"Magdeburger Verhältnisse"

30.08.2007 Lea Magdeburg / Leipzig

Offener Brief der Leipziger Antifagruppe [Lea]

Am 27. Juni 2007 kam es in Magdeburg zu einem Angriff auf eine Veranstaltung des Antifa-Infoportal Magdeburg (AIP) zum Thema „Zur Kritik des Antisemitismus und des Antiamerikanismus. Solidarität mit Israel.“ Die Angriffe erfolgten mitnichten durch offen erkennbare Nazis, sondern durch sich selbst als Linke bezeichnende Mitglieder der Magdeburger Gruppen „Autonome Antifa Magdeburg“(AAMD), „Gruppe Internationale Solidarität“(GIS) und der „Frauengruppe Magdeburg“. Des weiteren waren Mitglieder der „Antinationalen Neuköllner Antifa“(A.N.N.A.) und der „Freien ArbeiterInnen Union/Ortsgruppe Berlin“(FAU Berlin) an den Angriffen beteiligt.

Dieser Angriff stellt eine neue Qualität dar und ist der vorläufige Höhepunkt von wiederholten Übergriffen o.g. Magdeburger Gruppen auf AntifaschistInnen, deren Anliegen eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen wie Antisemitismus und reaktionäre Kapitalismuskritik ist.1 Dass diese Vorkommnisse im Zusammenhang mit den o.g. Magdeburger Gruppen keine Ausnahme sind, verdeutlichen ihre Stellungnahmen und ihre öffentlichen Äußerungen zu den von ihnen initiierten Übergriffen gegen AntifaschistInnen.2 Die gewaltförmige Option wurde durch die o.g. Magdeburger Gruppen gewählt und brachte deren antisemitische Programmatik zum Ausdruck.

Der Konflikt in Magdeburg geht für uns weit über die Wahrnehmung einiger linksradikaler Zusammenhänge als ein „Szenekonflikt“ hinaus. Immer noch wird von Teilen der deutschen Linken die politische Praxis von Gruppen, welche sich aktiv gegen Antisemitismus und Antizionismus engagieren, als Provokation empfunden, abgelehnt oder angegriffen. Ein Zustand, der für uns unerträglich ist und nicht länger akzeptiert werden kann. Für die Linke in Deutschland muss klar sein, eben auch aufgrund ihrer eigenen Geschichte, dass sie sich in einer ständigen Auseinandersetzung mit Antisemitismus und seinen Erscheinungsformen befinden muss. Der Kampf gegen Antisemitismus und Antizionismus muss daher ein Bestandteil jeglicher emanzipatorischer Bemühungen sein.

Als Konsequenz aus den Angriffen kann es für uns keinerlei Zusammenarbeit mehr mit der „Autonomen Antifa Magdeburg“(AAMD), der „Gruppe Internationale Solidarität“(GIS), der „Magdeburger Frauengruppe“ und der sie unerstützenden Gruppen geben. Daher fordern wir die sofortige Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit diesen Gruppen und deren Ausschluss aus allen linken Zusammenhängen!

Wir fordern von den Gruppen „Antinationale Neuköllner Antifa“(A.N.N.A.) und der „Freien ArbeiterInnen Union“(FAU) eine öffentlichen Stellungnahme zu den Ereignissen und den Ausschluss jener Mitglieder, welche am 27.06.2007 an dem Angriff in Magdeburg beteiligt waren!

Sonderseite

Demonstration für eine antifaschistische Bewegung in Erfurt

31.07.2007 AAG Erfurt / Leipzig

Nazis blamieren sich tags darauf in Leipzig

An einer Demonstration der Antifaschistischen Koordination Erfurt, zu der auch die Antifaschistische Aktion Gera [AAG] mobilisierte, beteiligten sich am 20. Juli bis zu 300 Menschen. Anlass waren die stetig zunehmenden Naziaktivitäten in Erfurt.

