Sechs Jahre nach dem rassistischen Mord - Mahnung am Ort der Tat

18.01.2010 AAG Gera
In der Nacht zum 21. Januar 2004 wurde der damals 27-jährige Oleg V. in Gera von mehreren Jugendlichen ermordet. Am gestrigen Sonntag traf sich eine Gruppe von AntifaschistInnen, um ihm und allen Opfern rassistischer und faschistischer Morde zu gedenken.
Oleg V. starb allein aus dem Grund, weil er sogenannter "Spätaussiedler" und für die Täter eine "Russensau" war. Seine Peiniger gehörten zu den nicht organisierten Neonazis in den Plattenbauten und Dörfern im Norden der Stadt. Dort, wo sich an den Wochenenden verschiedene Cliquen zum Trinken treffen, weil sie sich aus der Schule oder dem Stadtteil kennen. So geschah es auch an dem damaligen Wintertag, als sich das Opfer mit seinen späteren Mördern in einer Wohnung betrank. Stunden später war Oleg V. tot. Er wurde in ein Wäldchen gelockt und so lange gequält, bis er zu atmen aufhörte. Mit einer Bierflasche, einem Messer, einem Nunchaku und einem Hammer entstellten sie ihn bis zur Unkenntlichkeit.
Seither erinnert alljährlich eine Mahnwache an diese grauenvolle Tat. Dazu kamen gestern Nachmittag etwa 20 Menschen zusammen. In dem Wäldchen am Rande von Bieblach Ost legten sie eine Gedenktafel nieder und stellten Kerzen auf. Nach einer Schweigeminute prangerte das Bündnis gegen Rechts in einer Rede die weiter währende Verharmlosung und gar Verleugnung von nazistischer Gewalt an.
Auch nach diesem Mord wurde beschwichtigt und gegen jene gehetzt, die nicht zur Tagesordnung übergehen wollten. Polizei und Stadtoffizielle leugneten beharrlich die rassistischen Motive der Täter und vermittelten die Angehörigen nicht einmal an die Opferberatung für Betroffene rechtsextremer Gewalt in Gera. Eine antifaschistische Demonstration, wenige Tage später, wurde kriminalisiert, während Neonazis die damals aufgestellte Mahnwache zerstörten. Sie taten alles, um die Kritik an der Situation in dieser Stadt mundtot zu machen.
Ein Grund mehr, warum es von städtischer Seite bis heute keine Initiative für eine fest angebrachte Gedenktafel gibt. Stattdessen erhebt das Ordnungsamt jedes Jahr Gebühren, für die nur wenige Wochen verbleibende Holzplatte. Die Antifaschistische Aktion Gera schließt sich der Forderung des Bündnis gegen Rechts nach einer festen Gedenktafel an.
Bis heute taucht die Tat in keiner offiziellen Statistik rassistischer Morde auf. Das hinderte die InitiatorInnen der Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt" nicht daran, das Schicksal von Oleg V. zu dokumentieren. Zuletzt machte sie 2006 in Gera Station.
Indymedia 18.01.2010
Dokumentation und Folgen des rassistischen Mordes
1. Jahrestag
5. Jahrestag
Ausstellung Opfer rechter Gewalt
Kampagne "Erinnern, nachdenken, handeln" Hohenstein-Ernstthal




