ,Zillertaler Türkenjägern'schunkelnden Prolls, und uniform gestylten Gabbergirls zusammensetzt. Diese rechte Hegemonie wird jedoch nicht systematisch hergestellt, sondern basiert eben auf einem Konsens zwischen diesen verschiedenen jugendlichen Ausdrucksformen. Mit ihrem rebellischen Gehabe, Rassismus und 'Sozialdarwinismus', unterscheiden sie sich allerdings, bis auf ihren offenen Gewaltfetisch, kaum vom Rest der deutschen Gesellschaft."1
Die Motivationen der InhaberInnen, Ladengeschäfte zu öffnen, die sich durch ihr Angebot überwiegend an eine rechte Jugendszene richten, sind vielfältig und unterschiedlich. Da sind einerseits VertreterInnen der ersten und zweiten Nazi-Skingenerationen aus den frühen 90er Jahren, wie bspw. der Inhaber des "Inside" Roberto Graf, der sich mit eigenem Gewerbe aus "den ersten Reihen" zurückgezogen hat und nun in aller Ruhe Geld verdienen will. Die meisten die diesen Weg gehen, verfügen noch über gute Kontakte in die Szene hinein und einen entsprechenden "Ruf". Beides sorgt dafür, dass sie besseren Zugang zu einschlägigen Versänden haben und neben Kleidung häufig auch deren Musik, Klamotten und Propagandamaterial anbieten. Schnell werden einige dieser Läden zu Kristallisationspunkten für rechte Jugendliche - soziale Orte, wo man Gleichgesinnte trifft und Informationen über Musikneuerscheinungen oder Konzerte erhält. In den seltensten Fällen fließt der Gewinn, der in diesen Läden gemacht wird, direkt in die Arbeit "politischer" Gruppen oder Organisationen zurück. Meistens dient der Reingewinn dem persönlichen Lebensunterhalt der LadenbetreiberInnen.
"Darüber hinaus entsteht - ganz im Sinne des NHB-Konzepts 'Schafft befreite Zonen'- ein eigener rechter Wirtschaftkreislauf, der nicht alleine aus 'Freiräumen'besteht, sondern auch aus Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in der Naziszene für die Naziszene.
Ehemalige Kader verbotener Nazi-Organisationen betreiben ebenso wie vermeintlich unpolitische Geschäftemacher Läden, in denen hauptsächlich Kleidung und Accessoires für den rechten Lifestyle angeboten werden. Beinahe nebenbei läuft das Geschäft mit nicht strafbaren Nazi-CDs oder Propagandamaterial über den Ladentisch und unter der Hand mit indiziertem Material. Letzteres ist aufgrund der regional zunehmenden Überwachung durch die Sicherheitsbehörden zwar schwieriger geworden, aber wegen der höheren Gewinnspanne und der ungebrochenen Nachfrage eines anwachsenden 'KundInnenkreises'lukrativ und üblich."2
Daneben existieren seit einigen Jahren Läden, die nach Eigenaussage von "unpolitischen" Geschäftsleuten geführt werden, wie bspw. der "Hard-Rock-Shop". Derartige Läden entstehen, weil es in der Region eine entsprechend große Nachfrage für rechte "Kultur" gibt und sich damit Geld verdienen läßt. Es gibt immer mehr Geschäfte, die zwar weder "White Power"-Aufnäher noch andere Kleidungsstücke mit offensichtlich rassistischer oder nationalsozialistischer Symbolik verkaufen, in ihrem Angebot aber trotzdem an einem Mainstream - eben der "kulturellen Hegemonie" - orientiert sind, welche erheblich von rechts beeinflusst wird.
Gemeinsam sind all diesen Läden die breit gefächerten Kundenkreise - von Fussballhooligans, rechts anpolitisierten Jugendlichen über Nazikader bis hin zu ganz "normalen" Jugendlichen. Auch ihre Funktion ähnelt sich: Sie stärken einen rechten Lifestyle, senken die Hemmschwelle zum Zugang zur Naziszene und tragen dazu bei, dass "Rechtssein" in vielen Regionen weiterhin als Normalität empfunden wird.