Unter dem Motto "make some noise against fascism - 100% antifa, 100 % happiness" zog die Demonstration durch die Innenstadt. Energisch wurden Sprechchöre wie „Erfurt wir sind da - Autonome Antifa“ skandiert und Feuerwerkskörper gezündet. In Redebeiträgen solidarisierten sich Sandro Witt (DGB) und Matthias Bärwolff (Die Linke, MdL) mit dem Anliegen autonomer AntifaschistInnen, die zunehmenden Aktivitäten von Nazis in Erfurt bereits im Keim zu ersticken und wiesen die Extremismusvergleiche der CDU-Landtagsfraktion deutlich zurück. Linksradikale Gruppen riefen außerdem zu einer Bewegung auf, die neben Nazis auch die „Zumutungen des Kapitalismus“ in das Zentrum der Kritik rückt, welche „Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus erst hervorbringen“.
Während örtliche Nazikader wie Patrick Paul und Kai-Uwe Trinkaus am Rande der Demonstration, von der Polizei unbehelligt, auftauchten, kam es durch die polizeiliche Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) wie so oft zu einem Angriff auf die Demonstration.
„Die Provokationen von Nazis und Polizei werden wir mit allen Mitteln beantworten, egal in welcher Stadt. Diese Demonstration war ein Zeichen für die Notwendigkeit einer antifaschistischen Bewegung in der Region“, so die Pressesprecherin der [AAG] Anna Schneider.

Tags darauf blamierte sich der Nazikader Christian Worch in Leipzig. Mit nur 36 Anhängern marschierte er durch den Osten der Stadt. Geschützt von tausenden Polizisten, welche brutal gegen hunderte Protestierende vorgingen. Danach sagte Worch alle in der Stadt angekündigten Veranstaltungen für die kommenden Jahre ab.

Protest gegen Naziaufmarsch in Greiz

31.07.2007 AAG Greiz

Auftaktveranstaltung der NPD ein Reinfall

Bis zu 300 Menschen demonstrierten am 7. Juli in Greiz gegen einen zeitgleich stattfindenden Naziaufmarsch. Die geringe Resonanz machte die Auftaktveranstaltung des örtlichen NPD Kreisverbandes jedoch zum Misserfolg. Direkter Protest wurde, wie so oft, von der Polizei verhindert.

Mit „Alerta Antifascista“ Sprechchören und Transparentaufschriften wie „Den rechten Alltagsbetrieb angreifen“ zog die Demonstration durch die Innenstadt von Greiz. Daran beteiligten sich wie zuvor in Gera autonome AntifaschistInnen, Punks, Skinheads und alternative Jugendliche. Im Anschluss versuchten sie direkt gegen die NPD Kundgebung zu protestieren und anreisende Nazis zu stören. Die Polizei verhinderte dies, wie so oft, durch Absperrungen und aggressives Vorgehen.

Somit blieben die Nazis am Elsterufer zwar weitgehend ungestört, mit nur 70 Teilnehmern entwickelte sich die NPD Kundgebung trotz alledem zum Reinfall. Als „Familienfest“ deklariert sollte es die Auftaktveranstaltung des neu gegründeten Kreisverbandes in Greiz werden. Nach einer Kundgebung im Rahmen der NPD „Mitgliederkampagne“ am 9. Juni kündigten sie sogar 300 Nazis an. „Wir werden den Nazis auch in den Kleinstädten entgegentreten und unseren Widerstand verstärken. Deren Pleite ist unser Erfolg“, kommentiert dies Anna Schneider, Pressesprecherin der Antifaschistischen Aktion Gera [AAG].

Jugendliche demonstrieren gegen Naziaufmarsch in Gera

04.07.2007 AAG Presseerklärung Gera

CDU und "Arbeit für Gera" machen Stimmung gegen autonome AntifaschistInnen - Nazis bleiben ungestört

Mehrere hundert Jugendliche demonstrierten am Samstag gegen einen jährlichen Naziaufmarsch in Gera. Sie beteiligten sich an einer Demonstration der Stadt, zu der nur wenige BürgerInnen erschienen. Im Vorfeld und am Tag selber setzten CDU und "Arbeit für Gera" autonome AntifaschistInnen mit den aufmarschierenden Nazis gleich. Während NPD und Kameradschaften bei Rechtsrock und Reden völlig ungestört blieben, griff die Polizei am Abend eine Gruppe von Punks und alternativen Jugendlichen an.