Klassentreffen statt Kongress

18.01.2010 AAG Gera
Etwas anderes dürften sich die ProtagonistInnen des sogenannten "Infonetzwerk Gera" von ihrem Verschwörungskongress am 20. Dezember 2009 schon erhofft haben. War dieser großspurig mit fast 500 Gästen und bekannten Protagonisten kruder Verschwörungstheorien im Volkshaus in Gera-Zwötzen angekündigt, wurde daraus nur wenig.
Der öffentliche Druck führte dazu, dass die Stadt die Nutzung des Volkshauses untersagte und das Treffen letztendlich im Gasthaus Heinrichsbrücke stattfand. Deren BetreiberInnen ignorierten den Aufruf die Veranstaltung auszuladen, was wohl auf die sonst geringe Kundschaft zurückzuführen ist. Doch statt der erwarteten 500 kamen nur 120 bis 200 Gäste, bewacht von patrouillierenden Polizeiwagen. Obendrein verschwand der Impfgegner und Anhänger der "Neuen Germanischen Medizin" Ernst Tolzin Mitte Dezember von der Rednerliste. Und aus einem Treffen der "Volksinitiative" von Jürgen Elsässer, das für den 19. Dezember geplant war, wurde mangels Räumlichkeit auch nichts.
Das "Infonetzwerk Gera" feierte die Veranstaltung trotzig als "Erfolg". Doch statt eines bundesweiten Kongresses, war es vielmehr ein Klassentreffen. Zwar konnte diesem – wie auf dem Weblog reflexion.blogsport.de gewünscht – die Suppe nicht völlig, aber doch reichlich versalzen werden.
reflexion.blogsport.de
Stress-Kongress

16.12.2009 reflexion.blogsport.de Gera
Viel Stress gibt es um den zweiten "Geopolitischen Kongress", der am 20. Dezember 2009 in Gera stattfinden soll. Eigentlich wollten die Verschwörungstheoretiker_innen, um das "Infonetzwerk Gera", im städtischen "Volkshaus" in Gera tagen. Doch das verhinderte das Ordnungsamt nach einer "Wertung des Inhalts". Nun treffen sich die "Wahrheitsaktivisten" im "Gast und Speisehaus Heinrichsbrücke" in Gera. Als Referenten werden unter anderem der Anti-Anti-Deutsche Jürgen Elsässer und der Impf-"Kritiker" Hanz Tolzin erwartet, von dem die "Thüringische Landeszeitung" schreibt, dass er "als Anhänger einer ‚Germanischen Neuen Medizin‘" bezeichnet werden könne. Für die musikalische Unterhaltung sorgt die Band "Die Bandbreite", die bereits des öfteren für Aufsehen sorgte.
Eigentlich wollte Jürgen Elsässer und dessen "Volksinitiative" den Kongress nutzen, um bereits am 19. Dezember 2009 ein Treffen der "Volksinitiative" in Gera abzuhalten. Doch das fällt aus: "Es ist sehr schwierig, in Gera geeignete Räume zu bekommen" klagt die "Volksinitiative".
Währenddessen hat sich die "Antifaschistische Aktion Gera" (AAG) mit einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Dort wird die Kritik am Treffen der Verschwörungstheoretiker_innen noch einmal formuliert. Das "Gast und Speisehaus Heinrichsbrücke" wird aufgefordert den "‚Geopolitischen Kongress auszuladen‘". Es sei ein "ein Treffen voller Verschwörungstheorien, Antisemitismus, Antiamerikanismus und völkischer Ideologie" zu erwarten, schreibt die "Antifaschistische Aktion": "Die Überschneidungen reichen bis zur NPD".
Es bleibt abzuwarten in welcher Form der Kongress ablaufen wird. Vielleicht müssen sich die VeranstalterInnen auf die schnelle einen neuen, weiteren Ort für ihr "geopolitisches" Stelldichein suchen.
reflexion.blogsport.de
npd-blog.info
Pressespiegel
Verschwörungstreffen muss umziehen