Ob die Motivation der Ladenbesitzer nun darin besteht, durch den Verkauf rechter Waren die Szene kulturell zu erweitern, politischer Arbeit Gelder zufließen zu lassen oder einfach nur reinen Profitgewinn einfahren zu wollen, ist für uns in erster Linie irrelevant. Ebenso ist es bei letzterem nicht von Bedeutung, welche politische Einstellung die/der InhaberIn bzw. die VerkäuferInnen sind - ob diese "nur" kundenorientiert ihre Existenz sichern möchten oder sie mit voller Überzeugung dahinterstehen - der dumpfe Nazi ist in beiden Fällen gern gesehener Kunde.

Den rechten Alltagsbetrieb angreifen!
In Gera gibt es gleich eine ganze Reihe an Geschäften, die mit rechter "Kultur" Geld machen, wobei erst zwei eindeutige Naziläden vor kurzer Zeit eröffnet haben. Die Rede ist vom "Inside" Anfang diesen Jahres und "Youngland", der vor etwa einem Jahr Eröffnung hatte. Aufgrund der niedrigen Mietkosten und der großen Nachfrage ist es den BetreiberInnen möglich, ihre erfolgversprechenden Standorte zu halten ohne sich über existentielle Probleme Gedanken machen zu müssen.
Inside
Seit Anfang des Jahres hat das "Inside" in der Leipziger Straße 5 geöffnet. Inhaber ist der bekannte Nazikader Roberto "Matzo" Graf, der zur Wende als Aktivist der ersten Stunde häufig mit Gordon Richter (heute: Vorsitzender der NPD Gera) unterwegs war. Laut Recherchen des "Bündnis gegen Rechts Gera" tauchte Graf Anfang der 90er auf einer "Kriegsgefangenenliste" der britischen NSDAP/AO-Zeitschrift "New Order" auf.
Der Laden hat auf den ersten Blick einen relativ geringen Warenwert, bietet aber aus mehreren ausliegenden Katalogen weitere Waren an. Neben wenigen CDs wird hauptsächlich "Streetwear", also militante Hoolkleidung, verkauft. So z.B. eindeutige Nazi-Marken wie "Walhall Germany", "Consdaple" (Aufdruck mit Reichsadler), aber auch sog. "T-Hemden" mit Aufdrucken wie "Sturmwehr", "White Power", "Kategorie C" oder "Hale of glory" (Aufdruck mit Eisernem Kreuz). Der Rest des Sortiments folgt dem rechten Trend: "Troublemaker Germany", "Pit Bull", "Lonsdale", "Alpha Industries" (erinnert an das SA-Zeichen), "New Balance"...
Mit der idealen Lage als Knotenpunkt zwischen Straßenbahnhaltestelle, Zschochernplatz und Haupteinkaufspassage "Sorge" ist trotz des geringen Warenangebots von einer natürlichen Geschäftsaufgabe des "Inside" in nächster Zeit eher nicht auszugehen.
Youngland
Die Nazis Jens Hoffmann und Mark Zothe bieten mit ihrem Geschäft "Youngland" (benannt nach der gleichnamigen, britischen Rechtsrockband) direkt am Hbf in der Bahnhofstrasse 12 nicht nur Klamotten an, sondern erweitern mit einem eigenen Internet-Versand die Angebotspalette des "Aufruhr Versands". So gibt es das passende Nazi-Outfit zu Bands wie "Kreuzfeuer", "Landser", "Blue Eyed Devils" oder Marken wie "Hooligan Streetwear", "Radical" (Aufdruck mit Reichsadler), "Thor Steinar" (Schriftzug mit Ultima Thule), "Lonsdale", "Fred Perry", "Pit Bull", "Alpha Industries", "Ben Sherman", "Walhall Germany". Der Laden zeichnet sich durch einen hohen Warenwert und eine große Auswahl aus, die Ladenfläche ist ca. dreimal so groß wie die des "Inside".3
Beworben wird das Geschäft mit allen Medienmitteln: Online-Shopping, Links auf Naziseiten wie "Eugenik" oder einfach kopierte Handzettel. Im Internet lockt der Versand mit einem Warengutschein für jeden hundertsten Besteller im Wert von 88 Euro (hier: 88 = Heil Hitler), die Homepage wird von "freecity.de" gehostet und den benötigten Speicherplatz stellt Jörg Abel aus Zeulenroda zur Verfügung.