Insgesamt demonstrierten am 30. Juni 300 jugendliche Punks, Skinheads, Alternative und autonome AntifaschistInnen in einem eigenen Block. "Nazis raus" und "Ihr habt den Krieg verloren" Sprechchöre hallten durch die Innenstadt und Transparente mit Aufschriften wie "Rechte Strukturen bekämpfen" oder "Skinheads gegen Rassismus" waren zu sehen. In Flugblättern rief die Antifaschistische Aktion Gera [AAG] zum "Mach mit gegen Nazis" auf und informierte über Entwicklungen der Naziszene. "Wenn am 30. Juni also hunderte Nazis in Gera aufmarschieren, sind diese keine Eintagsfliegen sondern Resultat des Alltags", hieß es darin. Das bestätigte sich nicht nur durch die Teilnahme von gerade einmal 150 BürgerInnen an der städtischen Demonstration. Statt Nazis als konkrete Bedrohung und deren Ideologie als politisch indiskutabel zu benennen, wurde in Reden von "Extremismus und Gewalt" gesprochen und aufgefordert den Dialog zu suchen.
Noch im Vorfeld konnte die Stadtratsfraktion von "Arbeit für Gera" in der Ostthüringer Zeitung (OTZ) unkommentiert gegen autonome AntifaschistInnen Stimmung machen. Demnach sollte "nicht nur […] Rechtsextremismus" bekämpft werden. Weiter kam der CDU Landtagsabgeordnete Michal Panse zu Wort und diffamierte autonome AntifaschistInnen als "ein Teil des Problems". Der "Runde Tisch für Toleranz und Menschlichkeit" und die städtische Ausländerbeauftragte Evelyn Fichtelmann warnten, wie in den Jahren zuvor, ebenfalls vor autonomen AntifaschistInnen.
Um so mehr verwunderte, dass die OTZ am Montag von einer gemeinsamen Sprache "mit den Antifa-Anhängern" sprach und der städtische "Runde Tisch für Toleranz und Menschlichkeit" deren Teilnahme lobte. Anna Schneider, Pressesprecherin der [AAG] dazu: "Ohne die große Anzahl Jugendlicher wäre diese Demonstration schlicht zur Farce verkommen. Doch auch so verkörpern die bürgerlichen Akteure genau die gesellschaftliche Situation, die es den Nazis ermöglicht sich vor Ort zu etablieren. Es geht ihnen nicht darum die Wurzeln von Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus anzugehen. Vielmehr ist die Rede vom Ansehen des Standortes, dem Ruf der Stadt und der Idylle der Bundesgartenschau. Genau aus diesem Grund entpolitisiert die Polizei seit Jahren rassistische Angriffe und dementiert die Dominanz von Nazis, hetzt das Ordnungsamt gegen 'Linksautonome' und lobt die Ostthüringer Zeitung (OTZ) das städtische Engagement gegen Rechtsextremismus." Diese zitierte Lothar Kissel, örtlicher Polizeidirektor, sogar mit den Worten "Gera ist eine sehr demokratische Stadt". War doch gerade er es, der nach dem 2004 von Nazis begangenen Mord in Gera, vor der Teilnahme an einer antifaschistischen Demonstration warnte, da diese den Ruf der Stadt schädige. Außerdem drohte er nach Absetzungsforderungen mit Anzeigen.
Noch am Abend des 30. Juni griff die Polizei Punks und Alternative Jugendliche in der Innenstadt an. Auf dem Platz der Demokratie hagelte es Schläge und Tritte, einzelne von ihnen wurden in Polizeiwagen gezerrt und zu Alkoholtests gezwungen. Unterdessen blieben die 500-800 Nazis völlig ungestört und konnten sich frei durch die Stadt bewegen.

Die [AAG] Pressesprecherin kommentiert dies: "Polizei, OTZ und städtische Initiativen á la 'Runder Tisch für Toleranz und Menschlichkeit' können sich unserem Widerstand gewiss sein. Deren Kalkül ist es Standortpflege zu betreiben und nicht etwa Nazis daran zu hindern aktiv zu werden. Von ihnen werden wir uns Mittel und Wege gegen Nazis keineswegs vorschreiben lassen, denn sie sind ein Teil des Problems."

Publikationen
Flugblatt "Mach mit gegen Nazis"
Presseerklärung 04.07.2007

Berichterstattung
Pressespiegel
 

Antifaschistische Kundgebung gegen NPD "Mitgliederkampagne"

22.06.2007 AAG Gera / Thüringen

Naziszene baut Strukturen und Aktivitäten in Gera und Umland aus

Mehrere linke Organisationen protestierten am 9. Juni in Gera gegen eine Kundgebung der nazistischen NPD. Diese tritt mit Kundgebungen anlässlich einer Mitgliederkampagne sowie Aufmärschen in Gera und Umland wieder massiv in Erscheinung.