09.12.2009 AAG Presseerklärung Gera
Hinter Tagung verstecken sich Esoterik und Antisemitismus - Gasthaus Heinrichsbrücke ist aufgerufen "Geopolitischen Kongress" auszuladen
Zu einem sogenannten "2. Geopolitischen Kongress" wird derzeit auf verschiedenen Seiten im Internet geworben. Am 20. Dezember wollen bis zu 450 Personen in Gera tagen und an ein erstes Treffen im August in Leipzig anschließen. Unter dem Titel "Unsere Welt – Wahrnehmung und Realität" lädt ein "Infonetzwerk Gera" ein. Doch was zunächst wie ein Psychologie-Symposium erscheint, entpuppt sich auf den zweiten Blick als ein Treffen voller Verschwörungstheorien, Antisemitismus, Antiamerikanismus und völkischer Ideologie. Die Überschneidungen reichen bis zur NPD. Nun muss die Veranstaltung offenbar umziehen. Im November wurde noch das Volkshaus in Gera-Zwötzen angekündigt, nun ist das Gasthaus Heinrichsbrücke in der Innenstadt Tagungsort. Die BetreiberInnen sind aufgerufen die Veranstaltung auszuladen.
Die angekündigten Referenten bilden bundesweit die Spitze der Verschwörungstheorie. Jürgen Elsässer, einer der bekanntesten Protagonisten, rief Anfang des Jahres eine "Volksinitiative" aus, die eine "Volksfront" gegen das "anglo-amerikanische Finanzkapital" bilden solle. Im Publikum der Gründungsveranstaltung waren auch bekennende Neonazis und Holocaustleugner zugegen. Öffentlich fordert er eine "Re-Nationalsierung" der Wirtschaft. Auf die Frage, ob er damit nicht einen Schulterschluss mit Nationalisten eingehe, habe er "Querfront – na und?" geantwortet.(1) Die Reaktion der NPD lies nicht lang auf sich warten. Nachdem schließlich auch die Tageszeitung Neues Deutschland den langjährigen Autor wegen dessen Äußerungen im Januar dieses Jahres entließ, lud ihn der NPD-Fraktionschef im Landtag von Sachsen Holger Apfel ein, in der Parteizeitung Deutsche Stimme zu publizieren.(2) Auf seinem Weblog gratulierte Elsässer diesen Juni dem iranischen Präsidenten und Holocaustleugner Mahmud Ahmadinedschad zu dessen Wiederwahl und bezeichnet die Protestierenden im Iran als "Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals" die eine "Party feiern" wollten.(3) Zuletzt demonstrierte Elsässers "Volksinitiative" am 30. November mit der islamistischen "Quds AG" in Berlin gegen eine Delegation aus Israel. Diese Organisation initiiert auch die jährlichen antizionistischen und antisemitischen "Al-Quds" Demonstrationen.(4)
Außerdem soll der Vorsitzende der Stiftung "Autarkes Leben" Andreas Clauss sprechen. Er hat das Buch "Das Deutschland-Protokoll" publiziert, auf dessen Einband eine Landkarte des Deutschen Reichs prangt. Sein Verein trägt außerdem den Zusatz "Vereinigung der unter Selbstverwaltung lebenden Deutschen". Auf der Website der Stiftung "Novertis Foundation", bei der Clauss ebenfalls Vorsitzender ist, sind neben verschwörungstheoretischen Websites auch die rechtsoffene Wochenzeitung Junge Freiheit, die antisemitische "Steinberg Recherche", das neonazistische Internetportal "Altermedia" und die Organisation "Nuoviso" verlinkt. Letztere ist Mitinitiator des "Geopolitischen Kongresses". In einem Vortrag mit dem Titel "Crashkurs Geld und Recht" spricht Clauss von der Herrschaft der USA und Großbritanniens über die BRD und indirekt von einer jüdischen Weltverschwörung.(5)
Die weiteren Gäste des Kongresses zeichnen ein ähnliches Bild. Hans Tolzin ist Anhänger der Organisation "Neue Impulse Treff", über die Scientology-Anhänger Kontakte zur Neonaziszene unterhalten. Außerdem ist er Verfechter der pseudomedizinischen "Germanisch Neuen Medizin", die sich aus Antisemitismus speist und bei NPD-SympathisantInnen Anklang findet.(6,7,8)
Christoph Hörstel geht in seiner Verschwörungstheorie davon aus, dass US-Geheimdienste wie der CIA in die Anschläge des 11. September 2001 involviert seien.(9) Die für den Abend angekündigte Band "Die Bandbreite" propagiert dies in ihren Songs ebenfalls. Auch der Angriff von Japan auf Pearl Harbour 1941 sei eine Inszenierung der USA gewesen.(10)
Auf der Website des Gastgebers "Infonetzwerk Gera", finden sich antisemitische Reden von Mahmud Ahmadinedschad und ein Link zu " Infokrieg TV – ein Volk stirbt". Unter dem Namen "Infonetzwerk Thüringen" trifft sich diese Gruppe mit anderen "Stammtischen" aus Erfurt und Jena.(11) Dort nimmt der Neonazi Nico Schneider teil. Er ist Mitglied der NPD-Jugendorganisation JN, wohnte im sogenannten "Braunen Haus" und unterhält mit dem NPD-Kreisverbandsvorsitzenden Ralf Wohlleben mehrere Neonaziwebsites.(12)
"Die Hintergründe legen eines offen. Bei dem angekündigten Kongress handelt es sich mitnichten um ein kritisches Treffen, sondern um Pseudowissenschaft. Das Propagierte ist eine Mischung aus esoterischen Phantasien, Antisemitismus und Antimerikanismus gepaart mit völkischem Nationalismus. Untermauert wird dies stets mit Literatur, die als objektiver Beleg diene und dem Hinweis nichts mit Neonazis gleich zu haben. Trotz abstruser Inhalte wird das Gesagte, angesichts der 500 Angereisten in Leipzig, diskutabler. Wir rufen die BetreiberInnen des Gasthaus Heinrichsbrücke daher auf die Veranstaltung auszuladen und das Treffen damit zu verhinden. Bieten Sie Verschwörungstheorien und Neonazis keinen Raum!", so Anna Schneider, Pressesprecherin der Antifaschistischen Aktion Gera [AAG], eindringlich.
Fußnoten:
1 http://npd-blog.info/2007/11/14/querfront-vermeintliche-linke-auf-abwegen
2 http://npd-blog.info/2009/01/16/neues-deutschland-schmeist-elsasser-raus-einladung-der-deutschen-stimme
3 http://npd-blog.info/2009/06/17/volkische-querfront-gluckwunsch-ahmadinedschad
4 http://www.tagesspiegel.de/berlin/Demonstration-Mitte-Islamismus;art270,2961396
5 http://www.hagalil.com/archiv/2009/04/15/autarkes-leben
6 http://www.verfassungsschutz-bw.de/images/stories/public_files/jabe2004/jabe-2004.pdf
7 http://www.gruenes-blatt.de/wiki/index.php/2006-02:Verschw%C3%B6rungstheoretiker_&_Co._in_der_Jugendumweltbewegung
8 http://www.esowatch.com/index.php?title=Ryke_Geerd_Hamer_und_Antisemitismus
9 http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/-/id=1895042/nid=1895042/did=4126820/198lng5/index.html
10 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,519729,00.html
11 http://atf.antifa.net/nico-packt-aus/index3f01.html?option=com_content&view=section&layout=blog&id=13&Itemid=62
12 http://atf.antifa.net/nico-packt-aus/index.html
Indymedia 08.12.2009
Gedenkplatte zur Reichspogromnacht geschändet