US Goods
Seit Anfang der 90er gibt es das Geschäft "US Goods", welches seit Mai 2003 von der Schmelzhüttenstraße 20 in die Kleine Kirchstraße 1 umgezogen ist. Direkt am Marktplatz gelegen, läßt sich auch hier die Bezeichnung "ideale Lage" nicht leugnen. Verkauft wird primär Militärkleidung und "Szenekleidung" wie "Midgard" oder "Thor Steinar Nordland" (mit "Ultima Thule"- Schriftzug). Über das Geschäft kursieren eine Menge Gerüchte, bspw. sollen Mitte der neunziger Jahre diverse Naziprodukte gegen Wortlosungen angeboten worden sein. Fest steht, dass sich die Betreiber stark am rechten KundInnenkreis orientieren und auf diesen angewiesen sind. Vor dem Laden in der Schmelzhüttenstraße standen deshalb seit Jahren immer wieder Autos von einschlägig bekannten Nazikadern vor der Tür.
Fallen Angel
Neu eröffnet hat Anfang des Jahres auch das Black & Dark Metal-Geschäft "Fallen Angel". Die Betreiber leugnen zwar vehement, mit der NS-Musikszene zu kokettieren, verkaufen aber bewusst Nazi-CDs und Merchandise von einschlägigen Bands. Unsere Aufforderung, diese aus dem Sortiment zu nehmen, wurde mit den Worten "Ihr könnt mich mal!" eine klare Absage erteilt. Die Verbundenheit des "Fallen Angel" zum "National Socialist Black Metal" (NSBM) ist einfach nachzuweisen. So werden im Laden und im Online-Versand die bekanntesten legalen NSBM-Produkte angeboten, bspw. CDs von "Graveland", "Lord Wind", "Forefather", "Thy Majesty", "Totenburg" und Klamotten von "Burzum" oder "Nargaroth", selbst sechs Interpreten angebotener CDs finden sich auf der internationalen "NSBM-list"4 wieder. Im Laden liegen zudem Flyer vom "Youngland" aus und im Schaufenster hängt ein Plakat der Geraer "Ewiges Eis"-Produktion "Die Saat". Im Gästebuch grüßen bekannte Nazis, auf der Homepage verweist ein Link zu "Ewiges Eis Records" von Jens Fröhlich, der auch "88 Records" betreibt.
Hard-Rock-Shop
Der auch als "Markomannshop" bekannte Gothic-Shop mit integriertem "Tattoo & Piercing"- Studio in der Schmelzhüttenstraße 24 wird von Martina Komann betrieben. Neben Black und Death Metal-Kleidung und Zubehör gibt es hier Ausgefallenes wie das "Fantasieschwert Thor" oder das Neueste in Sachen Vamp-Bekleidung. Das Geschäft gibt sich nach außen weltoffen, auf Nachfrage erhält mensch aber Zugang zu Katalogen mit diverser Nazipropaganda, so u.a. Keltenkreuz- und Reichskriegsflaggen. Im Laden selbst hängt eine "Gegen Nazis"-Fahne in direkter Nähe zur Fahne mit dem Aufdruck "German Black Metal Art" (Stichwort Thy Majesty, NSBM). Offensichtlich gibt es keine Berührungsängste mit Nazis, so sollen laut Aussage des "Fallen Angel" unter der Theke "diverse Tonträger / T-Shirts getauscht und gehandelt" werden, zudem soll der Nazi Andy Limmer "Magie- und Spiritual-Praktiken gegen Entgelt" anbieten. Der Geraer NSBM-Aktivist Andy Limmer spielte selbst in rechten Bands/Projekten wie "Antiphrasis" und organisierte mind. ein Konzert im Nov. 99 im Geraer Klub der Jugend (u.a. mit der NSBM-Band "Antiphrasis" und "Thurisaz").
Aufruhr Versand, Donnerschlag & 88 Records
Mit dem Aufkommen der Neuen Medien haben auch die Rechten einen neuen Wirtschaftszweig für sich entdeckt. In Gera heißen die bekanntesten braunen Online-Versände "Aufruhr Versand" und "Donnerschlag Records". Neben der Versorgung "klassischer" Szenen versuchen rechte Versandstrukturen mit einem ausdifferenzierten Angebot auch neue Zielgruppen zu erschließen...
Der "Aufruhr" ist eine GbR der Nazikader Jörg Krautheim, Martin Soa und Nico Hüfner. Als einer der bundesweit bekanntesten Naziversände bietet der "Aufruhr" so gut wie alle legalen deutschsprachigen Nazi-CDs, aber auch ein riesiges Angebot an Klamotten, Fahnen, Boots und NS-Accessoires. Trotz aller Vorsicht bei der Produkt-Auswahl kam es bereits zu Durchsuchungen des "Aufruhr" (wie im Februar 2001 wegen dem Verkauf indizierter "Frank Rennicke"-CDs.