Etwa 20 Personen beteiligten sich an der Kundgebung des Bündnis gegen Rechts Gera, des Netz von Betroffenen rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung e.V., der Antifaschistischen Aktion Gera [AAG] sowie Gewerkschaften und bürgerlichen Parteien. Mit Redebeiträgen und Flugblättern wurde über den bevorstehen Aufmarsch von Nazis am 30. Juni in Gera informiert. Außerdem konnten PassantInnen verteilte Nazipropaganda entsorgen. Wirklich offensiver Widerstand blieb jedoch - wie so oft - aus.
Trotz dessen war die Resonanz der BürgerInnen auf NPD Mitgliedsanträge und Flugblätter gering.

Hintergrund ist eine von der NPD initiierte Mitgliederkampagne im Vorfeld der Landtagswahl 2009 in Thüringen. Ziel dieser ist der Einzug in das dritte Landesparlament in Ostdeutschland. Bereits vor einem Jahr verkündete sie dafür neue Mitglieder anzuwerben, ihre Dominanz zu verstärken und unter dem Tenor "keine Veranstaltung über uns ohne uns" öffentliche Diskussionen zu stören. Der von Frank Schwerdt (NPD Landesvorsitzender) im letzten Jahr noch selbst als "untätig" bezeichnete und von einem "Trinker" geleitete Kreisverband in Altenburg wurde neu organisiert und von Gera aus ein neuer in Greiz gegründet. Dies dient nun der flächendeckenden Präsenz in Gera und Umland.
Dokumentiert sind Kundgebungen am 16.Mai in Pößneck, 23. Mai in Neustadt/Orla, 26. Mai und 9. Juni in Gera, 1. Juni in Ronneburg, 4. Juni in Bad Lobenstein. Weitere am 13. Juni in Meuselwitz, 14. Juni in Schmölln, 20. Juni in Crossen an der Elster, 22. Juni nochmals in Meuselwitz sowie in Gößnitz. Am 30. Juni folgt der jährliche Aufmarsch von hunderten Nazis und mehreren Rechtsrockbands in Gera, am 7. Juli ein Aufmarsch in Greiz und am 17. August ein weiterer in Altenburg.
Federführend beteiligt an dem erstarkenden öffentlichen Auftreten der NPD in Gera ist der jetzige Kreisverbandsvorsitzende Gordon Richter. Während dieser im internen Machtkampf des NPD Landesverbandes vom Konkurrenten Patrick Wieschke als "personelles Problem" bezeichnet wird, rückt er vor Ort seit zwei Jahren immer mehr in den Vordergrund. Dabei weiß die örtliche NPD, ganz im Sinne der propagierten "Volksfrontstrategie", die gesamte Kameradschafts- und National Socialist Black Metal (NSBM) Szene hinter sich. So verwundert es nicht, dass die Rechtsrocker Jens Fröhlich und Dennis Schoner sowie Andreas Wagner, Bruder des langjährig inhaftierten Stefan Wagner, an dieser Kundgebung teilnahmen.

"Dass den jetzigen Bestrebungen der NPD, nur marginaler Widerstand entgegengebracht wird, bestätigt unsere langjährige Einschätzung" so Anna Schneider, Pressesprecherin der [AAG]. In der Tat können Nazis in Gera und Umland faktisch ungestört agieren. Politische Ignoranz, latenter Rassismus und Nationalismus sind Alltag und bürgen wenig Hoffnung auf eine politische Bewusstseinsänderung. Initiativen á la "Runder Tisch für Toleranz und Menschlichkeit" in Gera, an denen Ordnungsämter, Polizei, Wirtschaftsverbände und Parteien teilnehmen, ändern daran nichts; sie sind vielmehr Teil des Problems.
Statt Gera als Hochburg organisierter Nazis und rassistischer Angriffe zu benennen wird seit den neunziger Jahren ein Standortimage bedient. In diesem Zuge entpolitisiert die Polizei rassistische Angriffe und dementiert die Dominanz von Nazis, hetzt das Ordnungsamt gegen "Linksautonome" und lobt die Ostthüringer Zeitung (OTZ) das städtische Engagement gegen Rechtsextremismus.
"Wir werden diese Reflexe benennen und ebenso negieren. Nazis fallen nicht vom Himmel, sondern sind ein Resultat des Fundaments aus Volk, Staat, Nation und Kapitalismus.", so die [AAG] Sprecherin abschließend.