12.11.2009 AAG Gera
Ordnungsamt äußert keinerlei Bedauern und ist vielmehr über Nichtanmeldung verärgert
Am Jahrestag der Reichspogromnacht erinnerte vergangenen Montag eine in der Innenstadt aufgestellte Glasscheibe mit einem Davidstern und dem Datum 9.11.1938 an den Beginn des systematischen Massenmordes an Jüdinnen und Juden vor 71 Jahren. Nur wenig später waren der Davidstern und die Aufschrift beschädigt.
Zwar konnte die Glasinstallation repariert werden, doch bedrückend bleibt die Zerstörung allemal. Nicht zuletzt, weil das Ordnungsamt gegenüber der Ostthüringer Zeitung (OTZ) kein Wort des Bedauerns verliert, sondern "Wind- und Wettereinflüsse" verantwortlich macht. Auf Fotos ist jedoch zu erkennen, dass die Schrift mit Farbe und der Davidstern auf der Rückseite angebracht waren. Sie müssen demnach abgekratzt und heruntergerissen worden sein. Vielmehr zeigt sich die Behörde über die Nichtanmeldung verärgert. Es "sei weder die Glasplatte noch eine Gedenkdemonstration der Antifa zur Reichspogromnacht vorgestern genehmigt gewesen", ist in der OTZ zu lesen.
"Wenn das Ordnungsamt übereifrig eine Schändung ausschließt, erinnert das an die Losung 'weil nicht sein kann, was nicht sein darf'. Im selben Zug den Mahngang zu den Stolpersteinen in Misskredit zu bringen und die Teilnahme der NPD an der Veranstaltung zum ‚Mauerfall’ zu rechtfertigen ist schlicht skandalös. Diese Äußerungen verhöhnen und kriminalisieren das antifaschistische Gedenken und spielen nicht zuletzt der NPD in die Hände", reagiert Anna Schneider, Pressesprecherin der Antifaschistischen Aktion Gera, darauf. "Zivilgesellschaft und Parteien sind aufgerufen, sich nach diesen Vorkommnissen öffentlich zu positionieren. Auch in Anbetracht der für kommenden Sonntag zu erwartenden Kundgebung von Neonazis anlässlich des Volkstrauertages."
Pressespiegel