"Donnerschlag Records" wird vom Geraer Nazikader Denis Schoner betrieben, einer der bundesweit führenden NSBM-Köpfe. Dieser bietet mit seinem Online-Versand eine große Auswahl der bekanntesten NSBM-Produktionen auf MC/CD an, betreibt zudem noch die Firma "Pesten Productions" und organisierte rechte Konzerte in und um Gera.
"88 Records", wird - ebenso wie "Ewiges Eis Records" - vom Geraer "Eugenik"-Sänger, "White Youth"- und "Anti-Antifa"-Aktivist Jens Fröhlich betrieben. Dieser führt de facto das weiter, was unter dem verbotenen Label "White Youth" nicht mehr möglich ist. Er hilft Bands nicht nur bei der Erstellung von Demobändern, sondern übernimmt Produktion, Nachbereitung der Tonträger-Aufnahmen und organisert deren Vertrieb, so geschehen bei "Totenburg", "Eugenik" oder "Die Saat". Laut Eigenaussage sei ein Vertrieb "im Asiatischen, Skandinavischen, Amerikanischen sowie Ost/Süd-Europäischen Raum" möglich, die Produktionen werden bereits nachweislich im eigenen Internetversand verkauft.
"Design lieferte die Firma u.a. für die Veröffentlichungen von: Eugenik, Totenburg, Graven, Barad Dur, Weltmacht, Genocide und die Split Epetahlium/Holocaust/Frostkrieg.
Schoner und seine Bandprojekte/Firmen und Jens Fröhlich mit Eugenik/White Youth/88 Records sind eine entscheidende Schnittstelle zwischen neonazistischen Skinheads und dem nationalsozialistischen Teil der Black Metal-Szene, und das nicht nur lokal oder regional."5

Die Leude woll'n, dass was passiert...
[5 Sterne Deluxe]
In der ersten Januarwoche wurden zum zweiten Mal die Scheiben des Naziladens "Youngland" durch Unbekannte gesmasht. Erst ein paar Wochen zuvor mussten die zu Bruch gegangenen Scheiben ausgewechselt werden. Ein paar Tage später wurde der Laden mit den Worten "Haut ab" besprüht, nachdem das vorige Graffiti ("Döner 1,50") übermalt worden war. Ende Januar wurden die Scheiben des Naziladens "Youngland" erneut von unbekannten AntifaschistInnen zerstört.
Nur wenige Tage nachdem im April die beschädigten Scheiben des "Youngland" durch Panzerglasscheiben ausgetauscht wurden, griffen erneut Unbekannte das Geschäft an. Eine Woche später wurde der NSBM-Schuppen "Fallen Angel" entglast, zwei Wochen darauf "US Goods"...
Wir sind der Auffassung, dass derartige Aktionen sich nicht darauf beschränken sollten, "Zeichen" zu setzen, also an der Oberfläche des Problems herumzuschaben oder auch nicht als Anlass genommen werden sollten, sich mit dem guten Gefühl zufrieden zu geben, "mal wieder was gemacht" zu haben. Wir wollen die Situation in Gera schließlich verändern - und zwar grundlegend!
Leider hat sich im Laufe der Jahre in Gera eine Art gesellschaftlicher Konsens etabliert, der massiv von Nazis beeinflusst wurde und auch vor harmoniebedürftigen Teilen der ach so alternativen und toleranten "Linken" in Gera angenommen wurde. Selbst heute wird Geraer AntifaschistInnen vorgeworfen, den Konflikt - der ja immer da war und bspw. für MigrantInnen de facto täglich eine lebensbedrohende Situation ist - nun in die "eigenen Reihen" zu tragen.
Wo Angriff die beste Verteidigung wäre, wo antifaschistischer Selbstschutz und die direkte Gegenwehr gegen den braunen Straßenmob notwendig wäre, ziehen sich viele die Decke über den Kopf, was es den Betreibern dieser Läden erlaubte weiterzumachen, so als ob sie ein integraler Bestandteil eines toleranten "Antifaschismus"-Verständnisses seien.
Diese Toleranz können wir jedoch nicht aufbringen! Damit dem rechten Alltagsbetrieb in Gera auch nachhaltig entgegen gewirkt werden kann, soll diese Kampagne nicht von kurzer Dauer sein, sondern auf eine entgültige Schließung aller betroffenen Geschäfte drängen.