Antifaschistische
Kundgebung

NPD
Kundgebung

Gordon
Richter

Andreas
Wagner

Jens
Fröhlich

Denis
Schoner


 

Hack gegen Internetforum der Polizei

22.06.2007 AAG Bundesweit

Brisante Äußerungen und Einsatzpläne öffentlich einzusehen

Ein Hack legte am 9. Mai die komplette Datenbank des Internetforums www.german-police.org offen. Darin waren u.a. brisante Äußerungen von Polizisten und Informationen über Einsatzpläne enthalten. Die radikale Linke freut's - Die Polizei tobt.

Bereits in den Vorjahren wurden unzählige Websites und Onlineversände von Nazis gehackt. Nun hat die "Datenantifa" Vertreter kapitalistischer Repression, Überwachung und Gewalt in den Fokus genommen.
So war wenige Stunden nach den Razzien gegen die radikale Linke nur noch ein ironisches Statement vorzufinden: "Es gibt ernstzunehmende Hinweise, das sich Teile der Polizeibeamtenschaft im Rahmen des G8-Gipfels staatsterroristisch (gemäß §129a) betätigen wollen, daher sahen wir uns im Namen der Bundesdatenantifa gezwungen umfassende Maßnahmen einzuleiten, um dieser Bedrohungssituation Herr zu werden."

Nun sind unzählige niveaulose Unterhaltungen zwischen Polizisten öffentlich einzusehen, in denen sie sich über den laschen Umgang mit MigrantInnen und die "Vergangenheitskeule" echauffieren. Andere erfreuten sich über einen Festgenommenen, der "zwei - bis dreimal in den Lauf der gezogenen Waffe" fiel, einen weiteren, der auf dem Polizeirevier das bekommen hat, was er verdiente oder über einen "kurzen Faustschlag des Kollegen" der als "nicht schlecht" empfunden wurde, "als der kleine lustige Punk dann zu Boden ging". Durch die ebenfalls zugänglichen persönlichen Daten sind diese Äußerungen einzeln zuordenbar. Doch die Datenbank birgt auch Besprechungen und Berichte zu Polizeieinsätzen, sogar zu Planungen im Vorfeld des G8 Gipfels und die Auswertungen werden wohl noch weiteres an die Öffentlichkeit bringen.

Entsprechend verärgert fielen die Reaktionen der Polizei aus. Während die Niederlage öffentlich verschwiegen wird, sind Statements wie von einem Polizeioberkommissar aus Erfurt-Süd aufgetaucht: "Gummiknüppel poliert, Tränengas nachgetankt, Waffe durchgeladen - trau Dich Du blöder Hacker!".
Die radikale Linke jedoch freut’s, hat diese Attacke doch gezeigt, dass es immer und überall Widerstand geben wird.

Indymedia
Datenbank

Nazikonzerte in Gera, Südthüringen und Altenburg durch Polizei aufgelöst

28.04.2007 AAG Gera

Anonyme Hinweise lassen Nazis auffliegen - Musikinstrumente und Gewehre beschlagnahmt

Ein Woche vor den alljährlichen Naziaufmärschen zum Volkstrauertag löste die Polizei am Abend des 11. Novembers in Gera und Wernshausen im Kreis Schmalkalden-Meiningen zwei nicht angemeldete Nazikonzerte auf.
Die 93 Teilnehmer reisten aus mehreren Bundesländern sowie aus Tschechien und Polen nach Gera. Von den anwesenden Bands „Ohtar“ aus Polen, „Inferno“ und „Vorlok“ aus Tschechien, „Vrolok“ und „Blutrache“ aus Sondershausen konnte lediglich letzte auftreten. Sie stammen, wie Publikum und Organisatoren, aus der "National Socialist Black Metal" (NSBM) und der in Deutschland verbotenen "Blood & Honour" Szene.
Die Veranstaltung wurde durch die Polizei aufgelöst, Platzverweise ausgesprochen und Anzeigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte oder Tragens verfassungsfeindlicher Symbole erstattet. Außerdem wurden mehrere geliehene Musikinstrumente von Jens Fröhlich, Nazischläger und Sänger der Naziband „Eugenik“ aus Gera, beschlagnahmt.
Anonyme Hinweise ließen das nicht angemeldete Nazikonzert, welches nicht das erste im Norden der Stadt war, auffliegen. Bereits 2001 war das Gewerbegebiet Rusitz zweimal Ort von Nazikonzerten und in den naheliegenden Dörfern Pölzig und Roben sind seit 1997 mindestens 17 solcher Veranstaltungen dokumentiert.