 
"Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen"

09.11.2009 AAG Gera
Primo Levi – 71. Jahrestag der Reichspogromnacht
Am heutigen Tag wüteten 1938 in Deutschland die Pogrome gegen Jüdinnen und Juden. Synagogen wurden abgebrannt, Geschäfte geplündert, Menschen ermordet. Mit einem Mahngang erinnerten am heutigen Abend 20 Menschen an die Reichspogromnacht.
Der Weg führte zu den seit dem letzten Jahr verlegten Stolpersteinen, in denen die Namen von Opfern des Nationalsozialismus und des Holocaust eingraviert sind. An diesen wurden Kerzen aufgestellt und für Gedenkminuten innegehalten. Der Abschluss fand am Denkmal der ehemaligen Synagoge statt, die in der Reichspogromnacht zerstört wurde. Bereits in der vergangenen Nacht bauten AntifaschistInnen vor dem Stadtmuseum eine Installation auf. Hinter einer Glasscheibe ist ein Davidstern und das Datum 9.11.1938 zu sehen. Nur wenige Stunden später wurden die Aufschriften heruntergerissen. Die Beschädigungen konnten jedoch repariert werden. "Dieser Vorfall ist erschreckend und gleichzeitig Sinnbild für den Alltag", so Anna Schneider, Pressesprecherin der Antifaschistischen Aktion Gera.
Auf der städtischen Gedenkveranstaltung nahmen am frühen Nachmittag etwa 50 Menschen teil. Nur wenige Minuten nach Beginn wurde der "Mauerfall" 1989 thematisiert. "Dies steht beispielhaft dafür, dass sich der öffentliche Fokus der bundesweiten Gedenkveranstaltungen an diesem Tag seit Jahren verschiebt. Es ist der Versuch sich der Geschichte zu entledigen und ein 'besseres' Deutschland zu konstruieren", kommentiert dies Anna Schneider. In einem verteilten Flugblatt wird betont: "Der 9. November kann niemals ein Grund zum Feiern sein!" Dieser Tag ist "der Beginn des systematisch geplanten und durchstrukturierten Antisemitismus und dem beginnenden Holocaust. Diesem Wahn fielen Millionen Menschen zum Opfer ..."
Stolpersteine in Gera
Flugblatt
Indymedia 09.11.2009
Pressespiegel