Wir wollen gegen die rechte Hegemonie und für ein selbstbestimmtes Leben ohne Volk, Staat und Kapitalismus kämpfen, weil eins mit dem anderen zusammen hängt und nur zusammen abzuschaffen ist.
Spätestens mit dem Entstehen von "national befreiten Zonen" in Städten wie Gera oder Wurzen, bedarf es jedoch eines neuen Rahmens, in welchem "linker Antifaschismus" praktiziert wird. Antifaschistischer Lifestyle muss gerade in rechten Hochburgen selbstbewußter vermittelt werden, um wieder Handlungsmöglichkeiten für eine starke linke Bewegung zu erlangen. Linke Gegenkultur und radikale Kritik der kapitalistischen Zustände sind geboten, um die Verhältnisse auch in rechten Hochburgen zum Tanzen zu bringen!

Fußnoten:
1 Zit. aus "Vikingship versenken", Aufruf der Antifa Gelsenkirchen (2003)
2 Zit. aus "Braunzonen Shopping", AIB #55 (2002)
3 Auch wenn wie im "Inside" hier "nur" Kleidung verkauft wird, so gilt es deren ästhetische Komponente auch politisch zu bewerten. Kleidung verschafft Identität, indem sie Gruppenzugehörigkeit, sozialen Status, politische Ausrichtung oder auch Kraft, Stolz, Vaterlandsliebe usw. symbolisiert. Vor allem Markenkleidung hat über die Verhüllung des Körpers hinaus eine weitere Funktion: sie dient der Alltagskommunikation. So sprechen Marken wie "Masterrace", "Gang Violence", "Celtic Wear", "Hatecrime Streetwear" oder "Dobermann" eine deutliche Sprache. Sie dienen, wie z.B. auch der Rechtsrock, als Aufputschmittel gegen Feindbilder auf Konzerten und Trinkgelagen. Nach Innen werden mit Hilfe von Codes politisches Bekenntnis und Gruppenzugehörigkeit vermittelt, so drückt z.B. das T-Shirt mit dem Zahlenkombinations-Aufdruck "28" das Bekenntnis zum verbotenen "Blood & Honour"-Netzwerk aus, der "Consdaple"-Pulli wird wegen der darin enthaltenen Buchstabenfolge "NSDAP" getragen...
4 Eine Zusammenstellung der widerlichsten Nazi-CDs im Black Metal-Bereich
5 Zit. aus "BgR Info", April 2003

Auf nach Gera - den rechten Alltagsbetrieb angreifen!
Für linke Kultur und antifaschistischen Lifestyle
DEMO l 24. Mai 2003 l 16 Uhr l Südbahnhof Gera
HC gainst nazi scum!
Konzert | 24. Mai 2003 | 20 Uhr | Panndorfhalle Gera

Die Demo soll sowohl "Startschuss" als auch erster Höhepunkt der Kampagne sein. Der Aufzug wird um 16 Uhr beginnen und durch die Innenstadt führen. Auf der Abschlusskundgebung werden DJs vom Lautsprecherwagen aus Musik auflegen. Im Anschluss an die Demo findet ein antifaschistisches HC-Benefiz im Rahmen der "Good night white pride"-Kampagne in Gera statt. Es spielen KHMER (Metalcore, Leipzig), DESTROYING TODAY (Hardcore (Ex-"Plaque"), Leipzig), SLAIN (antifaschistischer HC, Stuttgart), BORSTELS RACHE (HC-Punk, Limbach-Oberfrohna) und BATTLE ROYALE (aggressiver HC, Berlin).
Einlass ist um 19 Uhr, los geht's um 20 Uhr in der Turnhalle der ehem. Grundschule 2 (neben Panndorfhalle, beim Stadion/Skatepark).
Im Sommer wird eine thüringenweite Bustour gegen Naziläden des Jugend-Antifa-Netzwerks (JAN) in Gera Halt machen. Im Juli wird eine ähnliche Bustour der "LAG Antifa/Antira" Aufenthalt in Gera haben. In diesem Falle dreht es sich zudem um rechte Zentren, Häuser und Internetversände (die es ja auch in Gera zuhauf gibt - Stichwort "Aufruhr Versand", "Wynnweb" oder "Donnerschlag Rec.").

[Mai 2003, Antifaschistische Aktion Gera]
V.i.S.d.P.: Anna Schneider, Friedericistr. 4, 07545 Gera

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