Ein weiteres Nazikonzert fand am selben Abend in Wernshausen statt. Erst nach 3 Uhr wurde es mit der bis dahin in Gera anwesenden Hundertschaft und mit Unterstützung aus Hessen aufgelöst sowie Platzverweise ausgesprochen und Anzeigen erstattet. Der Hauptteil der Veranstaltung konnte somit unbehelligt vonstattengehen.
Mit bis zu 600 Teilnehmern war es 2006 eines der größten Nazikonzerte in Thüringen.

Zwei Monate darauf, am 31. Januar dieses Jahres, löste die Polizei ein Nazikonzert in Altenburg auf. Die 70 Teilnehmer, welche sich in einer leer stehenden Diskothek in der Feldstraße versammelten, erhielten Platzverweise. Auch hier wurden Anzeigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte erstattet sowie Musikinstrumente und sogar zwei Gewehre beschlagnahmt.
Erst am 2. Oktober 2006 löste die Polizei in Altenburg ein Nazikonzert mit 100 Teilnehmern auf.

Deutsche Opfermythen und Naziaufmärsche zum Volkstrauertag 2006

28.04.2007 AAG Gera

Nazis veranstalten Kundgebungen in Gera, Greiz und Altenburg

Zum alljährlichen Volkstrauertag gedenkt Deutschland auch in Gera an Wehrmachtssoldaten und Weltkriege. Das politische Kalkül zielt seit der „Ära Schröder“ dabei auf die Schaffung einer Europäischen „Tragödie“ um die Barbarei der Deutschen schrittweise zu relativieren und die Deutschen in eine Reihe mit den Opfern der Shoa und der deutschen Kriege zu stellen.
Dass der erhoffte Revanchismus parallel dazu seit Zusammenbruch des Ostblocks außenpolitisch an Bedeutung verliert, hat für die Nazis jedoch keine Bedeutung.

So marschierten unorganisierte und NPD Nazis zum Volkstrauertag 2006 in Gera sogar zweimal auf. Mit jeweils 40 Teilnehmern hielten sie am 16. und 19. November Kundgebungen ab. Eine in den Vorjahren angestrebte Öffentlichkeit durch Gegenveranstaltungen blieb jedoch aus. So verwundert es nicht, dass Politik und Presse vor Ort diesen Aufmarsch ignorierten. Doch gegen Nazis hilft das wenig: diese und andere Nazikundgebungen sind ein jährliches Ritual und die Teilnehmerzahlen steigen. Die Entwicklung im Umland bestätigt dies. In Greiz marschierten 25 Nazis auf und konnten ungestört Flugblätter verteilen und auch in Altenburg soll es eine Kundgebung gegeben haben.

Nichts gewusst oder alltägliche Normalität? Wieder Fight Club mit Nazis in Gera

09.02.2007 AAG Presseerklärung Gera

Nach damaligen Protesten weicht der Eastfight e.V. nun in das nahe gelegene Ronneburg aus

Nachdem es im letzten Jahr ruhig wurde um die Fight Clubs mit Nazis in Ostthüringen und Sachsen, wirbt der Eastfight e.V. erneut für solch eine Veranstaltung. Am morgigen Samstag kann er die städtische „Bogenbinderhalle“ in Ronneburg bei Gera nutzen. Dabei ist es eindeutig, dass der Verein, seine Kämpfer und mehrere Sponsoren aus der Naziszene stammen und keinerlei Berührungsängste zu ihr haben. Aus diesem Grund äußert die Antifaschistische Aktion Gera [AAG] ihr absolutes Unverständnis gegenüber der erneuten Vermietung eines städtischen Gebäudes.
Bereits im Dezember 2005 informierte die [AAG] anlässlich des ersten Fight Clubs des Eastfight e.V. über den Verein und seine Verstrickungen in die Naziszene. Damals beschäftigten sich die Lokalpresse, der Stadtrat von Gera und der Landtag von Thüringen mit der Veranstaltung, jedoch ohne Konsequenzen für den Eastfight e.V. und den damaligen Fight Club.