Aktionstag - Es gibt kein ruhiges Hinterland

29.10.2009 ABSAS / AAG Weißenfels
Am 24.10.09 fand in Weißenfels ein antifaschistischer Aktionstag statt. In diesem Rahmen wurde zu einer Demonstration aufgerufen und im Anshcluss zu einem Zeitzeugengespräch und einem Konzert geladen.
Gegen 14.00 Uhr startete mit etwa 90 TeilnehmerInnen die Demonstration "Es gibt kein ruhiges Hinterland - antifaschistische Jugendkultur stärken" am Märchenbrunnen.
Die Demo zog an mehreren Knackpunkten rechter Akteure in Weißenfels vorbei. Zum einen am Schimeck, einer Kneipe in der Hooligans und Neonazis zum Stammpublikum gehören, zum anderen am Bäckerladen eines bekannten NPD-Mitgliedes. Vereinzelt versuchten Neonazis die Demonstration zu stören.
Eine Einheit der Bereitschaftspolizei filmte die AntifaschistInnen immer wieder ab und fotografierte demonstrativ alle Transparente. Kurz nach Ende der Abschlusskundgebung wurde ein Teilnehmer wegen angeblicher Böllerwürfe festgesetzt.
Im Anschluss ging es gemeinsam in die Trofa, zu einem gut besuchten Zeitzeugengespräch mit Karl Stenzel. Dieser erzählte aus seiner Jugend in der Weimaer Republik, in der er von Nazis misshandelt wurde, und seiner Zeit im Widerstand, im Zuchthaus und später im KZ Sachsenhausen nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten.
Um 21.30Uhr gab es dann ein Konzert mit Zen Zebra, Call Jamie, Out of Range, Klabusterbären und YOK mit 250 BesucherInnen.
Gemeinsam kämpfen gegen Neonazis und für antifaschistische Jugenkultur - überall!
ABSAS
   
Gegen Hetz-Lied erfolgreich gewehrt

08.10.2009 OTZ Gera
Rechtsextremer nach Beleidigung von Peter Lückmann zu Bewährungsstrafe verurteilt
Weil er den Initiator der Geraer Montagsdemonstrationen, Peter Lückmann, in einem Lied beleidigt hat, ist gestern vor dem Amtsgericht Gera ein 25-jähriger Rechtsextremer zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Verfahren gegen den mitangeklagten Bruder wurde eingestellt, weil sich der 28-Jährige seit Januar in Haft befindet und bis Ende Oktober 2010 in der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld einsitzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Eingeräumt hatten die Brüder, im Jahr 2007 einen "Anti-Lückmann-Song" geschrieben und aufgenommen zu haben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft lästern sie darin über Lückmanns Aussehen und stellen ihn als obdachlosen Alkoholiker dar. Vor Gericht beteuerten sie, es sei nicht ihre Absicht gewesen, das Lied zu veröffentlichen. Dies werteten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Strafrichter Eugen Weber als Schutzbehauptung. Da die beiden Männer einem Dritten eine CD mit dem Lied überlassen haben, hätten sie dessen Verbreitung billigend in Kauf genommen. Peter Lückmann sagte als Zeuge aus, er habe einen Hinweis von der Existenz des Liedes erhalten, es im Internet problemlos gefunden und heruntergeladen. Weiterhin sei ihm das Lied an einer Haltestelle von jungen Rechten per Handy vorgespielt worden.
Wie auch bei seinem Bruder ist es für den 25-jährigen Angeklagten nicht der erste Konflikt mit dem Gesetz. Sein Vorstrafenregister zählt neun Einträge, darunter einschlägige wie das Verwenden von verfassungsfeindlichen Kennzeichnen. Aus diesem Grund übertraf das Gericht mit seinem Urteil auch den Antrag der Staatsanwaltschaft, die 90 Tagessätze zu elf Euro für den Azubi und jungen Vater gefordert hatte. Drei Jahre lang darf sich der Geraer nichts zuschulden kommen lassen, für das erste Jahr wird ihm eine Bewährungshelferin zur Seite gestellt. Weiterhin muss er innerhalb eines Jahres 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Die Tat wiege besonders schwer, so der Strafrichter, weil der 25-Jährige mit dem Lied einen Bürger herabwürdigt, der sich für die Demokratie engagiere.
Peter Lückmann begrüßte das Urteil. Er wolle damit anderen Mut machen, die von Rechtsextremen schikaniert, beleidigt oder bedroht werden. Von Katja Schmidtke
Rechte Einstellung der Angeklagten spielte keine Rolle