Unterlassungsklagen gegen Antifaschisten und Dementis wie „Politische Gesinnungen oder Aktivitäten von Sportlern stellen für das Eastfight-GYM kein Aufnahmekriterium dar!“ können auch weiterhin über die wahre politische Gesinnung nicht hinwegtäuschen.
Beweise gab es bereits 2005 genug. Mitglieder dieses Vereins trugen schon damals neben Kleidung mit „Eastfight“-Aufdrucken auch T-Shirts und Pullover mit eindeutigen Schriftzügen wie „Opa war kein Verbrecher“ oder „Sportfrei für Gera“ und das von der Waffen SS geschaffene „Schwarze Sonne“-Symbol. Unter ersterem Slogan initiierten Nazis in den letzten Jahren Aktionen gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“. Letzterer lehnt sich an die Marke „Sport Frei“ an. Diese wird von Neonazis aus Bremen und Zarrentin vertrieben und ist in Nazi-Hooligan- und -Fight Club Kreisen beliebt.
Außerdem wurden der [AAG] damals Informationen zugespielt, nach denen sich Mitglieder beim Training per Hitlergruß begrüßten.
Der Vorsitzende des Vereins Lars Weber soll 2005 selbst an einer Diskothekenschlägerei in Gera beteiligt gewesen sein und gute Kontakte zur überwiegend nazistischen Fight Club Szene im 60 Kilometer entfernten Chemnitz halten. Deren Mitglieder griffen im November 2004 und Oktober 2006 antifaschistische Demonstrationen in Chemnitz an. Zuerst warfen sie mit Flaschen und Zaunslatten und skandierten Parolen wie „Juden raus“, zwei Jahre später griffen sie mit Steinen an. Bei Fight Clubs in Chemnitz war der Großteil der Zuschauer der Naziszene zuzuordnen und wartete mit Parolen wie „Ostdeutschland-Naziland!“, „Sieg Heil!“ oder „Hoonara!“ - der Szeneabkürzung für Hooligans, Nazis Rassisten - auf, worüber auch das ARD-Magazin Panorama berichtete.
Von der eigenen Website des Vereins sind Fotos abrufbar, die nochmals verdeutlichen, wer sich hinter dem Eastfight e.V. verbirgt. Zu sehen sind Mitglieder mit einem auf den Oberarm tätowierten Wehrmachtssoldaten, einem T-Shirt, auf dem ein Wehrmachtssoldat bei einer Hinrichtung abgebildet ist und einem T-Shirt mit der Aufschrift „Consdaple“. Diese Marke wurde vom Naziversand „Patria-Versand“ aus Landshut entworfen, vertrieben und ist ausschließlich in Naziläden zu erhalten. Sie ist in der Szene äußerst beliebt, da bei Verdeckung einiger Buchstaben der Schriftzug „NSDAP“ hervorkommt.
Weitere Aufnahmen vom ersten Fight Club am 26. Dezember 2005 zeigen Mitglieder des Vereins beim Aufbau, die unverhohlen die Nazikleidungsmarke „Thor Steinar“ tragen. So auch ein Teil des Publikums, das damals eindeutig der Naziszene zuzuordnen war.

Die Liste der Sponsoren kann die Vorwürfe nur erhärten. Der Naziladen „Youngland“ aus der Straße des Friedens 3 in Gera wurde zwar nicht nochmals aufgeführt, dies aber wohl nur, weil er mehrfach Ziel von Polizeirazzien war, das Medieninteresse des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) auf sich zog und eindeutig aus der Naziszene stammt. Dafür gehört der Naziladen „Objekt 90“ aus Ronneburg mittlerweile zum festen Kreis des Eastfight e.V. und tritt nach dem ersten Fight Club nun wieder als Sponsor in Erscheinung.
Das Geschäft verkauft am Markt 20 in Ronneburg neben den in der Naziszene beliebten Marken „Lonsdale“, „Fred Perry“ und „Everlast“, auch die Nazikleidungsmarke „Thor Steinar“. Auf der Internetseite des Geschäfts wird sie als „Flaggschiff“ an erster Stelle aufgeführt und jeder bestellbare Artikel angeboten.
Die Kleidungsmarke „Thor Steinar“ wird von Nazis aus Brandenburg vertrieben und erfreut sich seit 2002 großer Beliebtheit in der Naziszene. Modisch transportiert diese aktuell bedeutendste Nazikleidungsmarke völkische Symbolik, Runen, welche sich an die NS-Zeit anlehnen und den charakteristischen Aufdruck „Ultima Thule“, was auch der Name eines Rechtsrock Musiklabels aus Schweden ist.
Unterdessen wird der „The Last Resort Shop“ in Zwickau erneut als Vorverkaufsstelle für den Fight Club in Gera deklariert und reiht sich in die Liste der Naziläden ein. Dessen bisheriger Betreiber Ralf "Manole" Marschner, der mittlerweile den zweiten in Zwickau ansässigen Naziladen „Heaven&Hell“ eröffnete, war Sänger in der Naziband „Westsachsengesocks“ und mehrfach Ziel von Polizeirazzien. Grund hierfür waren seine Verstrickungen in den Vertrieb von Musik mit verfassungsfeindlichen Inhalten in die verbotene Blood & Honour Bewegung. Außerdem war er in die Verbreitung der CD "Ran an den Feind" der einschlägig bekannten und verbotenen Naziband „Landser“ involviert. Er kaufte ihnen mehrere tausend Stück ab und stand deswegen auch vor Gericht.
Der Anführer der Naziband, Michael Regener alias „Lunikoff“ muss u.a. wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung eine über dreijährige Haftstrafe absitzen.
„The Last Resort Shop“ bietet ebenfalls ein großes Sortiment der erwähnten Nazikleidungsmarke „Thor Steinar“ an.
Weiterhin tritt die Sicherheitsfirma „Alpha DSD“ als Sponsor des Fight Clubs in Gera auf, welche wie der Naziladen „Objekt 90“ mittlerweile zum festen Kreis des Eastfight e.V. gehört und zum ersten Fight Club in der Panndorfhalle in Gera den Sicherheitsdienst stellte. Diese Sicherheitsfirma trat durch Naziparolen und einen körperlichen Übergriff in Erscheinung. Bei einer Veranstaltung im Juni 2005 griffen Türsteher dieser Firma alternative Jugendliche an und beschimpften diese mit antisemitischen und nazistischen Äußerungen - sie mussten sich vor Gericht verantworten.

Dass es dem Eastfight e.V. nicht gelang, erneut eine städtische Halle in Gera anzumieten, ist die einzig richtige Konsequenz. Doch die Situation in dem geradezu dörflichen Vorort Ronneburg ist prekärer als vermutet. An Nazis und deren Auftreten scheint sich niemand zu stören oder „will nach den Veröffentlichungen zum letzten Fight Club niemand etwas gewusst haben?“ stellt die Pressesprecherin der Antifaschistischen Aktion Gera [AAG] Anna Schneider in Frage.
Der jetzige Fight Club unter dem wenig geistreichen Titel „bad blood contest“ ist hierbei nur ein Teil des Problems. Der Naziladen „Objekt 90“ existiert ungestört mitten in der Stadt und sponsert noch dazu den Sportverein „FSV Ronneburg“, der Nazi Christian Bärthel schaffte es sogar zeitweise unentdeckt in den Verbund der „Freien Wähler“. Nazis gehören zum alltäglichen Stadtbild und erst im November wurden die Fensterscheiben eines türkischen Imbiss von Unbekannten eingeschlagen.

Damit sich offener wie latenter Rassismus, Antisemitismus und Nazismus nicht ungestört etablieren können, muss dem in allen gesellschaftlichen Bereichen eine unmissverständliche Absage erteilt werden. „Der kommende Fight Club ist keineswegs eine harmlose Boxveranstaltung. Hinter ihm stehen Nazis und deren Sympathisanten verschiedener Couleur. Sie geben sich scheinbar unpolitisch, doch ihnen muss durch jede und jeden ebenso Paroli geboten werden wie der NPD und den Nazis der Rechtsrockszene“, so Anna Schneider abschließend.

Publikationen
Presseerklärung 09.02.2007

Berichterstattung
Ostthüringer Zeitung 10.02.2007

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