08.10.2009 Elsterpiraten Berga / Gera
Am 23.09.09 wurde am Geraer Amtsgericht ein weiterer Verhandlungstag, gegen zwei junge Männer aus der Rechten Szene mit nur einem Schuldspruch beendet.
Jörg L. wurde als Täter verurteilt. Das Gericht setzte die Strafe auf anderthalb Jahre auf Bewährung und 120 Stunden Gemeinnützige Arbeit fest. Warum Sven M. an diesem Tag den Gerichtssaal als unbescholtener Bürger verlassen konnte, bleibt für Prozessbeobachter unklar. Obwohl ihn eine Zeugin, am ersten Verhandlungstag dem 29.07.09, beschuldigte sie per SMS bedroht zu haben, blieb dies jedoch ohne Folgen.
In der fünf Stunden dauernden Verhandlung kam es nicht zur eindeutigen Klärung des Tatherganges und dessen politischen Hintergrunds. Insgesamt wurden 6 Zeugen gehört. Darunter auch der in dem Fall ermittelnde Polizeibeamte sowie 2 Zeugen der Verteidigung.
Was geschah während der Verhandlung?
Eine Zeugin, die für die Angeklagten aussagte, verrannte sich zusehends in Widersprüchlichkeiten.
Einmal wollte sie gesehen haben, wie Jörg L. den Geschädigten wegstoßen wollte, es jedoch nicht dazu gekommen sei. Im anderen Moment sagte sie aber, sie wundere sich über die Anklage gegen Jörg L. nicht, denn "man fällt ja nicht von alleine um." Auf die Frage der Nebenklage ob sie Jörg L. und Sven M. als politisch rechts bezeichnen würde, sagte sie, dass die beiden Angeklagten dem rechten Spektrum zu zuordnen seien. Dies könne sie anhand, von Kleidung die die Angeklagten tragen und rechter zum Teil verbotener Musik die sie hören, erkennen.
Auf Nachfrage der Nebenklage bestätigte sie ihre Aussage. Rechte Bekleidung kaufe man nun mal in einem entsprechenden Geschäft. Als die Nebenklage danach fragte ob sie dieses Jahr beim "Rock für Deutschland" war, griffen die Verteidiger ein.
Der Richter erklärte die Frage als unzulässig. Vorher sagte sie noch leise "Dieses Jahr nicht".
Aber nicht nur die oben erwähnte Zeugin ließ manches Erstaunen zu.
Auch die Art und Weise wie mit Belastungszeugen seitens der Verteidiger von Jörg. L. und Sven M. umgegangen wurde, war an diesem Tag mehr als fragwürdig.
Besonders der Anwalt von Sven M. fiel mit seinem Verhalten und seinen Praktiken auf. Während der Aussage des damals ermittelnden Polizisten wurde er sehr energisch, er unterstellte dem Beamten den Hauptbelastungszeugen als Lügner darzustellen. Dieser bestritt jenes vehement.
Auf hierzu geäußerte Einwürfe vom Anwalt des Geschädigten (Nebenklage) reagierte dieser Verteidiger mit verbalen Entgleisungen.
"Unterbrechen sie mich nochmal, dann knallt es hier gewaltig".
Hierfür wurde er vom Gericht gerügt. Daraufhin sagte er:
"Ich brauche eine Pause, sonst raste ich aus".
Viele Fragen bleiben offen.
Das am Ende der Verhandlung gehaltene Plädoyer der Staatsanwaltschaft war skandalös. Die offensichtlich politisch rechte Gesinnung der Angeklagten blieb ausgeklammert. Auch das vom Richter verkündete Urteil enthielt keine Aussage über einen politischen Hintergrund der Tat. Obwohl man zum Teil der Forderungen der Nebenklage folgte.
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